Solarstrom für die Sonneninsel

26.Oktober 2009   
Kategorie: Der Fondsbrief

 

Voigt & Collegen baut größte Photovoltaikanlage Siziliens bei Ragusa

 

Eine typische Studentenbude ist kleiner. Mehr als 50 Quadratmeter groß ist die
Fläche aus Solarmodulen auf den beweglichen Ständern. Alle 15 Minuten richten sich die Photovoltaikmodule auf der Anlage bei Santa Croce Cameria in Sizilien neu nach dem Stand der Sonne aus. Mit dieser Technik lässt sich rund 20 Prozent mehr Strom erzeugen als mit herkömmlichen, starren Ständern. Der Düsseldorfer Initiator
Voigt & Collegen hat die Anlage mit einer Leistung von 4.000 Kilowatt für seinen aktuellen Fonds SolEs 21 gekauft.

 

Derzeit sind 80 Arbeiter damit beschäftigt, die Solarmodule auf die Ständer zu schrauben. Bis die Bauarbeiten beginnen konnten, mussten zahlreiche Hürden genommen werden. Knapp zwei Jahre lang haben 22 verschiedene Fachämter benötigt, um das bislang größte Projekt dieser Art auf der italienischen Insel endgültig zu genehmigen. Ob es künftig weitere Solaranlagen gibt, ist fraglich. Zwar wurde erst im März 2009 mit der „Piano Energetico Ambientale Regional Siciliano“, kurz PEARS, eine Energieplanung für Sizilien verabschiedet, die erneuerbare Energien fördern und Genehmigungsverfahren vereinfachen soll.

 

Doch nun scheint Italiens Staatschef Silvio Berlusconi eine Rückwärts-Drehung zu vollziehen. Plötzlich sollen Atomkraftwerke die Lösung des Energie-Problems sein. Solaranlagen dagegen werden mit überbordender Bürokratie gebremst. Künftig sind 55 verschiedene Gutachten nötig. Wie soll das funktionieren, in einem Land, in dem Korruption noch immer ein Thema ist und die Mafia ein großes Wort mit redet?

„Italien ist derzeit ein überförderter Markt“, räumt Markus Voigt ein, Chef des Düsseldorfer Initiators. „Vergütungssätze von knapp 50 Cent in der sonnenreichsten Region Europas sind tatsächlich viel zu viel.“ Doch daran wird sich was ändern. Bis Ende 2010 immerhin herrscht Planungssicherheit für bestehende und bis dahin kommende Solaranlagen. Die aktuelle Vorschrift bestimmt, dass der Strom grundsätzlich zum Tarif von rund 35 Cent pro Kilowattstunde abgerechnet wird. Hinzu kommen in Sizilien noch knapp zwölf Cent aus dem direkten Verkauf. „So lange sind die Tarife nach aktueller Rechtslage garantiert. Anschließend sinken die Vergütungssätze nach dem dann geltenden „Nuovo Conto Energia“ für Großanlagen ab einem Megawatt um rund 20 Prozent“, weiß David Lecoufle, Projektleiter Photovoltaik-Anlagen bei Lahmeyer International, einer Beratungsfirma für Energieunternehmen. Falls Berlusconi bis dahin nicht noch etwas anderes einfällt.

 

Dabei hat Italien erhebliches Nachholpotenzial. Während in Deutschland rechnerisch 1,8 Millionen Haushalte mit Sonnenenergie versorgt werden können, sind es im Stiefel gerade einmal 120.000 Haushalte. Und das, obwohl die Voraussetzungen ideal sind. Gerade in Sizilien scheint die Sonne so häufig und stark wie in sonst keiner Region Europas. Mit jährlich 1.700 Kilowattstunden pro Quadratmeter liegt die Gegend um Ragusa im Süden der Insel ganz vorne.

 

Eingeschränkt werden die Renditemöglichkeiten durch ein bei Solaranlagen typisches Phänomen. Je günstiger die Sonneneinstrahlung, desto teurer die Module. So sind sie beispielsweise in Spanien knapp 50 Prozent teurer als in Deutschland. Und wer meint, er könne die Module in Deutschland günstig kaufen und mit dem Schiff oder LKW in den Süden Europas transportieren, verliert die Garantie. „In solch einem Fall würde keine Bank der Welt die Solaranlage finanzieren. Das gilt übrigens in der Regel auch für Module aus China“, so Voigt.

 

Er bewertet das Engagement der Banken als entscheidende Rentabilitäts-Prüfung des sonnigen Investments. „Bei reinen Eigenkapital-Fonds haben die Banken in der Regel ein Darlehen abgelehnt“, sagt der Anbieter.

Doch wie kann ein Anleger erkennen, welche Fonds viel versprechend sind und welche Angebote nicht? Denn der Fehler steckt oft im Detail, hat aber gravierende Konsequenzen. „Planungsfehler können zu Ertragseinbußen von bis zu 40 Prozent führen“, berichtet Christian Schnaidt, bei Voigt & Collegen für das Qualitätsmanagement zuständig. Und das ist nicht alles. Besitzen die verschiedenen Bauteile nicht die zugesicherten Eigenschaften, können bis zu 60 Prozent der geplanten Einnahmen ausfallen. Bei Montagefehlern liegt die Quote bei bis zu 20 Prozent, fehlende Überwachung der Anlage kann sogar mit minus 70 Prozent zu Buche schlagen. Welche Zeichner haben so tief Einblick in den Fonds? Wohl keiner. Daher müssen sie sich wohl auf die Gutachten verlassen. Immerhin: Damit stehen sie nicht alleine, so Voigt: „Auch die Banken legen bei der Kreditvergabe in erster Linie die Gutachten zu Grunde.“

 

Erstmalig hat sich auch Feri mit Erneuerbare-Energien-Fonds beschäftigt und sieht ein „enormes Wachstumspotenzial für entsprechende Energiekonzepte“. Grund dafür sind der weltweit steigende Verbrauch bei gleichzeitiger Verknappung fossiler Energieträger wie Öl und Gas. Gleichzeitig fördern die EU-Staaten die Förderung der Konzepte finanziell. Dieser Punkt ist jedoch gleichzeitig ein Manko der Fonds, denn alle Beteiligten müssen auf die Verlässlichkeit der politischen Subventionen bauen. Weiterer Minuspunkt: Die Leistungsbilanz der bisherigen Konzept ist häufig wenig überzeugend. Doch diesen Punkt relativiert Wolfgang Kubatzki von Feri EuroRating Services: „Das trifft vor allem
die Windkraftfonds. Den neuen Schwerpunkt unter den New-Energy-Fonds stellen jedoch nun die Solarfonds.“

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