Studie: Private Equity hat bei Anlegern nicht den besten Ruf

14.Juni 2011   
Kategorie: Der Fondsbrief, News

Lücke zwischen Wahrnehmung und Realität

 Private Equity Fonds zählten im vergangenen Jahr zu den Gewinnern. Feri Euro Rating Services listet in seiner aktuellen „Gesamtmarktstudie Beteiligungsmodelle“ mit 620 Millionen Euro Eigenkapital ein Plus von 34 Prozent aus. Doch das ist weit entfernt von den Zahlen der Boomjahre. 2006 zum Beispiel sammelten die Initiatoren knapp 2,3 Milliarden Euro bei privaten Kapitalanlegern ein. An diese Zeiten will die  UniCredit-Tochter WealthCap anknüpfen und hat daher eine Studie in Auftrag gegeben, um herauszufinden, warum sich die potenziellen Anleger weiterhin mit Investitionen zurückhalten. Kernthese der Untersuchung: Die Wahrnehmung der Privatinvestoren und die tatsächliche Realität liegen weit auseinander.

Befragt wurden potenzielle Kapitalanleger mit einem Vermögen von mindestens 250.000 Euro. Die Mehrheit von ihnen betrachtet den Private-Equity-Markt als Black Box, in dem das investierte Geld verschwindet. Mangelnde Transparenz ist demnach das beherrschende Thema. In den Augen der Anleger entsteht eine Anonymität, die das Investment wenig greifbar erscheinen lässt. Die Macher der Studie haben außerdem festgestellt, dass das Alter der Anleger eine bedeutende Rolle spielt, wie Investitionen bewertet werden. So vertrauen jüngere Investoren gerne Meinungsführern aus dem eigenen Bekanntenpreis. Genau das halten ältere Kunden für naiv – weil sie diesen Fehler früher oft selbst gemacht haben und um die Gefahr eines Fehlinvestments wissen. Abschreckend wirken häufig auch die vergleichsweise hohen, in Aussicht gestellten Renditen. Darin sieht ein Großteil der Anleger ein deutliches Warnsignal, das auf eine riskante Investition hinweist.

Das besondere Wagnis einer Private-Equity-Investition ist nicht zu leugnen. Auch wenn eine Analyse des Marktes ergibt, dass die Branche auf Wachstumskurs ist und dabei besser als ihr Ruf. So würden 45 Prozent der rund 2.400 von Feri untersuchten Fonds über zehn Jahre eine Wertentwicklung von mehr als 50 Prozent erzielen. Dabei weist das Segment „Buy Out“ das beste Chancen-Risiko-Verhältnis mit einer durchschnittlichen Rendite von mehr als acht Prozent aus.

WealthCap verwaltet derzeit sieben Private-Equity-Fonds mit einem Eigenkapital von 381 Millionen Euro und darüber hinaus sechs Private Placements. Mitte 2010 bot der Initiator einen Fonds mit Sicherheitskonzept an. Dabei wird nur ein vergleichsweise kleiner Teil des Investments in Private Equity angelegt. Der Löwenanteil verzinst sich über die Jahre, so dass Anleger am Ende der Laufzeit zumindest ihren Einsatz wiederbekommen. Ein Angebot, das unterschiedlich wahrgenommen wurde. Mit dem Financial Advisors Award als bester Geschlossener Fonds ausgezeichnet, stellt sich trotzdem die Frage, ob eine Absicherung nicht dem Charakter einer Private-Equity-Investition widerspricht. Insofern ist die Einstellung mancher der befragten Investoren, die ausschließlich „Spielgeld“ in Private-Equity investieren würden, durchaus verständlich. Ist es weg, darf das ärgern, aber keine schlaflosen Nächte bereiten.

