Auf ein Wort – Gabriele Volz sieht Aufklärungsbedarf bei Private Equity

14.Juni 2011   
Kategorie: Der Fondsbrief, News

 

Honigbienen statt Heuschrecken

 Gabriele Volz ist als Geschäftsführerin der UniCredit-Tochter WealthCap für die geschlossenen Fonds zuständig. Sie setzt auf die Renaissance von Private-Equity-Fonds für private Kapitalanleger.

Der Fondsbrief: Franz Müntefering sprach seinerzeit im Zusammenhang mit Private-Equity-Fonds von Heuschrecken. Sie von Honigbienen. Was macht Ihrer Definition nach eine Honigbiene im Bereich Private Equity aus?

Gabriele Volz: Honigbienen handeln im Gegensatz zu Heuschrecken langfristig orientiert. Für Private Equity heißt das Wertsteigerung durch Umsatzwachstum und nicht durch rigorose Kostensenkungen. Gerade in jüngster Zeit fokussieren sich Private-Equity-Gesellschaften auf „Buy-and-build“-Strategien. Dabei geht es vor allem darum, mit effizienten und schlagkräftigen Management-Strategien das Unternehmen nach vorne zu bringen. Kurz: Die Honigbiene ist fleißig und handelt nachhaltig.

FB: Potenzielle Anleger nehmen Private Equity trotz positiver Ergebnisse zahlreicher Fonds hauptsächlich als riskantes, unüberschaubares Investment wahr. Wie erklären Sie sich das?

Volz: Das liegt vor allem daran, dass Private Equity kaum verstanden wird. Das fängt bei der Vielzahl von Fremdworten und Anglizismen an und hört bei mangelnden Erfahrungswerten und unzureichender Aufklärungsarbeit in den Medien und durch Marktteilnehmer auf. Die Anleger haben kaum Quellen, auf die sie sich verlassen können. Wie unsere Studie zeigt, führt dies zu einer Unsicherheit, die sich massiv auf das Anlageverhalten auswirkt. Da müssen wir ansetzen und klarer kommunizieren.

FB: Wie reagieren Sie auf das Ihrer Ansicht nach deutliche Missverhältnis zwischen Wahrnehmung und Realität?

Volz: Wir müssen neue Wege in der Kommunikation gehen. Private Equity bietet so vieles. Es reicht schon der Samstagseinkauf in der Fußgängerzone, um Private Equity zu erleben. Burger King oder Rodenstock sind nur zwei Beispiele, bei denen uns Private Equity täglich begegnet. Die Anlageklasse muss insgesamt greifbarer werden. Die Unternehmen, in die investiert wird, müssen mit all den Menschen, Ideen und Geschichten, die dahinter stehen, stärker in den Vordergrund gerückt werden. Außerdem müssen wir die Anleger in die Lage versetzen, Chancen und Risiken der Anlageform eigenständig zu beurteilen. Dazu gehört eben eine verständliche Information, aber auch eine gute Beratung.

FB: Sie haben Anleger mit einem freien Vermögen von mindestens 250.000 Euro befragt. Sind das Ihre typischen Kunden, oder sprechen Ihre Berater auch Anleger mit bescheidenerem Vermögen an?

Volz: Ich denke nicht, dass es einen typischen Private-Equity-Kunden gibt. Es kommt darauf an, dass der Kunde versteht, wie er sein Geld anlegt. Die Anleger müssen in der Lage sein, Chancen und Risiken einer Geldanlage zu beurteilen. Jede Anlageklasse und damit auch Private Equity muss in das individuelle Chancen/Risiko-Profil und zur jeweiligen Lebenssituation passen. Sicherlich ist Private Equity nichts für sicherheitsorientierte Kleinanleger.

FB: Sie haben jüngst einen Privat-Equity-Fonds mit Sicherheitspolster platziert. Wie passt das mit Private Equity zusammen? Ist das nicht ein Zeichen dafür, die Zielgruppe auf eher ungeeignete Anleger auszuweiten?

Volz: Hier passt das Sprichwort „Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“. Mit unserem Private-Equity-Fonds mit Sicherheitskonzept haben wir uns an konkreten Wünschen des Vertriebs ausgerichtet. Unser Fonds mit Sicherheitskonzept war der Wegbereiter und hat die Anlageklasse Private Equity neu positioniert. Und wie ich finde, sind erwartete 8 Prozent Ausschüttung nach Steuern nicht so schlecht – selbst mit Kapitalgarantie.

FB: Manche der Befragten sprechen im Zusammenhang mit Investitionen in Private Equity von „Spielgeld“. Ist das nicht genau die richtige Einstellung?

Volz: Das sehe ich nicht so. Sie treffen aber hier den Kern des Problems. Wenig eigenes Wissen der Anleger, eine Branche, die sich unnötig bedeckt hält und eine öffentliche Berichterstattung, die sich hauptsächlich um Negativ-Beispiele dreht, hinterlassen so ihre Wirkung. Private Equity ist nichts anderes als eine außerbörsliche Unternehmensbeteiligung. Dabei wird in konkrete Sachwerte investiert. Im Buy-Out-Segment sind dies zudem meist am Markt bereits etablierte Unternehmen. Wenn wir es schaffen, diese Fakten greifbar zu machen, dann bin ich sicher, spricht niemand mehr von Spielgeld. 

FB: Rund 45 Prozent der von Feri untersuchten Fonds kommen auf einen Wertzuwachs von mindestens 50 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Wieviel davon kommt bei den Anlegern an?

Volz: Grundsätzlich kommt der gesamte Wertzuwachs bei der jeweiligen Beteiligungsgesellschaft an. Sicherlich muss auch die Arbeit des Fondsmanagements angemessen vergütet werden. Ich mache Ihnen ein Beispiel: Unser erster Private-Equity-Fonds erzielte knapp 16 Prozent (IRR) p.a. nach Steuern und Kosten. Unser zweiter Fonds – der Blue Capital Equity I – wird ein ähnliches, vielleicht noch einen Tick besseres Ergebnis erzielen. Wenn dann das Fondsmanagement weniger als ein Prozent Vergütung p.a. erhält, ist das für die Anleger akzeptabel.

FB: Sie sehen die Berater und Vermittler in der Pflicht, Wissen über Private Equity zu vermitteln. Erscheint das realistisch? Ist der Berater von einem Fonds nicht überzeugt, wird er ihn auch nicht verkaufen.

Volz: Ein Berater verkauft einen Fonds dann, wenn er kompetent und selbstsicher alle Vor- und Nachteile der Geldanlage vermitteln kann und selbst davon überzeugt ist. Nur so kann Vertrauen zwischen Kunden und Beratern erzeugt werden. Damit schließt sich gewissermaßen der Kreis. Die Aufklärungsarbeit setzt beim Berater an. Denn es sind die Berater, die nahe am Kunden arbeiten. Wir als Initiatorenhaus müssen dazu natürlich auch unseren Beitrag leisten und werden mit entsprechenden Unterstützungsmaßnahmen den Vertrieb begleiten.

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