Scope-Chef watscht VGF ab

14.Oktober 2011   
Kategorie: Der Fondsbrief, News

 Schoeller: Kampagne ist einfallslos – Konferenz der Ratingagentur gut besetzt

 Mit einem Knall startete die „General Conference Geschlossene Fonds 2011“ der Ratingagentur Scope in Frankfurt. Geschäftsführer Florian Schoeller watschte den Verband Geschlossene Fonds in seiner Begrüßungsrede kräftig ab. Seine Vorwürfe an den VGF, dessen aktuelle Kampagne und die Branche an sich: Sie sei einfallslos, nicht krisenfest, nicht innovativ genug. Von der erwarteten Regulierung hält er ebenfalls nicht viel: „Sie ist eine Leitplanke, wo wir bislang Plastikpoller haben. Grundsätzlich wird sich mit den neuen Vorschriften nicht viel ändern.“

Schoeller forderte eine neue Generation geschlossener Fonds mit andersartigen Provisionsmodellen und mehr Transparenz auch in der Krise. Zwar beendete der Scope-Chef seinen Vortrag versöhnlich: „Das Vehikel geschlossener Fonds bleibt einzigartig, ich bin weiterhin davon überzeugt.“ Doch die Ohrfeigen hallten lange nach, bis zum Ende der Veranstaltung einen Tag später.

Überrascht von der Heftigkeit des Prologs zeigte sich VGF-Hauptgeschäftsführer Eric Romba in einer anschließenden Fragestunde. „Warum ständig friendly fire“, fragte er an Schoeller gewandt. „Es ist an der Zeit, dass wir die Vorteile der geschlossenen Fonds herausstellen. Schließlich sind wir auch ohne Regulierung im Vergleich zu anderen Kapitalanlagen jetzt schon Klassenbester.“

Anders als Schoeller sind seiner Ansicht keine neuen Konzepte nötig. „Die Emissionshäuser haben durchaus bewiesen, dass sie mit Krisen umgehen können. Mit Krisen wohlgemerkt, die sie nicht selbst verursacht haben.“

Egal ob Klima, Schiffsmärkte, Euro-Krise, Flugzeug- oder Immobilienmärkte – bei den anschließenden Vorträgen der Scope-Veranstaltung mussten die rund 200 Teilnehmer gute Nerven haben. Positive Nachrichten lassen auf sich warten.

„Die Probleme in den USA sind gewaltig“, fasste Jamestown-Chef Christoph Kahl seine Abhandlung über die aktuelle Situation in den USA zusammen. Er glaubt allerdings daran, dass die Amerikaner ihre Krisen lösen können: „In den USA werden Probleme konsequenter angegangen als hierzulande. Die US-Politik muss die Steuern erhöhen und gleichzeitig die Ausgaben senken. Doch das wird erst nach der Wahl geschehen.“

Langfristig überwiegen seiner Ansicht nach die Vorteile der USA als Investitionsstandort, wofür vor allem das starke Bevölkerungswachstum verantwortlich ist. Das führe zu einem anhaltenden Wirtschaftswachstum. Die Transaktionen auf den Immobilienmärkten haben sich im Vergleich zu 2009 im vergangenen Jahr verdoppelt, erreichten aber dennoch nur ein Viertel verglichen mit den Umsätzen im Jahr 2007. Seit Mitte 2011 sei außerdem erneut eine Stagnation eingetreten.

Beste Fundamentaldaten böten Mietwohnungen. Trotzdem hält sich Jamestown mit Investitionen in diesem Bereich zurück. Die starke Nachfrage habe die Preise enorm steigen lassen. Ein besseres Chancen-Risiko-Profil sieht Kahl bei Einzelhandelsimmobilien in guten Lagen. Im High-End-Segment erwartet er besondere Chancen. So würden ausländische Ketten Top-Standorte stark nachfragen. Shoppingcenter in Nebenlagen dagegen würden in eine Abwärtsspirale geraten.

Mit „Eine Zuspitzung“ überschrieb Lloyd-Fonds-Vorstandsvorsitzender Torsten Teichert seinen Vortrag über die Schiffsmärkte. „Ich habe Literaturwissenschaften studiert und weiß daher, dass in der Übertreibung häufig auch die Wahrheit liegt“, so Teichert. Leider entpuppte sich seine Einschätzung als zwar trauriges, aber sehr realistisches Szenario.

