Fonds-Check: Kapitalanlage in den Karpaten

7.Januar 2010   
Kategorie: Der Fondsbrief

Nordcapital-Waldfonds gefragt – Nachfolger nach gleichem Konzept

 In der Fondssaison 2008/2009 schossen sie wie Pilze aus dem Boden – Waldfonds schienen das ideale Produkt während der Finanzkrise. Doch die Anleger scheuten vor den neuartigen Angeboten zurück – insbesondere in Nordamerika investierende Fonds, die, wenn auch nur vorübergehend, unter dem Einbruch der Neubautätigkeit leiden, lagen wie Blei in den Regalen. Nordcapital hingegen stockte das Volumen seines ersten Waldfonds von ursprünglich geplanten 30 auf 60 Millionen Euro auf, wobei sich auch institutionelle Großinvestoren beteiligten.

 

Investitionsobjekt und Manager: Wie der Vorgänger wird auch der aktuelle „Nordcapital Waldfonds 2“ über eine Objektgesellschaft ein Portfolio aus rumänischen Mischwaldflächen aus Restitutionsvorgängen aufbauen. Der Prospekt stellt ein Initialportfolio aus drei Forsten vor, bisher liegt nur für den größten in Harlau ein Optionsvertrag vor. Die vorgesehenen Erwerbspreise von durchschnittlich 3.500 Euro pro Hektar werden erst beim Abschluss eines Kaufvertrages nach Erreichen des Mindestplatzierungsvolumens von 5,7 Millionen Euro fixiert. In Frage kommende Forstflächen sollen je mindestens 200 Hektar umfassen und einen Anteil forstwirtschaftlich nutzbarer Flächen von mindestens 70 Prozent aufweisen. Ein Forstgutachten über den marktgerechten Ankauf ist erforderlich. Die Bewirtschaftung der Forste übernimmt wieder die Esterházy Silvicultura srl., die rumänische Tochter der österreichischen Esterházy-Gruppe, Österreichs größtem, privatem Landwirtschafts- und Forstbetrieb. Sie soll den Grundsätzen nachhaltigen Waldbaus folgen und sich um eine Zertifizierung der Forstflächen durch den PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) bemühen, eine im Unterschied zum FSC besonders an mitteleuropäischen Verhältnissen orientierte Zertifizierungsorganisation.

 

Markt: Für einen Hektar Wald zahlt man in Rumänien derzeit umgerechnet zwischen 3.000 und 5.000 Euro, wobei diese Wälder in der Regel seit Jahrzehnten nicht bewirtschaftet und deshalb auch nicht durch ein Wegenetz erschlossen sind. Der unumgängliche Wegebau erhöht wiederum die Diebstahlsrisiken in dem von der Wirtschaftskrise gebeutelten Land, hinzu kommen Eigentumsrisiken aus der Restitution von Enteignungen aus der Nachkriegszeit. Deshalb wird für die Fondswälder eine Eigentumsversicherung abgeschlossen, außerdem ist eine Waldbrandversicherung vorgesehen. Aufgrund seines Waldreichtums baut sich in Rumänien zunehmend eine holzverarbeitende Industrie auf.

 

Einnahmen: Die Fondsgesellschaft stellt der Objektgesellschaft das Anlegerkapital zu 75 Prozent als Eigenkapital und zu 25 Prozent als Gesellschafterdarlehen zur Verfügung. Ab 2012 sollen aus dem Holzverkauf Ausschüttungen in Höhe von vier Prozent pro Jahr geleistet werden, beim Vorgänger war Nordcapital noch von vier bis sechs Prozent jährlich ausgegangen. Bis Ende 2021 sollen die Wälder oder aber die Anteile an der rumänischen Objektgesellschaft verkauft werden. Insgesamt geht der Prospekt von einer jährlichen „Vermögensmehrung“ von 7,5 Prozent nach rumänischen Steuern aus, dafür müsste der Verkaufspreis der Wälder doppelt so hoch wie Anschaffungs- plus Erschließungskosten liegen, der Gesamtmittelrückfluss läge in diesem Fall bei knapp 200 Prozent des Kommanditkapitals exklusive Agio.

 

Kalkulation und Kosten: Grundsätzlich sieht Nordcapital ein Platzierungsvolumen von 29,7 Millionen. Euro vor, das maximal auf 59,7 Millionen Euro ausgeweitet werden kann. Erst ab einem Mindestplatzierungsvolumen von 5,7 Millionen Euro können Waldflächen erworben werden, darunter ist eine Rückabwicklung mit Kostenrisiko für den Anleger möglich. Ab 15.000 Euro zuzüglich fünf Prozent Agio ist eine Beteiligung möglich. Fremdkapital darf nur bis zu einer Höhe von zehn Prozent des Kommanditkapitals aufgenommen werden. Die Investitionsquote liegt mit 84,06 Prozent des Eigenkapitals inklusive Agio geringfügig unter der des Vorgängerfonds. An laufenden Kosten kalkuliert der Prospekt jährlich 150.000 Euro für die laufende Bestandspflege inklusive Wiederaufforstung, Esterházy erhält eine jährliche Vergütung von anfänglich rund 280.000 Euro. Auf Ebene der Fondsgesellschaft fallen zusätzlich 250.000 Euro p.a. an, die ab 2011 jährlich um zwei Prozent steigen. Bei einem Verkauf im Jahr 2021 erhält das Fondsmanagement 25 Prozent von den Gewinnen, die eine Auszahlung an die Anleger von 180 Prozent ihres Zeichnungsbetrages ohne Agio übersteigen.

 

Anbieter: Nordcapital hat sich seit der Gründung im Jahr 1992 einen Namen als Initiator von Schiffs-, Immobilien- und Private Equity-Fonds gemacht und hat sein Spektrum seit einigen Jahren auf den Bereich Energieversorgung und Erneuerbare Energien erweitert. Der erste Waldfonds wurde vergangenen Sommer mit einem Volumen von 60 Millionen Euro geschlossen und hat bereits knapp 10.000 Hektar Waldflächen erworben. .

 

Meiner Meinung nach… Wozu in die Ferne schweifen – bestehende mitteleuropäische Mischwälder haben gegenüber nord- und mittelamerikanischen Holzäckern durchaus Attraktivitätsvorteile. Die Renditeerfordernisse eines geschlossenen Fonds erfordern jedoch den Einkauf in Regionen, die in punkto Rechtssicherheit durchaus noch Verbesserungspotential aufweisen. Die angestrebte Rendite erfordert deutliche Wertsteigerungen von Forstflächen in den nächsten zehn Jahren – wer an Rumäniens Zukunft glaubt, ist demnach hier richtig.

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