Böning und Hütterman gehen – Reinitzhuber und Dessolain bilden neue Doppelspitze

v.l.: Glatzel, Reinitzhuber, Dessolain, Wölfel.

Ruth Vierbuchen, Chefredakteurin „Handelsimmobilien Report“

Wechsel an der Spitze der Essener mfi AG: Ziemlich überraschend für die Öffentlichkeit hat Vorstandschef Matthias Böning sein Amt niedergelegt. Als die Meldung am 11. April publiziert wurde, hatte er die mfi AG bereits verlassen. Bei genauer Betrachtung passt dieser stille Abgang ohne zeitliche Vorankündigung jedoch zu dem schnörkellosen Hanseaten, der das Rampenlicht nicht sucht.

Böning  spricht beim Abschied von „bestem gegenseitigem Einvernehmen“ zur mfi, der Suche nach „neuen unternehmerischen Herausforderungen“ und der weiter bestehenden Verbundenheit zu dem Essener Shopping-Center-Spezialisten, dem er seit 2003 angehörte und den er seit 2006 als Vorstandschef führte. Gemeinsam mit Böning hat auch Marcus Hüttermann, seit 4 Jahren Vorstand für Vermietung und Center-Management, sein Amt niedergelegt und sucht, wie es in der Pressemitteilung heißt, neue Herausforderungen. Hüttermann war zuvor lange Zeit bei der Douglas Holding AG.

An Bönings Stelle wird eine Doppelspitze treten: Neben dem bisherigen Finanzvorstand Karl Reinitzhuber wird der ehemalige Unibail Rodamco-Vorstand Michel Dessolain aus dem mfi-Aufsichtsrat als Co-CEO an die mfi-Spitze wechseln.  Dessolain übernimmt den Wertschöpfungsprozess der Bestandsobjekte und steuert die Projektentwicklungen, heißt es, und Reinitzhuber zeichnet für das Asset Management für Dritte, Investment und alle Dienstleistungs- und Steuerungsfunktionen verantwortlich.

Als Dritter bleibt Dr. Christof Glatzel im Vorstand und übernimmt hier die Aufgaben Vermietung, Center-Management, Marketing und Operations Marketing. Für die Projektentwicklung und Projektrealisierung wird Ulrich Wölfel als Chief Development Officer verantwortlich sein.

Michel Dessolain, der zuvor 5 Jahre im Vorstand des neuen mfi-Großaktionärs Unibail Rodamco war,  versichert, dass er seine langjährige Erfahrung bei der europäischen Shopping-Center-Größe bei der mfi so effizient wie möglich einbringen will: „Unser Hauptinteresse gilt dem Ausbau des Portfolios durch Center-Neuentwicklungen und Center-Akquisitionen sowie der Wertsteigerung sämtlicher Objekte.“ Mit der Berufung des Franzosen soll sichergestellt werden, dass die mfi „als starke deutsche Organisation vom paneuropäischen Netzwerk“ der Muttergesellschaft profitiert.

Sein Co-Chef Reinitzhuber will dabei die Chance nutzen, von der europäischen Kompetenz der Muttergesellschaft bei der Wertsteigerung von Shopping-Centern im Interesse von Drittkunden zu profitieren. Die Weichen für die weitere Zukunft der Essener mfi AG als Tochter von Unibail Rodmaco sind damit gestellt.

Die Grundlage dafür hat zweifellos Ex-Vorstands-Chef Matthias Böning vor allem in der turbulenten Zeit nach Ausbruch der Finanzmarktkrise 2008 geschaffen, die den Essener Shopping-Center-Spezialisten sehr gebeutelt hatte. Als das wichtige Shopping-Center-Projekt „Höfe am Brühl“ in Leipzig zu scheitern drohte, weil der kanadische Investor Ivanhoe ausstieg, konnte Böning gemeinsam mit Hütterman einen neuen Investor gewinnen und das Projekt im Herbst 2009 auf die Schiene setzen. Im September 2012 konnte die Eröffnung gefeiert werden. Heute gehört das Objekt der mfi.

Der entscheidende Schritt zur Rettung der damals angeschlagenen mfi AG gelang im August 2010, als sich der Perella Weinberg Real Estate Fund mehrheitlich beteiligte. Finanziell massiv gestärkt entschied sich die mfi AG unter Führung von Perella Weinberg auch zum Bestandshalter zu werden und hat inzwischen eine ganze Reihe von Centern, darunter die Pasing Arcaden, die Höfe am Brühl und die Gropius Passagen in Berlin in den eigenen Bestand genommen.

Im Juni 2012 erhielt die mfi AG mit dem börsennotierten französisch-niederländischen REIT Unibail Rodamco einen weiteren Großaktionär, der bis spätestens 2017 auch die restlichen mfi-Anteile von Perella Weinberg übernehmen wird. Unibail Rodamco ist als Entwickler, Investor und Manager mit 74 eigenen Centern in 14 Ländern Europas präsent. Deutschland fehlte noch auf der Landkarte der Franzosen.

Dieser gewaltige Umbau des mittelständischen Shopping-Center-Spezialisten zunächst in Zusammenarbeit mit einem angelsächsischen Großaktionär und dann mit dem europäischen Schwergewicht Unibail Rodamco hat Böning zweifellos viel abverlangt, sodass es  nach 6 sehr aufreibenden Jahren ein naheliegender Schritt  war, sich eine Aus-Zeit zu nehmen. Außerdem stellt sich die Frage, ob sich der Hanseat, der die mfi AG ziemlich eigenständig geführt hat, in dem festen Gefüge eines Großkonzerns wie Unibail Rodamco auf Dauer noch wohl gefühlt hätte?  

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