Das Interview – GCSC plädiert für mehr „Stadtbau“ statt „Centerbau“

Gespräch mit Wolfgang R. Bays, Vorsitzender der Vorstandes des German Council of Shopping Centers (GCSC).

Handelsimmobilien Report: Das Motto des 16. GCSC-Kongresses lautet „Zuversicht“. Worauf lässt sich derzeit Zuversicht gründen?

Wolfgang R. Bays: Grundsätzlich ist zu erkennen, dass Kunden und Handelsbetriebe nach wie vor positiv gepolt sind und keine rechte Krisenstimmung aufkommen will. Auch wenn der Druck auf Flächenproduktivitäten und Mieten zunimmt, ist festzustellen, dass die Shopping-Center-Handelsflächen im Gegensatz zu den Flächen im gesamten Einzelhandel überproportional wachsen. Daher sind und bleiben wir zuversichtlich.

Wolfgang R. Bays

Wolfgang R. Bays

HIR: Das Thema Kredit-Klemme bei großen Transaktionsvolumina und ein erlahmter Investmentmarkt prägen derzeit die Lage im Bereich Shopping-Center. Gibt es schon Anzeichen für eine Verbesserung der Lage?

Bays: Shopping-Center sind weder Handelsware noch Finanzprodukt, zu denen sie in den Zeiten des Investment-Hypes vielfältig gerechnet wurden. Vielmehr sind sie sehr sensible und extrem dynamische Organismen und daher nach wie vor ein interessantes und langfristiges Anlagegut. Dieses wird zeitnah zur traditionellen Bedeutung zurückfinden und die Lage wird sich im Zuge dieser Entwicklung verbessern.

HIR: Der Markt der Zukunft, Osteuropa inkl. Russland, hat in punkto Handelsimmobilien und Einzelhandelsangebot weiterhin Nachholbedarf, doch ist das Geschäft in der Krise abgeflacht. Die Musik spielt in Westeuropa. Wann kommt nach Ihrer Einschätzung der Osten zurück?

Bays: Dem „Osten“ wurde keine Zeit zu einem organischen Wachstum der Märkte gelassen. Er wurde mit Hochdruck in das globale Entwicklungs- und Investmentgeschehen gepresst. Die Bremsspuren sind allerdings deutlich und bedauerlich, aber der Nachholbedarf immer noch immens. Insbesondere das an Menschen und  Naturschätzen reiche Russland könnte schneller zurück kommen als in Westeuropa erwartet wird!

HIR: Wie ist aktuell die Stimmung unter den Mitgliedern des GCSC?

Bays: Zuversicht bedingt sich durch die Verantwortung für Vorsorge, Prosperität und Nachhaltigkeit. Ackern und Säen ist nur sinnvoll mit der Zuversicht, dass die Ernte trotz aller Risiken auch eingefahren werden kann. Unsere Mitglieder investieren mit Zuversicht in die Zukunft und fördern bewusst Anstrengungen in eine Restrukturierung und Stabilisierung unserer Handelsmärkte einschließlich der Förderung unserer Zukunftsmacher, der „Young Professionals“.

HIR: Das Gottfried Duttweiler Institut warnt derzeit vor zu viel Uniformität in den Städten und zu wenig Alleinstellungsmerkmalen und damit vor der Gefahr, dass eine Shopping-Blase platzt. Das berührt natürlich auch die Shopping-Center. Was kann die Branche dagegen tun?

Bays: Der GCSC mahnt mehr „Stadtbau“ statt „Centerbau“ an, das heißt, gebaute und gemanagte urbane Atmosphäre an integrierten Standorten. Angestrebt wird eine authentische identifikationsfähige Qualität mit lokalem Anstrich als Alleinstellungsmerkmal, damit man weiß wo man ist.

HIR: Vor welchen Herausforderungen steht die Branche beim Thema Nachhaltigkeit? Bei neuen Objekten wird es zunehmend berücksichtigt. Aber was ist mit den alten?

Bays: Gerade heute stehen Architekten und Entwickler ganz überwiegend vor Revitalisierungsaufgaben. Der Zwang zur Nachhaltigkeit ist nicht nur modern, sondern unabdingbar – besonders bei Bestandsobjekten, bei denen die Kosten des Betriebes mehr und mehr zur zweiten Mieten anwachsen.

Eine leider weitverbreitete Kostennachlässigkeit, die durch energieineffiziente und kostenintensive Bewirtschaftungssysteme beschleunigt wird, muss zukünftig intelligent und nachhaltig eingedämmt werden! Zudem werden aus Anleger- und Kundensicht nur solche Objekte Bedeutung und Marktwert  behalten, die im Sinne der sozialen Verantwortlichkeit mit nachhaltig effizienten Bewirtschaftungskriterien gemanagt werden.

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