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Kommentare
Ein Kommentar zu “Studie: Private Equity hat bei Anlegern nicht den besten Ruf”
  1. Es ist erstaunlich, wie blauäugig Private Equity-„Investitionsaspiranten“ immer noch sind.
    Dabei wäre es so leicht, sich der Opferrolle zu entziehen. Wer immer Private Equity als Asset Category überlegt, braucht nur mit einigen der vielen Opfer des Sektors zu sprechen.
    Aber eines nach dem anderen:
    Es ist durchaus richtig, dass Private Equity (vor langer Zeit) eine Finanzinnovation darstellte, die viele positive Effekte aufweist. Unter bestimmten Bedingungen! Diese werden aber im Hype gerne ausgeblendet.
    Aufgrund makroökonomischer Sonderfaktoren (billiges Geld für Leverage, tollkühne Banken mit unendlicher Risikobereitschaft, Börsenhausse bis 2007) hat tatsächlich eine überdurchschnittliche Anzahl von Private Equity-Fonds eine sehr gute Performance hervorgebracht. Aus fundamentalen Leistungen heraus ist diese Performance nicht zu erklären. Sie wird sich auch ebenso wenig wiederholen, wie die tollen Venture Capital-Jahre 7 Jahre davor. Vielmehr ist zu befürchten, dass ohne „makroökonomischen Anschub“ die Branche ähnlich auf Grund laufen wird wie die Venture Capital-Industrie.

    Einer der Gründe für den Pessimismus:
    Die im Artikel angesprochene Intransparenz der Branche. Dies haben sich Finanzmarkt-Marketing-Champions zunutze gemacht und sich zu Investment Managern aufgeschwungen, obwohl sie weder Wissen noch Erfahrung dazu haben.
    Nüchtern betrachtet, ist ein Investment Manager heute nichts anderes mehr als ein Berater/Verwalter, der einen 12-Jahres-Vertrag mit Generalvollmacht über (viel) Geld erhält, ohne für seine Tätigkeit in irgendeiner Weise verantwortlich gemacht werden zu können.
    Kein echter Top-Berater darf von solchen Verträgen auch nur träumen. Im Private Equity-Geschäft bekommt sie jeder Anfänger, oft ohne viel mehr Qualifikation mitzubringen als ein enormes Selbstbewusstsein.

    Natürlich sind da auch noch die „Opfer“, sprich Investoren. Deren Leichtgläubigkeit erstaunt. Risikiert jemand sein eigenes Geld, mag er es hintragen, wo immer er will.
    Investiert jemand jedoch treuhändig zur Verwaltung anvertrautes Geld in diese „Black Box“, muss man sich schon fragen, wieso jemand kriminalrechtlich verfolgt wird, wenn er mit Klientengeld im Casino spielt. Nicht aber bei Investments in Private Equity.

    Die grassierende Naivität zahlreicher Opfer wird allerdings durch zahlreiche Profiteure in diesem „Biotop“ gefördert: Berater vieler Art verdingen sich damit, am fetten Beratungskuchen mitzunaschen, und betreiben daher massives Lobbying zugunsten der Private Equity-Branche.
    Dazu gehören auch gewisse Rating-Agenturen, die nicht müde werden, auf die tollen Erfolge einzelner Spieler hinzuweisen. Beliebtester Trick: die Performance-Darstellung „at cost“, d.h. es werden die geschaffenen (Buch)Werte mit den investierten Beträgen verglichen.
    Aus der Sicht der Investoren sind allerdings nur die von ihnen einbezahlten Beträge und die erhaltenen Rückzahlungen relevant. Diese werden aber oft gar nicht von den Private Equity-Gesellschaften kommuniziert (eigentlich nur von den erfolgreichen!).
    Die Kostenkomponente wird völlig aussen vor gelassen. Dabei beträgt diese zwischen 35 -45% des kommitierten Kapitals! Bei korrekter Berechnung sehen die Performance-Ziffern dann ganz anders aus, und ein Fonds muss schon den Wert seiner Investments nahezu verdoppeln, um seinen Investoren überhaupt das eingesetzte Kapital rückzahlen zu können.

    Von anderen „Fein=Gemein-heiten“ des Private Equity-Geschäfts möchte ich hier lieber nicht reden. Ich habe schon genug Platz gebraucht.

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