Marktbericht – Neubauten belasten Schiffsmärkte

3.September 2009   
Kategorie: Der Fondsbrief, News

Tanker auch betroffen – Erholung bei Bulkern nur kurzfristig

 „2009 ist kein gutes Jahr für die Schifffahrt.“ Mit deutlichen Worten fassen Fondshaus-Hamburg-Geschäftsführer Jens Brandis und Schifffahrtsanalyst Michael Niefünd den aktuellen FHH-Marktreport zusammen. So sieht sich die Containerschifffahrt erstmals mit einer rückläufigen Tonnagenachfrage konfrontiert: „Rund acht Prozent der aktuell verfügbaren Containertonnage sind ohne Beschäftigung.“

 

Am Markt für Massengutfrachter gebe es ebenfalls einen Angebotsüberhang, der mit ganzer Härte auf die Charterraten durchschlägt. Chinesische Eisenerzimporte haben nur für eine kurzfristige Entlastung gesorgt. Von einer substanziellen Erholung zu sprechen, sei verfehlt.

 

Haben sich Tanker noch bis Ende 2008 der Wirtschaftskrise entzogen, hat sie die allgemeine Abwärtsbewegung nun doch voll erfasst. Im ersten Halbjahr gingen die Raten hier um knapp 40 Prozent zurück. „Und für das Restjahr ist keine verstärkte Nachfrage nach Tankerkapazität in Sicht“, heißt es im Bericht.

 

Fazit der Experten: „Ein verhalten optimistischer Ausblick auf die Schifffahrtsmärkte scheint nur in Bezug auf die fernere Zukunft gerechtfertigt.“

 

Container: Von sinkenden Charterraten sind vor allem Schiffe der Panamax-Klasse mit 3.500 TEU betroffen. Hier gingen die Einnahmemöglichkeiten innerhalb eines Jahres um 80 Prozent zurück. Auffällig ist, wie stark sich die Charterraten der verschiedenen Größenklassen annähern. Für ein 1.000-TEU-Schiff werden derzeit 4.000 Dollar täglich gezahlt, bei einem 4.400 TEU-Schiff liegen die Einnahmen bei 6.500 Dollar am Tag.

 

In diesem Jahr rechnet Clarkson Research mit einem Rückgang des Containerumschlages von 8,4 Prozent. Im kommenden Jahr wird nach Ansicht der Fachleute wieder ein Wachstum von 3,1 Prozent erreicht. Das Angebot allerdings wird ebenfalls weiter steigen. Zwar wurde seit Oktober 2008 kein Containerschiff mehr geordert, doch sollen bis Ende 2010 rund 700 Schiffe aus dem Auftragsbestand mit einer Gesamttonnage von 3,1 Millionen TEU ausgeliefert werden. Das entspricht 25 Prozent der aktuellen Flotte.

 

Bulker: Von den massiven chinesischen Eisenerzimporten im zweiten Quartal profitierten vor allem die Capesize-Bulker mit 170.000 Tonnen Tragfähigkeit. Seit Dezember stiegen die Raten im Schnitt um 150 Prozent. Die Chinesen haben die fallenden Rohstoff- und Energiepreise genutzt, um sich mit Erz aus Australien und Brasilien einzudecken. Dennoch geht Clarkson Research davon aus, dass der Transport von Schüttgütern in diesem Jahr um rund sechs Prozent zurück gehen wird. Ein Marktrisiko sieht Schiffsanalyst Niefünd auch hier in den kommenden Auslieferungen. Er erwartet alleine bis Ende 2010 rund 1.900 Schiffe mit einer Tragfähigkeit von 161 Millionen Tonnen, was 38 Prozent der derzeitigen Flotte entspricht.

 

Tanker: Dieser Schiffsmarkt leidet unter der krisenbedingt geringen Nachfrage nach Rohöl. Als Reaktion auf den Preisverfall hatte die OPEC entschieden, ihre Förderung ab November 2008 auf 1,5 Millionen Barrel pro Tag herunterzufahren. Bis Ende kommenden Jahres müssen noch 519 Einhüllentanker aus dem Verkehr gezogen werden. Das sind 56 Millionen Tonnen oder 14 Prozent der Flotte. Dagegen stehen in den Orderbüchern 735 Schiffe mit insgesamt 82 Millionen Tonnen Tragfähigkeit, die bis dahin ausgeliefert werden. Das wiederum entspricht 20 Prozent der Flotte.

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