Fonds-Check: Kanada-Fonds lässt es sprudeln

 ICM Equity Partners finanziert Förderrechte für Öl und Gasquellen
 

Obwohl Erneuerbare Energien ein Trendthema sind, decken die Industrieländer ihren Energieverbrauch nach wie vor hauptsächlich aus fossilen Energiequellen. Auch geschlossene Fonds entdecken diesen Sektor – seit etwa einem Jahr werden sowohl von alten Hasen als auch von Newcomern Beteiligungen mit dem Thema Öl- und Gasexploration, -förderung und -logistik angeboten. Hier wie in anderen Assetklassen ist die Zwischenfinanzierung der Investitionsobjekte eines der zentralen Probleme bei der Fondsauflage. ICM hat den Verkäufer einfach mit ins Boot genommen.

 Investitionsobjekt: ICM Equity Partners beteiligt die Fondszeichner an einer kanadischen L.P., die ihrerseits ein Portfolio aus Förderrechten für verschiedene Erdgasquellen vorzugsweise in Alberta, Kanada erwerben will. Das Erdgas soll gefördert und vermarktet werden, am Ende der Fondslaufzeit ist ein Verkauf der Gasquellen geplant. An zwei Erdgasquellen in Kanadas bevorzugtem Erdgasvorkommen wurden bereits Anteile von 20 bzw. 24,25 Prozent erworben, zusammen mit den zugehörigen Nutzungsrechten. Verkäufer und bei einer Gasquelle auch Operator ist die TykeWest Ltd. von Tim Tycholis, der nunmehr im Management der ICM-Group vertreten ist. Ein aktuelles Gutachten beziffert die Erdgasreserven beider Quellen zusammen auf rund sieben bis neun billion cubic feet (bcf)) und liegt damit um gut 30 Prozent über den Prospektangaben. Weitere Anteilseigner der Quellen sind TykeWest sowie mit jeweils fast 50 Prozent Brink Energy, die diesen Anteil als Gegenleistung für den Anschluss an das Pipelinesystem erhalten haben. Als Voraussetzung für den Erwerb weiterer Quellen müssen nachgewiesene Erdgasreserven und bestehende Fördereinrichtungen vorhanden sein, ein einzelnes Investment darf maximal zwei Millionen kanadische Dollar (CAD) umfassen, und die Einnahmen auf Basis zweier unabhängiger Gutachten müssen einen Break Even innerhalb von fünf Jahren ermöglichen.

 Markt: Erdgas hat in den vergangenen Jahrzehnten seinen Anteil am gesamten Energieverbrauch langsam, aber stetig ausgeweitet. Der Gaspreis ist in Kanada nicht gesetzlich geregelt, orientiert sich aber am Ölpreis – seit vorigem Jahr ist er um rund 70 Prozent gefallen, was den Einkauf von Gasquellen tendenziell verbilligen sollte, wenn auch langfristig alle Experten von steigenden Preisen ausgehen. Kanada als drittgrößter Erdgasproduzent der Erde nach Russland und den USA punktet gegenüber dem Primus mit stabilen politischen Verhältnissen. Für Förderrechte, als Working Interests bezeichnet, werden sogenannte Royalties gezahlt, die im weitesten Sinne mit einer Pachtzahlung vergleichbar sind. Fließen sie an die öffentliche Hand, bezeichnet man sie als Crown Lease, sonst als Free Lease. Der Fonds kann beide Arten erwerben.

