Pasing Arcaden – Hostel statt vier Sterne

Kommentar

 Alexander Heintze

Mit großem Bahnhof feierten die Shoppingcenter-Betreiber Unibail Rodamco und der Shoppingcenterbetreiber Management für Immobilien AG (mfi) im Mai die Eröffnung des ersten 4-Sterne-Einkaufscenters in Deutschland. Die Pasing-Arcaden im Münchener Westen sollen beim Einkaufen für Wohlfühlerlebnisse wie in einem Luxushotel sorgen (der Immobilienbrief berichtete).

Viele der anwesenden Journalisten waren schon damals skeptisch, ob es sich bei dem Sterne-Konzept nicht nur um pures Markting handelt. Nach einigen Wochen praktischer Erfahrung lautet mein Fazit: Der hohe Anspruch wird verfehlt.

Beispiel 1: An einem Samstagvormittag wollte ich noch schnell einen Gutschein als Mitbringsel für eine kurzfristige Einladung besorgen. An der Info-Theke eine junge Frau, die mir mitteilte, dass 10-Euro-Gutscheine leider aus seien. „Kommen Sie doch am Montag wieder“, war die knappe Antwort. Keine Entschuldigung, kein Bemühen, eine der Gutscheinkarten umzukodieren. Denn der Gutscheinbetrag wird normalerweise erst beim Kauf auf die bereitliegenden Karten gebucht.

Beispiel 2: Wieder ein Samstag. Nach Parkplatzsuche und Einkauf zurück zum Auto. Der Parkscheinautomat zeigt einen Euro Gebühr an. Ein Blick in den Geldbeutel offenbart aber nur Scheine. EC- oder Geldkarte akzeptieren die Automaten nicht. Scheine auch nicht. Nur Münzen. Gut, dass ein großes Schild auf dem Automaten klebt: „Parkticket einfach per SMS bezahlen!“ Also die Parkscheinnummer an die angegebene SMS-Nummer geschickt und einige Minuten später kommt die Antwort: „Leider besteht mit dieser Ticketnummer ein Problem, welches die Bezahlung per SMS ausschließt. Bitte nutzen Sie den Ticketautomaten“. Danke. Wenn ich könnte, hätte ich das getan.

Also durch die zurück Arcaden zum Infostand. Dort legte ich Ticket und SMS der diensthabenden Dame vor. Die erstaunliche Antwort. „Ja, das funktioniert schon lange nicht mehr. Da müssen Sie am Automaten bezahlen“. Hätte ich, wenn ich Kleingeld gehabt hätte. Wieder ein Achselzucken. Erst nachdem ich mit Nachdruck erklärte, dass ich nun sofort die Tiefgarage mit meinem Auto zu verlassen wünschte, drehte sie sich um und legt mir wortlos ein Ausfahrtticket auf die Theke. Kein Bedauern, keinen schönen Tag noch, nichts.

„Unsere Shoppingcenter müssen seine Seele bekommen“, sagte Reinitzhuber. Zumindest in München hat die mfi noch viel Arbeit vor sich.

 

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