Karstadt-Verkauf könnte zum Spiel auf Zeit werden

In den Warenhausmarkt kommt Bewegung. Nachdem der Verkauf der Karstadt Warenhaus GmbH mit dem Angebot der skandinavisch-deutschen Beteiligungsgesellschaft Triton jetzt in die entscheidende Phase geht, treibt offenbar auch die Düsseldorfer Metro Group den Verkauf ihrer Warenhaus-Tochter Galeria Kaufhof voran. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, können die Interessenten inzwischen Einblick in die Daten von Kaufhof nehmen. Und es werden auch bereits Gespräche geführt.

Auf Berichte, dass etwa der Finanzinvestor Blackstone Interesse am Kölner Warenhaus-Konzern habe, gibt sich die Kaufhof-Mutter Metro indessen sibyllinisch: „Exklusive Verkaufsgespräche mit einem Interessenten“ werden von einem Unternehmenssprecher dementiert. Bestätigt werden dagegen „Vorgespräche mit mehreren Investoren, um deren Ernsthaftigkeit und Optionen zur Bildung einer Warenhaus AG zu prüfen“.

Und auch unter Zeitdruck sieht sich der Metro-Konzern nicht, da die Geschäfte gut liefen und beim Verkauf gute Konditionen herausgeholt werden sollten. Unternehmenskenner können sich jedoch gut vorstellen, dass der Verkauf relativ zügig vollzogen werden könnte. Für Metro-Chef Eckhard Cordes, der zuletzt ziemlich unter Druck stand, wäre es zweifellos von Vorteil, wenn er erste Verkaufserfolge schon zur Hauptversammlung am 5. Mai präsentieren könnte. Unternehmen aus dem operativen europäischen Warenhausgeschäft sind aber offenbar nicht unter den Interessenten, sondern nur Finanzinvestoren.

Die Mitteilung nährt jedoch unvermindert den Eindruck, dass der Metro-Konzern weiter auf die Bildung einer Warenhaus AG aus Kaufhof und 40 bis 60 Filialen der Karstadt Warenhaus GmbH – nach deren Zerschlagung – aus ist. Klar ist jedenfalls, dass die Kaufhof-Führung die Zahlen von Karstadt geprüft und sich schon sehr genau angeschaut hat, welche Filialen gut ins eigene Netz passen würden.

Doch stellt sich immer wieder die Frage, warum Metro, wie Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg von Görg Rechtsanwälte zuletzt bei der Gläubiger-Versammlung am 12. April in Essen bestätigte, bislang mit seinen Plänen nicht offiziell vorstellig geworden ist und ein entsprechendes Angebot unterbreitet hat?

Denn da der Verkauf eines insolventen Warenhaus-Unternehmens in der aktuellen Wirtschaftskrise wirklich kein Sparziergang wird, dürfte der Insolvenzverwalter daran interessiert sein, alle Optionen zu prüfen, um durch die Erhaltung und den gezielten Verkauf von möglichst vielen Filialen mit möglichst vielen Mitarbeitern für die Gläubiger am Ende so viel wie möglich heraus zu holen – falls der Verkauf der gesamten Karstadt Warenhaus GmbH beispielsweise an Triton doch nicht zustande kommt.

Nach Ablauf der gesetzten Frist am 23. April um 17 Uhr steht mit Triton nun ein Interessent fest. Die 1998 gegründete Beteiligungsgesellschaft ist bisher an 27 Firmen beteiligt, darunter sind auch eine ganze Reihe deutscher Gesellschaften wie Lehnkering, Kampa Haus, Dematic oder der Fensterbauer Weru. Allerdings kein Einzelhandelsunternehmen.

Und Triton hat seine Forderungen, die an einen Karstadt-Kauf geknüpft werden, schon recht deutlich formuliert. So etwa die weitere, unbefristete Senkung der Mieten und der Personalkosten über die bereits im Zuge des Insolvenzplans gemachten Zugeständnisse von Vermietern und Arbeitnehmern hinaus. Dafür will Triton Karstadt als Ganzes erhalten und laut FAZ in den nächsten 5 Jahren 450 Mio. Euro investieren. Da die weitreichenden Forderungen neue, umfangreiche Verhandlungen mit den betroffenen Vermietern und Arbeitnehmern erfordern, hat Triton beim Gläubigerausschuss eine Verlängerung der Verkaufsfrist um einen Monat bis zum 28. Mai beantragt.

Dass die Forderungen nicht leicht zu erfüllen sind, liegt auf der Hand. Zuletzt hatten die Immobilien-Eigner, das Highstreet-Konsortium, nach monatelangen mühevollen Verhandlungen die Miete um einen dreistelligen Millionenbetrag gesenkt, um ihren Beitrag für die Rettung von Karstadt im Zuge des Insolvenzplanverfahrens zu leisten. Dem Konsortium gehören Goldmann Sachs, die Deutsche-Bank-Gesellschaft DB Rreef, Pirelli Real Estate, Borletti Group und Generali an. Highstreet gehören etwa zwei Drittel der 120 Karstadt-Filialen.

