Fonds-Check: GSI mit neuem Solarfonds

GSI mit deutschem Solarfonds auf der Mittelstrecke

Langsam verzieht sich der Pulverdampf nach dem Schuss der Vergütungsreduktion für Solarstrom in Deutschland – und siehe da, wie die meisten Experten prognostiziert hatten, nach wie vor lassen sich konkurrenzfähige Beteiligungsangebote konzipieren. Einfacher ist diese Aufgabe allerdings nicht geworden, die Stichtagsregelung verkompliziert den Ankauf von Anlagen im Projektstadium deutlich. Die GSI Fonds GmbH & Co. KG betritt den Markt mit einem auf eine Laufzeit von nur zehn Jahren ausgerichteten Solarfonds, an dem sich Anleger ab 10.000 Euro ohne Agio beteiligen können. Für das geplante Eigenkapital von 10 Mio. Euro garantieren Initiator und Bankhaus M. M. Warburg, eine Kaufpreisgleitklausel stabilisiert die Anlegerrendite.

Markt: Für Solarparks auf deutschen Ackerflächen sieht es seit 1. Juli mau aus: Ihnen wurde die Einspeisevergütung im Zuge der hektischen Novellierung des EEG ganz gestrichen. Bis auf weiteres, denn wie die Regelung im EEG 2011 aussehen wird, ist noch nicht sicher. Für Anlagen, die im Laufe des zweiten Halbjahres ans Netz gehen, gibt es jedoch eine Übergangsregelung. Wurde der entsprechende Bebauungsplan vor dem 1. Januar 2010 ausgewiesen und steht die Anlage auf einer Grünfläche, die nur in den letzten drei Jahren als Ackerland genutzt wurde, hat sie für den Netzanschluss bis Ende 2010 Zeit. Ein Projekt, das genau in diese Übergangsregelung fällt, hat die GSI für ihren ersten Solarfonds ausfindig gemacht.

Investitionsobjekt: In Helbra in Sachsen-Anhalt wird die Anlage mit einer Gesamtnennleistung von 11,74 MW derzeit errichtet. Der Bau schreitet planmäßig fort, so dass die Inbetriebnahme wie vorgesehen im Oktober erfolgen sollte. Das Grundstück wurde zwar in den letzten drei Jahren als Ackerland genutzt, ist im Flächennutzungsplan der Gemeinde jedoch als Gewerbegebiet ausgewiesen. Deshalb steht dem Solarpark auch bei einem Netzanschluss nach 2010 eine Einspeisevergütung zu. Verbaut werden fest aufgeständerte multikristalline Module von Best Solar, einem der weltgrößten Hersteller. Die Leistungsgarantie von 90 Prozent über zehn Jahre und 80 Prozent über die nächsten 15 Jahre wird zusätzlich durch die Münchner Rück abgesichert. Die Wechselrichter stammen von Xantrex, die nach der Übernahme durch Schneider Electric ebenfalls unter Schneider firmieren. Die fünfjährige Gewährleistung auf die Wechselrichter kann gegen Zahlung einer Vergütung von 68.375 Euro jährlich ab dem sechsten Jahr auf insgesamt 20 Jahre verlängert werden.

Boomobjekt Solarpark (Q: Michel Angelo - fotalia.com)

Boomobjekt Solarpark (Q: Michel Angelo - fotalia.com)

Kalkulation: Wenn der Solarpark wie geplant noch im Oktober ans Netz geht, erhält er eine Einspeisevergütung von 28,43 Cent pro kWh. Die Gesamtinvestition von 34,814 Mio. Euro wird zu gut 71 Prozent bei der Deutschen Kreditbank AG, der Europäischen Investitionsbank und der KfW fremdfinanziert, die Finanzierung zu effektiv 4,15 Prozent p.a. Ist fixiert. Für die Kalkulation rechnet GSI mit dem Mittelwert aus den beiden Ertragsgutachten von SolPEG und Bergmann abzüglich eines Sicherheitsabschlages von 0,7 Prozent, die Degradation von 0,2 Prozent jährlich wird ab dem zweiten vollen Betriebsjahr abgezogen. Nach zehn Jahren soll die Anlage zu dem mit 8 Prozent abdiskontierten Cashflow über die restlichen zehn Förderungsjahre verkauft werden.

Steuerliches Konzept und Einnahmen: Der Fonds ist vermögensverwaltend konzipiert. Die Fondsgesellschaft stellt der Betreibergesellschaft einen Teil des Anlegerkapitals in einem Volumen von 3,3 Mio. Euro als Gesellschafterdarlehen zur Verfügung. Dieses wird mit 13,24 Prozent jährlich verzinst, daraus und aus der Kapitalrücklage speisen sich von 2011 bis 2019 die jährlichen Ausschüttungen. Anleger, die mit weniger als einem Prozent des Kommanditkapitals beteiligt sind, haben Abgeltungsteuer und nicht Einkommensteuer auf die Rückflüsse zu leisten. Im Basisszenario ergibt sich daraus ein Gesamtmittelrückfluss von 153 Prozent nach Steuern. Alternativ zum Verkauf nach zehn Jahren wird auch ein Weiterbetrieb über insgesamt 20 Jahre kalkuliert. Für diesen Fall setzt der Prospekt vorsichtshalber Rückbaukosten von 150.000 Euro an und errechnet einen Gesamtmittelrückfluss von 188,62 Prozent nach Steuern.

Kosten: Für Betriebsführung und Wartung erhält die Parabel AG, die seit fast 20 Jahren im Photovoltaikmarkt tätig ist, 10 Euro pro kW. Die jährlichen Fondskosten belaufen sich auf lediglich 0,2 Prozent des Kommanditkapitals, auch die Investitionsquote ist mit 93,4 Prozent der Gesamtinvestition erfreulich.

Anbieter: Die GSI hat in den Jahren 2006 bis 2008 im Publikumsbereich drei Triebwerksfonds mit bisher prognosegemäßem Verlauf und einige Private Placements emittiert. Eine Leistungsbilanz sucht man auf der Homepage allerdings vergebens.

Meiner Meinung nach… Ein sauber konzipierter Solarfonds mit solider Kalkulation, der nicht von der Abschaffung der Einspeisevergütung für Solarparks auf Ackerflächen betroffen ist. Ein kleines Damoklesschwert hängt über dem geplanten Verkauf nach zehn Jahren, dann besteht noch eine Restschuld von gut 10 Mio. Euro, für die eben zu diesem Zeitpunkt die Zinsbindung ausläuft. Insofern sollten Investoren auch den 20-Jahres-Horizont berücksichtigen – hier ist GSI einer der wenigen Initiatoren, die mit Rückbaukosten rechnen und insofern für realistische Erwartungen sorgen.

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