Nahversorgung unter dem Einfluss von Energiewende und demograpfischem Wandel

Dr. Katrin Grumme, geschäftsf. Gesellschafterin der DGC GmbH,
Vorsitzende des BFW Arbeitskreises „Einzelhandel“

Die gesellschaftlichen Trends des demographischen Wandels und der Nachhaltigkeit werden in Zukunft den Einzelhandelsimmobilienmarkt stark beeinflussen. In diesem Zusammenhang wird das Thema Mobilität eine Schlüsselfunktion einnehmen. Der Einzelhandel, wie wir ihn bisher kennen, ist maßgeblich von der individuellen und fossilen Mobilität geprägt. Dies gilt insbesondere für den Bereich Nahversorgung.

Hier konzentriert sich die Versorgung entlang der frequenzstarken zentralen Mobilitätsstrukturen. Dies wird sich vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und der Energiewende ändern. Eine neue Mobilitätskultur und damit die Erreichbarkeit der Handelsimmobilie werden immer stärker im Fokus der Nachhaltigkeit stehen. Eine nachhaltige und damit wirtschaftlich effiziente, umweltfreundliche und ressourcensparende Handelsimmobilie muss künftig auch Konzepte für einen nachhaltigen Kunden-, Anlieferungs- und Entsorgungsverkehr finden. Diese Verkehrskonzepte spielen bei der Entwicklung einer Handelsimmobilie bereits jetzt eine wichtige Rolle und die Bedeutung wird zunehmen.

Um sich am Handelsimmobilienmarkt künftig behaupten zu können, sind zukunftsweisende Demografie- und Verkehrskonzepte unerlässlich. Die Stadt- und Ortszentren als Handels- und Lebensraum nehmen hier eine Schlüsselrolle ein und müssen in Zukunft gestärkt und durch optimierte Mobilitätsstrukturen zugänglich gemacht werden. Hierbei muss über neue kleinräumige Versorgungs- und Mobilitätsstrukturen nachgedacht werden.

Dabei werden standortadäquate Konzepte und Kundennähe, im räumlichen wie im persönlichen Sinne, wachsende  Bedeutung gewinnen. Neue Nahversorgungsformate werden wichtige Funktionen übernehmen. Kleine, dezentrale Formate mit regional unterschiedlichen Angeboten können eine Antwort auf den Wandel sein.

Die Entwicklung wird sich regional sehr unterschiedlich ausdifferenzieren und kann somit nur mit individuellen Konzepten beantwortet werden. Künftig wird mehr nach den unterschiedlichen Innenstadt-Typen differenziert werden müssen. Es werden sich neue Zukunftsformen der Versorgung entwickeln.

Derzeit wird der Nahversorgungsbereich durch zentrale großflächige Strukturen dominiert, die auf ein hochverdichtetes Umfeld angewiesen sind. Bereiche mit geringer oder schrumpfender Bevölkerungsdichte, kleine Ortsstrukturen fallen aus diesen Versorgungsstrukturen heraus, was sich am Leerstand und der fehlenden Nahversorgung in vielen Stadt- und Ortszentren zeigt. Als Reaktion darauf wurden in den vergangenen Jahren neue Aktivitäten und Strukturen entwickelt.

Ein Beispiel für lokale standortadäquate Nahversorgung ist die 2005 von der Markant-Gruppe in Offenburg (Foto: Markant) ins Leben gerufene „Nahversorgungs Offensive“ (www.nahversorgungsoffensive.de). Die Markant-Großhandlungen bieten ihren selbständigen Einzelhandelspartnern Know-how u.a. bei der zeitgemäßen und verkaufsfördernden Gestaltung der Läden sowie bei der Beschaffung und Belieferung mit einem standortspezifischen Sortimentsmix zu wettbewerbsfähigen Preisen.

Nahversorgung mit staatlicher Hilfe in Schleswig-Holstein

Hierbei sind alle Akteure gefordert. So hat z.B. die Landesregierung Schleswig-Holstein das Konzept Markttreff (www.markttreff-sh.de) gemeinsam mit Akteuren aus den Regionen, aus Wirtschaft, Verbänden und Gesellschaft für das Bundesland entwickelt. MarktTreff ist ein erfolgreiches Modell für die Grundversorgung in einzelnen ländlichen Gemeinden in Schleswig-Holstein.

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