Mit Blick auf die Tatsache, dass der Milliardenschwere Kredit für den Kauf der Karstadt-Immobilien verbrieft und an internationale Investoren weiter gereicht wurde und regelmäßig bedient werden muss, ist der finanzielle Spielraum des Konsortiums für Mietsenkungen über den geleisteten Betrag hinaus begrenzt. Und auch die Gewerkschaft Verdi hat schon signalisiert, dass weitere Zugeständnisse kaum möglich sind.

Deshalb stehen über den Verkauf an Triton noch zähe Verhandlungen ins Haus. Zudem  stellt sich die Frage, welches Interesse das Highstreet Konsortium, das sich über den Insolvenz-Spezialisten Frank Kebekus vertreten lässt, an einem solchen Verkauf haben könnte? Dass der potenzielle Karstadt-Betreiber unbequem wird, hat er mit seinen Ankündigungen in dieser frühen Phase der Verhandlungen bereits gezeigt.

Hinzu kommt, dass Triton kein Warenhaus-Experte mit Know-how ist, den sich Kebekus, das hatte er bei der Gläubigerversammlung im November deutlich gemacht, aber ausdrücklich als Mieter der Warenhäuser wünscht, damit Karstadt saniert und lukrativ weiter geführt wird.

Insofern wäre es die sinnvollste Lösung, wenn das Highstreet Konsortium auch noch den Geschäftsbetrieb – sprich: die Karstadt Warenhaus GmbH – zumindest vorübergehend übernehmen würde. Zumal mit der italienischen Borletti Group, Eigentümerin der italienisch-französischen Warenhauskette LaRinascente/Pinault Printemps Redoute (PPR), dem Konsortium ein Warenhaus-Spezialist angehört. Diese Überlegung scheint jedenfalls auch die Investmentbank Goldmann Sachs anzustellen, die mit 51% den größten Anteil am Portfolio hält. Auch wenn die Gerüchte, Goldmann werde Karstadt im Zweifelsfalle selbst übernehmen, vorerst dementiert werden.

Dass die Karstadt-Warenhäuser mit ihren Ertragszahlen im 1. Halbjahr laut Görg über Plan liegen, und nach Abschluss der Insolvenz schuldenfrei sind, ist eine günstige Voraussetzung für die vorläufige Weiterführung unter Ägide der Immobilien-Eigentümer. Ein gutes Management für das operative Geschäft sollte durchaus zu finden sein. Angesichts der Widrigkeiten durch die Weltwirtschaftskrise, die den Verkauf solch großer Portfolien   aktuell erschweren, dürfte es wichtig sein, auf Zeit zu spielen, bis die Zeiten für den Verkauf und auch die Zahlen von Karstadt wieder besser werden.

Das Highstreet-Konsortium würde damit bei allen weiteren Verhandlungen das Heft in der Hand behalten. Denn da bei einem Warenhaus die Zahl der Mieter äußerst begrenzt ist, wie der Fall Hertie gezeigt hat, bleibt der Vermieter leicht erpressbar. Offen ist aus heutiger Sicht auch, ob der Kaufabschluss mit Triton zustande kommen wird. Und auch bei dem von Metro immer wieder gern ins Gespräch gebrachten Modell einer Warenhaus AG stellt sich die Frage, welchen Nutzen es Karstadt und seinen Gläubigern bringt? Die Antwort dürfte einfach sein. Wenig! Dass Kaufhof Interesse hat, gute Karstadt-Standorte zu übernehmen, ist klar, und auch, dass es für Kaufhof von großem Vorteil wäre, wenn der Wettbewerber vom deutschen Markt verschwindet.

Zudem wollen Metro resp. Kaufhof die Standorte möglichst billig haben. Insofern ist es von Vorteil, mit Spekulationen über die „Warenhaus AG“ in der Öffentlichkeit und bei potenziellen Karstadt-Bietern gezielt für Irritationen zu sorgen. Diese Politik hatte im Sommer 2009, als es um die Bundesbürgschaft für den Arcandor-Konzern mit den Töchtern Karstadt und Quelle ging, schon einmal funktioniert und zweifellos dazu beigetragen, dass der Antrag von der Bundesregierung abgelehnt wurde und der Essener Konzern Insolvenz anmelden musste.

Als Käufer einer handverlesenen Auswahl von 40 bis 60 Karstadt-Filialen könnte Metro zudem den Preis und auch die künftigen Mieten diktieren. Das Highstreet-Konsortium müsste für die restlichen Filialen in diesen schwierigen Zeiten neue Verwendungen suchen. Dass die Investoren nicht ansatzweise die 4,3 Mrd. Euro erlösen würden, die sie für die Übernahme des Portfolios ausgegeben haben, liegt auf der Hand. Deshalb wäre es für Highstreet zweifellos von Vorteil, auch bei möglichen Verhandlungen über eine Warenhaus AG ohne Zeitdruck verhandeln zu können und als Eigentümer die Konditionen mit zu bestimmen. Das dürfte Insolvenz-Experte Kebekus auch durchaus klar sein.

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