Metro Metering: Viele kleine Schritte zur Energieeffizienz

Eine Wohlfühl-Atmosphäre ist heute wichtig, um Kunden anzulocken und zum Kaufen zu bewegen. „Bedarfsweckung“ lautet das Stichwort. Dabei spielen Themen wie Beleuchtung, Kühlung und Heizung eine wichtige Rolle. Verkaufen und Energiesparen gehen nicht leicht zusammen. Umso wichtiger ist es für Unternehmen wie die Metro Group, einen intelligenten Weg zu finden, dennoch Energie zu sparen.

Gleich im Eingangsbereich des Cash & Carry-Marktes in der Schlüterstraße in Düsseldorf beginnt die Metro Group damit, ihre Kunden für das Thema Energieeffizienz zu sensibilisieren. In großen Leucht-Buchstaben ist auf einer Tafel zu lesen, wie viel Strom die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach gerade produziert und wie viel CO2 der Markt abgibt. Den Einkauf der Kunden wird diese umweltbewusste Botschaft nicht unbedingt beeinflussen. Aber es weckt bei ihm womöglich ein gutes Gefühl, dass er in einem umweltbewussten Markt bei einem umweltbewussten Unternehmen einkauft. Und vielleicht spielt das in der Zukunft eine wichtige Rolle.

Themen wie Energiesparen, alternative Energien und CO2-Ausstoß sind schon längst keine Nischen-Themen mehr für Grüne mit dem Traum von der heilen Welt. Sie sind im Handel – in Großkonzernen wie der Metro Group sowieso – ein wichtiger Kostenfaktor und damit wichtig für die Rentabilität. Zumal Energie – das hat vor allem die Boomphase 2008 deutlich gemacht – immer teurer wird. Sprach der frühere US-Notenbank-Chef Alan Greenspan im Dezember 2000 von Inflationsgefahr, weil der Ölpreis die 30-Dollar-Marke je Barrel überschritten hatte, können die Verbraucher von solchen Preisen heute nur noch träumen.

Nach der Reaktor-Katastrophe von Fukushima sei der Börsenpreis phasenweise dramatisch um etwa 20% gestiegen, erinnert sich Andrea K. Weber, Geschäftsführerin der Metro Group Energy Production & Management (MEM) in Düsseldorf an die Entwicklung auf dem Strommarkt. Für Metro spielte der Ausschlag nach oben kurzfristig keine Rolle, denn der Konzern hat seinen Strom bereits für 2011 und 2012 gekauft.

Die Ausschreibungen erfolgen einmal jährlich und richten sich immer auf das übernächste Jahr. In diesem Jahr laufen die Ausschreibungen für 2013. Und MEM-Geschäftsführerin Weber stellt sich bereits auf weitere Preissteigerungen ein. Um dennoch die Stromkosten, die in einem Handelskonzern mit Blick auf Kühlung, Heizung und Beleuchtung etc. sehr hoch sind, weiter zu senken, ist vor allem Energiesparen angesagt. Allein in Deutschland, so berichtet Weber anschaulich, verbrauchten die von Metro betriebenen Märkte und Warenhäuser genauso viel Energie, wie die gesamte Stadt Karlsruhe.

Bei aller Euphorie für die alternative Energiegewinnung, die von Berlin forciert und auch im Metro-Konzern verfolgt wird, bleibt die nüchterne Erkenntnis, dass durch gezieltes Energiesparen die Hebelwirkung auf die Kosten größer ist. Und dabei sind es im Einzelhandel die vielen kleinen Schritte, „die am Ende aber viel ausmachen“, weiß Weber aus Erfahrung. Das beginnt mit dem Ausschalten des Lichts nach Dienstschluss – auch auf den Toiletten. So bietet die gezielte Schulung der Mitarbeiter bereits beachtliches Einsparpotenzial. Nach Feststellung der MEM können dadurch 10% des Stromverbrauchs pro Standort gespart werden.

