Metro-Gründer Otto Beisheim hat den deutschen Einzelhandel umgekrempelt

Metro-Gründer Otto Beisheim war ein typischer Vertreter seiner Branche und seiner Zeit: Es gibt viele namhafte deutschen Einzelhandels-Dynastien, die zwar jedem Bundesbürger von ihren Geschäften her bekannt sind, die aber die öffentliche Bühne meiden oder zu Lebzeiten gemieden haben, wie die Albrechts in deren Aldi-Märkten fast jeder schon mal einkauft, die Brenninkmeyers, die in fünfter Generation unter anderem die Bekleidungskette C & A führen, die Familie Schwarz mit der Discount-Kette Lidl und die Familien hinter der Kaufhauskette Peek & Cloppenburg.

In dieser Riege der verschwiegenen deutschen Einzelhändler war der Milliardär Otto Beisheim aber zweifellos der öffentlichkeitsscheuste, der aber gleichzeitig mit seinem langjährigen Weggefährten und Statthalter Erwin Conradi den deutschen Einzelhandel umgekrempelt hat, wie kein anderer. Dabei hielt sich Beisheim, der gemeinsam mit dem Spar-Großhändler Michael Schmidt-Ruthenbeck 1964 den ersten Metro-SB-Großhandelsmarkt (Cash & Carry) in Mülheim/Ruhr eröffnet hatte, immer bescheiden im Hintergrund. Bei Hauptversammlungen der in den 1980er-Jahren noch börsennotierten Kaufhof AG saß er als Großaktionär unauffällig zwischen den Kleinaktionären. Pomp und öffentliche Auftritte lagen dem am 3. Januar 1924 in Langenfeld bei Wuppertal geborenen Industriekaufmann nicht. Als er Anfang der 1990er-Jahre über die Akquisition der Horten AG verhandelte, fuhr er im einfachen Taxi vor.

Und dennoch – oder gerade weil er sich auf die wesentlichen Dinge konzentrierte, eine Eigenschaft die seiner Generation zu eigen war – gelang es ihm gemeinsam mit Conradi, einen der größten Handelskonzerne der Welt zu schmieden. Den Grundstein dafür legte er 1967, als er die Duisburger Industrie-Dynastie Haniel als Geschäftspartner für seine Cash & Carry-Idee gewann und so die Expansion sicherte.

Die Beziehung zum deutschen Einzelhandel war dagegen zunächst schwierig, weil Metro in ihren Cash & Carry-Märkten auch viele Endkunden einkaufen ließ, die die Öffnungszeiten des Großhandels bis 21 Uhr zu schätzen wussten. Der Einzelhandel musste um 18.30 Uhr schließen und fürchtete Wettbewerbsnachteile. Nach langwierigen Prozessen fand Beisheim aber schließlich mit dem Handelsverband Deutschland HDE einen Kompromiss. Es mag auch als Ironie des Schicksals angesehen werden, dass gerade die Metro maßgeblich dazu beitrug, dass sich die zersplitterte Verbandslandschaft im Einzelhandel zu einem Gesamtverband unter einem Dach mit einer Stimme zusammengeschlossen hat.

Als den Metro Cash & Carry-Märkten mit den SB-Warenhäusern eine starke Billig-Konkurrenz erwuchs, suchte Beisheim in den 1980er-Jahren den Einstieg ins Einzelhandelsgeschäft. Um den Kaufhof-Konzern übernehmen zu können, zog er gegen das Bundeskartellamt bis zum Bundesgerichtshof – und gewann. Durch die Übernahme zahlreicher weiterer Unternehmen avancierte Metro zum größten Konzern Deutschlands – und Europas. Bis die französische Carrefour mit dem Wettbewerber Promodès fusionierte und an Metro vorbeizog.

Der entscheidende Schritt zur heutigen Größe des Handelskonzerns war 1996 die Fusion aller Unternehmensteile zur Metro AG, der Gang an die Börse und die forcierte Expansion ins wachstumsstarke Ausland. Fast 17 Jahre nach der Fusion ist das Unternehmen über die turbulente Pionierphase hinausgewachsen und hat sich als  börsennotiertes Unternehmen etabliert – auch wenn der Online-Handel heute neue Herausforderungen mit sich bringt und die Metro AG den Dax verlassen musste. Auch im Verhältnis der Großaktionäre Beisheim, Haniel und Schmidt-Ruthenbeck hatten sich die Gewichte zuletzt zuungunsten von Beisheim verschoben.

Haniel und Schmidt-Ruthenbeck haben gemeinsam die Mehrheit, Beisheim hielt zuletzt nur noch einen Anteil von 10%. Das Erbe des kinderlosen Unternehmensgründers hat er über 2 gemeinnützige Stiftungen abgesichert.

Otto Beisheim, der einen Ehren-Doktor und einen Ehren-Professor-Titel trug, hat es zu Lebzeiten immer bedauert, dass er nicht die Möglichkeit hatte, das Abitur zu machen. Das hat er – zumindest ein wenig – wettgemacht, indem er die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung (WHU in Vallendar mit einer großen Spende unterstützt hat. Sie trägt seinen Namen.

Otto Beisheim, der an einer unheilbaren Krankheit litt, ist nach Mitteilung der Otto Beisheim Group am vergangenen Montag aus dem Leben geschieden.

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