 Einnahmen und Exit: Die Prognoserechnung basiert auf den Daten der beiden bereits erworbenen Quellen und geht von einem anfänglichen Erdgaspreis von 4,94 kanadischen Dollar pro million cubic feet (mcf) mit Anstieg auf 8,94 Dollar im Jahr 2016 entsprechend einer Marktstudie vom April dieses Jahres aus. Kurzfristige starke Schwankungen sollten Anleger einkalkulieren. Zwar ist die Fondsgesellschaft für zwölf Jahre gegründet, die anteiligen Förderrechte sollen allerdings bereits nach acht Jahren verkauft werden. Aus dem Gasverkauf resultieren jährliche Ausschüttungen von anfänglich 11,9 Prozent, die bis auf 14,4 Prozent ansteigen sollen. Sobald die Anleger ihr Kapital inklusive Agio zurückerhalten haben, erhält das Fondsmanagement einen Gewinnanteil von 25 Prozent, der auf 50 Prozent steigt, wenn die Rückzahlungen an die Anleger 200 Prozent des Zeichnungsbetrages erreicht haben.

Kalkulation: Bis Ende 2010 will ICM fünf Millionen CAD platzieren, unterhalb von zwei Millionen CAD kann rückabgewickelt werden, allerdings ohne Kostenrisiko für die Anleger. Eine Kreditaufnahme ist nicht vorgesehen, bis zu 20 Prozent des Kommanditkapitals jedoch zulässig. Der Kaufpreis der erworbenen Gasquellen in Höhe von 1,7 Millionen CAD  wurde über einen Schuldschein an TykeWest zu acht Prozent p.a. bis Ende 2009 mit Verlängerungsmöglichkeit im Falle schleppender Platzierung vorfinanziert. Bereits nach fünf Jahren stellt ICM dem Anleger eine Rückzahlung seines Zeichnungskapitals in Aussicht, der Gesamtmittelrückfluss bis zum Jahr 2016 soll bei 147,3 Prozent nach Steuern liegen. Aus den Prospektangaben errechnet sich eine IRR-Rendite von sechs Prozent jährlich.

 Kosten: Die weichen Kosten liegen mit 15,2 Prozent vom Fondsvolumen inklusive Agio für einen Eigenkapitalfonds noch im vertretbaren Rahmen. Für weitere Investments fallen Due Diligence Gebühren von 1,5 Prozent des jeweils investierten Kapitals an – eher ein Anreiz zum teuren statt zum günstigen Einkauf. Für Fondsverwaltung, Assetmanagement etc. fallen jährlich rund 0,58 Prozent des Kommanditkapitals an. Von allen Auszahlungen fließt ein Prozent an das Fondsmanagement.

 Anbieter: Seit Gründung im Jahr 2003 aus dem Umfeld der Ideenkapital und TWM-Gruppe hat die ICM Group drei Immobilienfonds mit Investitionsfokus Kanada und einem Eigenkapitalvolumen von knapp CAD 10 Mio. aufgelegt, ein vierter Fonds mit opportunistischer Investitionsstrategie in USA wurde nach Ausbruch der Finanzkrise aus der Platzierung genommen. Der erste Fonds aus dem Jahr 2005 wurde bereits mit einem Gesamtmittelrückfluss in Höhe von gut 270 Prozent aufgelöst.

 Meiner Meinung nach: Für jedermann ist das Investment explizit nicht geeignet: Alberta verlangt von Investoren ein jährliches zu versteuerndes Einkommen von umgerechnet mindestens 45.000 Euro bzw. ein Nettovermögen von rund 240.000 Euro, dadurch wird der Kreis möglicher Zeichner für die unternehmerische Beteiligung sinnvoll eingeschränkt. Angesichts der Risiken durch volatile Gaspreise, mögliche Umweltschutzauflagen, durch Erhöhung von Pipeline-Durchleitungsgebühren und Royalty Rights während der Fondslaufzeit erscheinen die möglichen Returns für die Zeichner eher moderat. Ein gutes Geschäft hat auf jeden Fall Verkäufer TykeWest mit einer Verkaufsspanne von rund 40 Prozent und dem Schuldschein zu acht Prozent gemacht. Hinsichtlich der Beendigung ihres Investments sind die Zeichner an die Entscheidungen der dominierenden Mehrheitsbeteiligten gebunden, eine Außerbetriebnahme der Gasquellen ist nur mit einstimmiger Entscheidung möglich.

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