Fondsinitiatoren haben viel vor im vierten Quartal

26.Oktober 2009   
Kategorie: Der Fondsbrief

 Branche verbreitet auf Immobilienmesse Expo Real bessere Stimmung als 2008

 Weniger Aussteller, weniger Besucher, bessere Stimmung. So lässt sich das Fazit der diesjährigen Immobilienmesse Expo Real zusammenfassen. Die Unternehmen verteilten sich auf einer Halle weniger als im vergangenen Jahr, und wer mit einem Stand vertreten war, ließ es nicht mehr so laut krachen wie noch 2008, als die Buchungen weit vor der Krise vorgenommen wurden. Bis auf wenige Ausnahmen beschränkten sich die Aussteller auf eine Etage. Mehrgeschossige Stände bildeten die Ausnahme. Und drückt die Kleidung der weiblichen Besucher tatsächlich etwas aus über die Stimmung? Je kürzer die Röcke und je höher die Absätze, desto besser die wirtschaftliche Lage, heißt es. Wenn dem so ist, steht der nächste Boom kurz bevor.

 Verbreiteten vor allem die Anbieter geschlossener Fonds im vergangenen Jahr in erster Linie Galgenhumor, so hat sich die Stimmung der Branche inzwischen wieder aufgehellt. Zweckoptimismus? Bei manchem vielleicht, aber wer für den Rest des Jahres gleich mehrere neue Beteiligungsmodelle ankündigt, sollte tatsächlich
an eine Markterholung glauben.

 Hannover Leasing etwa hat eine volle Produkt-Pipeline. In Kürze beginnt der Vertrieb eines Fonds, mit dem sich die Zeichner an einem Bürogebäude in Dortmund beteiligen. Projektentwickler war erneut Kölbl Kruse, ein Büro, mit dem Hannover Leasing bereits mehrfach in Duisburg zusammen gearbeitet hat. An Rhein und Ruhr hat Hannover Leasing in den vergangenen 13 Jahren rund 1,5 Milliarden Euro investiert. Mieter des Neubaus auf dem Gelände der ehemaligen Union-Brauerei ist die Bundesinnungskrankenkasse Gesundheit (BIG).

 Für Anleger mit 6b-Problem bietet Hannover Leasing ein PPP-Projekt in Wiesbaden an. Der Mietvertrag im neuen Justiz- und Verwaltungszentrum mit dem Land und der Stadt läuft über 30 Jahre. Ein Angebot, das wohl auch gewöhnliche Zeichner interessiert hätte. Bei 6b-Investoren ergibt sich ein Übertragungsfaktor von 393 Prozent. Doch Hannover Leasing hat nicht nur Immobilienfonds in der Pipeline. Ein Infrastrukturfonds will 100 Millionen Dollar Eigenkapital in Hafenbetreiber und ähnliche Unternehmen, vor allem aber in Energiefirmen, investieren. Ein Solarfonds in Italien hat konkrete Anlagen bereits identifiziert. Die Gesamtinvestition soll 60 Millionen Euro erreichen. Außerdem arbeitet der Initiator an einem Fonds mit deutschen Zweitmarktpolicen. Partner dabei ist cash.life. Die Flugzeugfonds dagegen werden offenbar vom Markt genommen. „Möglicherweise finden wir Einzelinvestoren dafür“, so Hannover-Leasing-Chef Friedrich Wilhelm Patt. Er hat übrigens Hinweise darauf, dass sich das Thema Steuervorteile aus Medienfonds entschärfen könnte: „Ende des Monats werden sich die Einkommensteuerreferenten erneut treffen, um darüber zu
diskutieren. Das stimmt mich zuversichtlich.“

 Zurückhaltend optimistisch gibt sich Angelika Kunath, beim Fondshaus Hamburg zuständig für die Immobilienfonds. Das Emissionshaus wartet auf die Bafin-Gestattung eines Hotel-Fonds. Auf dem Gelände der neu entwickelten „Airport Gardens“ am Frankfurter Flughafen entsteht derzeit ein Drei-Sterne-Haus der Rezidor-Kette. Unter der Marke „Park Inn“ bietet es ab Mitte 2010 Zimmer im Drei-Sterne-Segment an. Der Pachtvertrag läuft 20 Jahre.

 „Künftig werden wir ausschließlich Fonds mit deutschen Immobilien anbieten“, sagt Kunath und nennt ein Objekt mit kommunalem Mieter in Köln und Projektentwicklungen in Hamburg. Ein aktueller Fonds mit ähnlichen Neubauprojekten vertreibt sich derzeit nur schleppend. „Grundsätzlich halte ich solche Angebote für weniger riskant als Ein-Mieter-Objekte. Der typische Anlageberater kann solche Produkte allerdings nicht erklären“, so Kunath, die generell ein Beraterproblem ausgemacht hat: „Das gilt auch für die Schiffsbranche.“

 Auch Newcomer nutzen die Expo Real, um sich und ihre Fondspremieren zu positionieren. Wobei es sich dabei häufig um Wohnungsfonds handelt. Hannover Grund etwa startet einen solchen Fonds. Als Blind-Pool konzipiert, will der Neuling 26 Millionen Euro Eigenkapital einsammeln. Partner dabei ist das Erlanger Immobilienunternehmen ZBI. „Damit haben wir Experten an Bord, die uns mit ihrem Netzwerk schon beim Ankauf einen deutlichen Vorteil verschaffen“, meint Hannover-Grund-Geschäftsführer Torsten Deutsch. Auch der Vertrieb soll in erster Linie über die ZBI-Kontakte gelingen. In Frage kommen Wohngebäude zum Einkaufsfaktor zwischen zwölf und 16 Prozent. Standorte sind nicht nur die üblichen Metropolen wie Hamburg, München und Frankfurt, sondern auch Städte wie Wiesbaden und Hannover.
Anlegern sollen Ausschüttungen von 5,25 Prozent bleiben.

 Einen Wohnungsfonds hat auch HCI Capital im Angebot. Standort wird Hamburg sein. Dabei stehen keine Luxusappartements im Fokus, sondern Wohnungen in mittleren Lagen für junge Familien und Mieter mit begrenztem Einkommen. „Mit im Boot ist dabei die Hamburgische Wohnungsbaukreditanstalt“, sagt HCI-Geschäftsführer Matthias Voss. Sie fördert Wohnungen, die bestimmte Voraussetzungen in Sachen Barrierefreiheit und Energieeffizienz erfüllen. Bei einem Kredithebel von 80 Prozent würden die Zinsen nur 1,2 Prozent betragen.

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