Fonds-Check – Nordcapitals 100. Schiffsfonds finanziert 13.100-TEU-Frachter

 Jumbo zum Jubiläum

 Sechs Containerriesen mit mehr als 13.000 Stellplätzen hat Nordcapital vor der Krise bestellt, alle durchfinanziert, aber dennoch eine Belastung in den Büchern. Nachdem die ersten beiden an institutionelle Großinvestoren verkauft wurden, sammelt das Emissionshaus mit dem MS „E.R. Benedetta“ Eigenkapital bei privaten Kapitalanlegern ein. Zeichner beteiligen sich zu einem Sonderpreis an dem Jubiläumsfonds. Der Gigant ist Nordcapitals 100. Schiffsfonds.

Objekt: Die Dimensionen sind gewaltig. Mit 355 Meter Länge ist die „Benedetta“ nur 26 Meter kleiner als das Empire State Building. Alle 13.100 TEU hintereinandergestellt ergeben fast zwei Marathonstrecken. Der Fonds hat das Schiff zum Preis von 155 Millionen Dollar erworben, 20 Millionen Dollar unter den ursprünglich geplanten Anschaffungskosten. Den Verlust teilen sich die Werft und die Reederei, die E.R. Schiffahrt, ein Schwesterunternehmen von Nordcapital. „Wir halten 155 Millionen Dollar für den aktuellen Marktpreis“, sagt Nordcapital-Geschäftsführer Reiner Seelheim, der aber in Kürze mit steigenden Preisen für die Jumbos rechnet.

Konzept: Hauptargument für die gewaltigen Schiffe ist der Skaleneffekt. So wirbt Nordcapital damit, dass die Riesen bei 30 Prozent Treibstoffersparnis 50 Prozent mehr Transportleistung gegenüber einem Schiff mit 8.500 TEU schaffen. In Summe wäre das ein jährlicher Kostenvorteil von 19 Millionen Dollar jährlich.

Markt: Der Containermarkt hat sich erholt. Nach einem Minus von 9,5 Prozent im Jahr 2009, betrug das Wachstum 2010 bereits wieder 14,5 Prozent. Für 2011 ist ein weiteres Plus von neun Prozent prognostiziert. Damit wird die Nachfrage nach Containertransporten stärker steigen als das Angebot an Schiffen mit 6,3 Prozent für 2011. Allerdings findet das Wachstum in den kommenden Jahren vor allem bei den Containerriesen statt. In den Orderbüchern stehen 163 Schiffe mit mindestens 9.000 TEU und einer Stellplatzkapazität von mehr als zwei Millionen TEU, die in den kommenden vier Jahren ausgeliefert werden.

Einnahmen: Die Benedetta ist, wie bei solchen Schiffen üblich, langfristig verchartert. Die weltweit zweigrößte Linienreederei Mediterranean Shipping Company MSC aus der Schweiz hat einen Vertrag über 15 Jahre abgeschlossen und zahlt 60.275 Dollar am Tag. MSC hat eine Flotte mit 448 Schiffen und 195 Millionen TEU in Fahrt. Die Charterraten in der Schifffahrt haben sich in der jüngeren Vergangenheit extrem volatil entwickelt. Für 8.500-TEU-Schiffe stürzten sie von 54.000 Dollar am Tag im April 2008 auf 10.000 Dollar ein Jahr später ab. Anfang 2010 begann die Aufholjagd, die für diese Größenklasse inzwischen wieder 50.000 Dollar erreicht hat. Eine überschaubare Durststrecke also, die aber nur überbrückt werden kann, wenn die Banken mitspielen und auf Tilgung und sogar Zinsen verzichten.

Kalkulation: Der Fonds kommt auf eine Gesamtinvestition von knapp 173 Millionen Dollar. Anleger sind inklusive Agio mit knapp 77 Millionen Dollar dabei. Das Darlehen soll innerhalb der 15-jährigen Festcharter komplett getilgt werden. Für 60 Prozent des Darlehens hat der Fonds die Zinsen zehn Jahre lang gesichert. Sie liegen in den ersten fünf Jahren bei 6,8 Prozent, anschließend bei 7,44 Prozent. Für den Rest des Darlehens kalkuliert Nordcapital variable Zinsen, die von fünf Prozent auf acht Prozent steigen. Steigen die Betriebskosten stärker als kalkuliert, übernimmt E.R. Schiffahrt als Reeder bis zu 30 Prozent der ungeplanten Kosten.

Prognose: Anleger bekommen Ausschüttungen von anfänglich 7,5 Prozent, die auf elf Prozent steigen sollen. Beim Verkaufserlös rechnet Nordcapital mit knapp 70 Millionen Dollar nach 15 Jahren. Geht die Prognose auf, kommen Zeichner über die geplante Laufzeit auf ein Plus von 115 Prozent.

Steuern: Die Tonnagesteuer sorgt für nahezu abgabenfreie Ausschüttungen. Auch der Verkaufserlös am Ende der Laufzeit ist steuerfrei.

Weiche Kosten: Früher machten die fondstypischen Kosten bei Schiffsbeteiligungen bis zu 30 Prozent des Eigenkapitals aus. Diese Zeiten sind vorbei. Das Nordcapital-Jubiläums-Schiff kommt mit 15 Prozent aus. Bezogen auf die Gesamtinvestition sind das 8,7 Prozent. Sehr akzeptable Werte.

Anbieter: 100 Schiffsfonds, dazu 14 Immobilienbeteiligungen, neun Private-Equity-Fonds und weitere Beteiligungsmodelle seit 1992. Das ergibt ein Investitionsvolumen von mehr als 6,7 Milliarden Euro  oder knapp drei Milliarden Euro Eigenkapital – Nordcapital zählt zu den Großen. Von den 64 Schiffen, die sich noch in der prospektierten Laufzeit befinden, liegen 34 in Sachen kumulierte Mittelrückflüsse unter Plan, was vor allem der Schifffahrtskrise der vergangenen beiden Jahre geschuldet ist.

Meiner Meinung nach… Die Schiffsmärkte erholen sich, aber Fondszeichner bleiben skeptisch. Initiatoren nehmen viel Geld in die Hand, um Fonds marktfähig zu machen. Nordcapital verzichtet nicht ohne Grund auf mehrere Millionen Dollar. Die Kalkulation erscheint vernünftig. Gut gefällt die Tilgung innerhalb der Festcharter. Voraussetzung ist, dass der Charterer durchhält. Die Reeder setzen verstärkt auf Größe. Bis 2015 laufen rund 160 der Riesen mit 9.000 und mehr Containerstellplätzen vom Stapel. In der Regel sind sie mit lang laufenden Charterraten ausgestattet. Wie sich die Raten am Markt entwickeln, sobald die Verträge auslaufen, kann niemand vorhersagen.

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