Gegründet wurde die MEM zwar bereits 2005, doch richtig aktiv als Einkäufer auf dem Strommarkt wurde das heute 28-Köpfige Team im Jahr 2006. Die Konzernsparte bedient den Metro-Konzern weltweit. Der 1. Schritt der Arbeit bestand laut Weber darin, genau zu erfassen, wie viel Strom im Konzern verbraucht wird. Das bietet eine gut Grundlage, um für die weiteren Einsparziele Benchmarks setzen zu können. Als konzernweit vergleichbare Kennzahl wurde der Energieverbrauch in Kwh je qm festgelegt. Durch gezielte Sparanstrengungen konnte die Metro Group ihren Stromverbrauch in den vergangenen Jahren bereits von 2,1 Tera-Watt pro Jahr auf 1,7 Tera-Watt senken. So viel wird die MEM für 2013 ausschreiben.

Zentrale Bedeutung im Energiespar-System der Metro Group kommt dem von der MEM entwickelten Metro Group Energy Management System (MEMS) zu. Dabei wird der Verbrauch jedes einzelnen Marktes per Stromzähler (Foto) erfasst und kann dann mit Hilfe der von der MEM entwickelten „Smart Metering Technology“, d.h. mittels Software Applikation für Server per Webportal zentral erfasst und von den Energiebeauftragten abgerufen werden. Dadurch kann der Verbrauch jedes einzelnen Markes kontinuierlich überprüft werden.

War der Stromverbrauch in einem Markt an einem Sonntag ungewöhnlich hoch, dann gilt es zu klären, ob das Geschäft geöffnet hatte, oder ob jemand das Licht angelassen hatte. Bislang sind europaweit etwa 1 000 zum Metro-Konzern gehörende Märkte mit dem System ausgestattet. In Deutschland sind laut Weber alle Standorte von Real, Metro C & C und Kaufhof mit dem MEMS ausgestattet. Media Markt und Saturn waren schon 2009 ausgerüstet. Dass alle Neubauten, wie etwa das Fisch-Logistik-Zentrum in Groß-Gerau von Anbeginn mit dem MEMS ausgerüstet werden, liegt auf der Hand. Ziel ist es laut Weber, alle zur Metro-Gruppe gehörenden 2 100 Märkte auszurüsten. Nur so lassen sich Konzernweit die Energiefresser identifizieren.

Im 2. Schritt werden die Ursachen des überhöhten Energieverbrauchs gesucht. Dabei wurde z.B. in Real-Märkten festgestellt, dass die Lüftungsanlagen zu alt waren und zu viel Strom verbrauchten. Die Kosten für die Erneuerung der Anlagen haben sich laut Weber durch die Stromeinsparungen schnell wieder amortisiert.

Balanceakt zwischen Einkaufsvergnügen und Kostendruck

Ein wichtiges Thema ist Energiesparen durch den Einsatz von LED-Leuchten, doch geben sie nicht in allen Bereichen des Verkaufs das gewünschte Licht. Sie werden deshalb in Bereichen außerhalb der Verkaufsflächen wie z.B. in Parkhäusern, in Gängen oder bei Kaufhof an den Rolltreppen eingesetzt. Die Warenhäuser verbrauchen laut Weber viel Strom für die Beleuchtung.

Insgesamt seien Energiekosten inkl. Wasser der drittgrößte Kostenblock hinter Personal und Miete, weiß Weber. Bei Metro machen sie etwa 1% des Konzernumsatzs aus. Das ist ein hoher dreistelliger Millionenbetrag. Und Einsparungen von 3% machen in einem Handelskonzern, der mit Blick auf den Preiswettbewerb scharf kalkuliert, bereits sehr viel aus. Das konsequente Energiemanagement hat bislang messbare Erfolge gebracht. So wurde der Energieverbrauch um 2% auf 408 kWh je qm reduziert. Das Ziel bis Ende 2011: Den Energieverbrauch auf 402 kWh je qm zu senken.

Dabei spielt sich das Thema Energieeffizienz in einem Handelskonzern immer in einem Spannungsfeld ab. Denn dem Streben nach einem wirtschaftlichen Stromverbrauch auf der einen Seite stehen auf der anderen Seite die wachsenden Erwartungen der Verbraucher an eine angenehme und erlebnisorientierte Einkaufsatmosphäre und eine attraktive Warenpräsentation gegenüber. Das gilt es in Einklang zu bringen. „Insbesondere die steigende Nachfrage der Kunden nach Frische- und Tiefkühlprodukten haben den Strombedarf der Vertriebslinien in den letzten Jahren steigen lassen“, berichtet die Metro Group. So wird Einzelhandel in Zeiten der Nachhaltigkeit ein Balanceakt zwischen Einkaufsvergnügen und Kostenbewusstsein.

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