Metro-Konzern: Heute zahlt sich die breite Geschäftsbasis aus

Wie stabil Deutschlands Einzelhandelsmarkt in der Krise gemessen an anderen Ländern ist, zeigen die Jahreszahlen deutscher Handelskonzerne mit starkem Auslandsengagement. So etwa auch beim Metro-Konzern. War in den vergangenen 15 Jahren die Botschaft mehr oder weniger die gleiche: „Das Deutschlandgeschäft schwächelt, Wachstum erzielt der Konzern im Ausland“, lautet die Botschaft nun genau umgekehrt: „Die deutschen Töchter zeigen Stabilität, das Ausland schwächelt“. Das große Interesse ausländischer Filialisten am hiesigen Markt bestätigt den Trend.

Bei der Düsseldorfer Metro Group hat sich Welt durch die Krise regelrecht auf den Kopf gestellt. Am deutlichsten zeigt sich das an der Entwicklung des Cash & Carry-Geschäfts, das jahrelang die Speerspitze bei der Internationalisierung und die Cash-Cow des Konzerns war. Als Selbstbedienungs-Großhandel, der schnell den Break-even-point erreicht, war die Sparte ideal für die Expansion in wachstumsstarken Ländern mit unterentwickelten Großhandels- und Einzelhandels-Strukturen, wie etwa den Märkten Osteuropas oder Asiens. Metro Cash & Carry bildete bei der Internationalisierung die Vorhut.

Im Krisenjahr 2009 jedoch sank der Umsatz der Sparte um 7,6% auf 30,6 Mrd. Euro, nach einem Plus von 4,6% im Jahr zuvor. Und auch im 4. Quartal, dem Weihnachtsgeschäft, stand ein Umsatzrückgang von 8,7% auf 8,4 Mrd. Euro zu Buche, nach einem kleinen Plus von 0,9% im 4. Quartal 2008, das aber bereits stark von der Krise geprägt war. Die Währungsschwäche der osteuropäischen Länder gegenüber dem Euro, die sich dann auswirkt, wenn die Umsatzzahlen bei der Bilanzierung in Euro umgerechnet werden müssen, erklärt das Problem nicht ganz. Denn bereinigt um die Währungseffekte bleibt beim Cash & Carry-Jahresumsatz immer noch ein Minus von 2,5%. Es ist ja kein Geheimnis, dass die früheren Wachstumsmärkte Osteuropas, in denen Metro stark vertreten ist, in der aktuellen Krise besonders schwächeln. Metro Cash & Carry spürt das vor allem bei der Nachfrage nach seinen Nonfood-Artikeln. Doch ist andererseits auch klar, dass der Nachholbedarf in diesen Ländern bestehen bleibt und sie sich nach der Krise auch wieder erholen werden.

Gfk Geomarketing schätzt etwa die polnische Wirtschaft gefestigter ein als andere Volkswirtschaften in der Region. Polen werde deshalb vergleichsweise schnell wieder positive Signale aussenden, urteilen die Experten. Für Russland erwartet die UniCredit Group, dass der private Konsum 2009 zwar um 10,8% sinken, 2010 aber wieder um 3,1% und 2011 um 8,3% wachsen wird.

Diese Nachfrageschwäche bei Nonfood-Artikeln in Osteuropa bekam 2009 auch die SB-Warenhaus-Tochter Real zu spüren und musste im Gesamtjahr einen Umsatzrückgang von 2,9% (nach + 5,8%) auf 11,3 Mrd. Euro hinnehmen. Hier überwog aber auch der Währungseffekt, denn währungsbereinigt konnte die Metro-Tochter ein Plus von 1,3% ausweisen.

Shareholder-Value-Ansatz greift zu kurz

Die schwächelnde Währung Osteuropas macht zwar auch der Elektrofachmarkt-Kette Media Markt/Saturn zu schaffen und dämpfte das Wachstum, doch wirkten sich die positive Entwicklung in Deutschland und Westeuropa sehr positiv auf das Geschäft aus. So stiegen die Erlöse um 3,7% auf 19,7 Mrd. Euro. Ohne die negativen Währungseffekte wär der Umsatz sogar um 5,5% gewachsen.

Die Warenhaus-Tochter Galeria Kaufhof, deren Verkauf sich im Zuge der Krise ganz offensichtlich verzögert, zeigte mit einem Umsatzrückgang von 1,9% (2008: – 1,1%) dagegen wenig Veränderung.

Die Entwicklung des Metro-Konzerns zeigt auf anschauliche Weise, dass die kurzfristig ausgerichtete  Shareholder-Value-Denke als Basis einer Unternehmensstrategie viel zu kurzsichtig ist. Immer wieder hatten Analysten den Metro-Vorstand in der Vergangenheit aufgefordert, sich ausschließlich auf die damaligen Cash-Cows Metro Cash & Carry und Media Markt/Saturn zu konzentrieren und alles andere abzustoßen. Heute ist es von Vorteil, dass das Unternehmen breiter aufgestellt ist, denn jedes Konzept hat irgendwann einmal eine Schwächephase.

Wäre der Metro-Vorstand den Analystenempfehlungen damals gefolgt, würde die Schwäche des osteuropäischen Cash & Carry-Geschäfts noch stärker ins Gewicht fallen. So aber kann Vorstands-Chef Eckhard Cordes für Deutschland einen Umsatz präsentieren, der mit 26,5 Mrd. Euro nur um 0,6% unter Vorjahresniveau liegt. Flächenbereinigt liegt er sogar nur um 0,1% unter dem Wert von 2008. Auch Westeuropa zeigte sich mit -0,3% auf 20,9 Mrd. Euro recht stabil.

Damit konnte der drastische Umsatzrückgang von 12,8% auf 15,8 Mrd. Euro in Osteuropa abgefedert werden. Per Saldo sank der Konzernumsatz um 3,6% auf 65,5 Mrd. Euro, Währungsbereinigt stiegen die Erlöse sogar leicht um 0,2%. Auch das Beratungsunternehmen Deloitte kommt bei seinem Vergleich der 250 Top-Unternehmen weltweit zu dem Ergebnis, dass diversifizierte Anbieter wie Metro – anders als noch 2007 – zu den Erfolgreicheren gehören.

Dass Cordes die Lage – auch in Osteuropa – mittelfristig wieder positiver einschätzt, lässt sich daran ablesen, dass er die Investitionen, die er nach Ausbruch der Krise im Herbst 2008 auf 1,6 Mrd. Euro zurückgenommen hatte, wieder auf 1,9 Mrd. Euro hoch fahren wird, um die internationale Expansion zu beschleunigen. Die Rahmenbedingungen bleiben 2010 zwar „herausfordernd“, doch rechnet sich der Metro-Chef auch wieder mehr Chancen aus.

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