Der Lloyd-Fonds-Chef sieht eine Reihe von Gründen für das aktuelle Desinteresse der Anleger: So stünden Schiffe zunehmend in Korrelation mit dem Welthandel und den Finanzmärkten. Kommende Ablieferungen schaffen weitere Überkapazitäten, die Charterraten schwanken immer stärker. Außerdem halten sich die Banken mit der Vergabe von Schiffshypotheken weiterhin zurück, was die Situation erheblich verschärft.

Hinzu kommen konzeptionelle Probleme von Schiffsfonds. „Ich kenne keinen Prospekt, der vier Krisenjahre in einer 16-jährigen Prognose abgebildet hat. Die Prognose hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun“, so Teichert. Er sehe mit Sorge, dass die Zahl der Meldungen über Schiffspleiten steigt. Aus der Misere helfen könnten alternative Finanzierungsmodelle, etwa eine neue Art der Schifffahrts-AG. Trotzdem: „Dieses Jahr wird eklig“, so Teichert. „Die Konsolidierung beginnt.“

In seiner Funktion als VGF-Vorstandsmitglied ging Teichert am Ende seines Vortrages noch einmal auf die Schoeller-Rede und ihre darin enthaltene Kritik an der aktuellen Kampagne ein: „Nach fünf Jahren darf ein Verband auch mal seine Branche hoch leben lassen.“

Nicht ganz so dramatisch wie bei den Schiffen sieht es auf den Flugzeugmärkten aus. Vor allem die Leasinggeber und damit die Anleger der Fonds schneiden bislang gut ab. „Seit 1996 haben die Leasinggeber im Schnitt eine jährliche Rendite von zwölf Prozent erzielt“, so KGAL-Geschäftsführer Gert Waltenbauer. „Die Airlines selbst kommen in der Zeit nur auf vier Prozent.“

Allerdings sei es zunehmend schwierig, an gute Deals zu kommen. Dafür sorgt nicht nur die Konkurrenz der Fondsinitiatoren. Zahlreiche chinesische Banken drängen in das Flugzeug-Leasinggeschäft. Die KGAL profitiert seit Jahren von einer Kooperation mit der Lufthansa und finanziert vor allem kleinere Regionalflieger. „Als Leasingnehmer kommt die Lufthansa aber nicht in Frage“, so Waltenbauer. „Die Airline kann ihre Flieger anderweitig günstiger finanzieren.“

Eine heiße Zukunft prognostizierte Klimaforscher Mojib Latif in seinem Vortrag. Überschrift: „Nach uns die Sintflut – Herausforderung globaler Klimawandel.“ Dabei wurde vor allem eines deutlich. Die Politik ist trotz offensichtlicher Wetterveränderungen immun gegen die Forderungen der Klimaforscher. So würden sich die USA und China die Verantwortung gegenseitig in die Schuhe schieben, wobei die Amerikaner noch immer die größten Luftverpester sind. Eine Erkenntnis am Rande: Treibhauseffekt ist zwar ein negativ besetzter Begriff, aber ganz ohne würde die Erde zum Kühlschrank werden. Zuviel ist allerdings schlecht. Und daher sind wir alle aufgefordert, den Ausstoß von CO2 zu vermeiden.

Branche, Märkte, Klima – als ob das alleine nicht schon für schlaflose Nächte sorgen würde, setzte Thorsten Polleit noch einen drauf. Der Chefökonom von Barclays Capital hatte die Zukunft des Euro als Thema gewählt. Er hätte nicht für die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms gestimmt. Seiner Ansicht nach wird das Problem nur verschoben und mit einer ausgeweiteten Geldmenge sogar noch potenziert. Er plädiert dafür, den Euro an Gold zu koppeln: „Das Edelmetall hat sich stets als ultimatives Zahlungsmittel erwiesen. Papiergeld dagegen hat häufig seine Kaufkraft eingebüßt.“ Sein Rat: Gold kaufen, auch wenn es noch immer vergleichsweise teuer ist. Oder doch lieber Zigaretten als Ersatzwährung?

So weit sind wir dann zum Glück doch noch nicht.

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