Vorreiterrolle beim Thema Nachhaltigkeit im Blick

Für den Einzelhandel ist es wichtig, dass sich seine Kunden wohlfühlen, denn dann geben sie leichter Geld aus. Licht spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. Die Beleuchtung eines Operationssaales würde abschreckend wirken. Bei den Lebensmittelanbietern kommen Tiefkühltruhen, Kühlschränke und Frischetheken für das wichtige Angebot von Frischwaren hinzu. Und die Kühlung im Sommer und die Heizung im Winter. Themen wie „Einkaufsatmosphäre und hochwertiges Frische-Angebot“ einerseits und „Energiesparen“ andererseits scheinen nur schwer zusammen zu passen. Dennoch wird es immer wichtiger, beides unter einen Hut zu bringen..

Denn die stetig steigenden Energiepreise zwingen gerade den scharf kalkulierenden Lebensmitteleinzelhandel dazu, die Kosten im Griff zu behalten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch wenn das schon fast der „Quadratur des Kreises“ gleichkommt. Zu denen, die beim Thema Nachhaltigkeit den Anfang gemacht haben, gehört Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelanbieter Rewe Group aus Köln. Am 5. November 2009 eröffnete sie das deutschlandweit erste Green Building in Berlin-Rudow (Foto: Rewe). Der Pilot-Markt mit 1 830 qm Fläche sei als erster Supermarkt von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mit dem Prädikat Gold ausgezeichnet worden, so die Kölner stolz.

Und auch, dass der Handelsverband Deutschland HDE das „Rewe Green Building“ ein halbes Jahr später mit dem 1. Platz in der Kategorie „Food“ beim Wettbewerb „Stores of the year 2010“ auszeichnete, sieht die Rewe-Mannschaft als Bestätigung und Ansporn zugleich, sich unvermindert für das Thema „Nachhaltigkeit“ einzusetzen und ihrer Rolle „als einer der Vorreiter in der Branche gerecht zu werden“. Die Jury hatte sich von der „Innovationskraft und der ganzheitlichen Nachhaltigkeitsstrategie“ des grünen Rewe-Marktes in Berlin überzeugen lassen.

Wie sehr dem Lebensmittelanbieter das Thema Nachhaltigkeit am Herzen liegt, lässt sich daran ablesen, dass er den Pilot-Markt in Berlin-Radow als Eigenobjekt entwickelte. Ansonsten bevorzugt Rewe meist die Rolle des Mieters, um die liquiden Mittel fürs Kerngeschäft einzusetzen. „Wir sparen knapp 50% des Primärenergiebedarfes gegenüber einem konventionellen Rewe-Supermarkt ein“, berichtet Harald Fischer (Foto), Leiter Bauwesen, Rewe Markt GmbH, über den Erfolg des grünen Supermarktes, der insgesamt CO2-neutral betrieben wird.

Den Primärenergiebedarf eines Standard-Marktes beziffert er mit jährlich ca. 954 kWh pro qm Nettogrundfläche: „Der Primärenergiebedarf für unser Rewe Green Building in Berlin beträgt ca. 494 kWh pro qm Nettogrundfläche und Jahr.“ Zu den Einsparungen tragen der richtungsweisende Einsatz modernster Heizungs-, Lüftungs-, Beleuchtungs-, Klima- und Kälteanlagen in Kombination mit bester Dämmung bei. Für die Normal- und Tiefkühlverbundanlagen, die zur Kühlung der Frischeprodukte und Tiefkühlsortimente dienen, werde ausschließlich das natürliche Kältemittel CO2 eingesetzt.

Noch deutlicher lassen sich die Vorteile eines grünen Supermarktes für den Betreiber anhand der folgenden Zahlen belegen: „Generell kann man sagen, dass über den Lebenszyklus einer Handelsimmobilie die Betriebskosten ca. 85% ausmachen und die Baukosten nur ca. 15%“, so Fischer weiter: „Das bedeutet, dass sich Investitionen in die Senkung des Energiebedarfes mittel- und langfristig immer lohnen.“

Mit Blick auf das Thema Baukosten, die beim Green Building höher sein dürften als beim Standard-Supermarkt, stellt Fischer fest, dass Rewe unterschiedliche Gebäudetypen entwickelt hat, „sodass für jeden Standort ein wirtschaftlich passendes Konzept entwickelt werden kann“. Denn letztlich gilt eins: Alle Rewe-Märkte müssen wirtschaftlich arbeiten!“

Nach Berlin-Rudow gibt es weitere Rewe-Green-Buildings in Mainz und Iserlohn. Hier tritt der Lebensmittelanbieter aber als Mieter auf. Laut Fischer sind derzeit weitere 15 Nachhaltigkeits-Märkte in Planung: „Mittelfristig soll die konventionelle Bauweise durch eine nachhaltige Bauweise abgelöst werden“, lautet die Zielmarke. Deutschlandweit gibt es etwa 3300 Rewe-Märkte.

Da Rewe oft nicht Eigentümer der Objekte ist, sondern überwiegend Mieter, ist die Um- und Nachrüstung vieler Bestandsobjekte Verhandlungssache mit dem Vermieter und wird im Zuge der Überarbeitung der einzelnen Filialen angepackt. „Vor Umbaumaßnahmen bzw. Konzeptänderungen werden Energiechecks durchgeführt und Maßnahmenkataloge erstellt“, zählt Fischer auf. Auch die Gewerke wie Gebäudesubstanz und Haustechnik (Lüftungs- und Heizungstechnik, Regelungstechnik, Wärmedämmung etc.), die den Eigentümer betreffen, würden untersucht und über sinnvolle Maßnahmen werde mit dem Vermieter verhandelt.

Zu den Bereichen, die den Mieter Rewe selbst betreffen, gehört die Investition vor allem in neue, energieeffiziente Kälte- und Kühlmöbelanlagen und neue Beleuchtungstechnik. „Beide Gewerke machen zusammen etwa 70% des Gesamtenergiebedarfes aus“, weiß Fischer. Zu den Maßnahmen gehören laut Nachhaltigkeitsbericht auch so einfache Dinge wie das Anbringen von Kühlregaltüren und Tiefkühltruhen-Deckel, eine verbesserte Steuerung und Wartung der Kühlanlagen, der Einsatz von energieeffizienten Leuchten sowie die Nutzung von Tageslicht, die Optimierung von Lüftungsanlagen, Energie-Controlling und schließlich die Sensibilisierung der Mitarbeiter für den kostenbewussten Umgang mit Energie.

Die im Jahr 2009 von allen strategischen Geschäftseinheiten der Rewe Group in Deutschland durchgeführten Energieeffizienzmaßnahmen erbrachten laut Nachhaltigkeitsbericht Stromeinsparungen, die 125,25 Terajoule entsprechen. Wie Fischer berichtet, wurden auf Basis der Erfahrungen mit dem Green-Building-Konzept des Berliner Pilot-Marktes diverse neue Standards für Umbaumaßnahmen definiert und sie befinden sich im nationalen „Roll out“: So wurde in mehr als 400 Märkten das neue Beleuchtungskonzept umgesetzt, in mehr als 300 Märkten die neuen Kühlmöbelkonzepte (inkl. Türverglasung) und das auf dem Green Building basierende Technikkonzept wurde mehr als 30 mal umgesetzt.

Investition in den visuellen Raumkomfort

Für den multinationalen Handelskonzern endet die Nachhaltigkeit freilich nicht an den deutschen Grenzen. „Zum Beispiel haben unsere österreichischen Kollegen ebenfalls ihr erstes Green Building nach ÖGNI-Standard, das ist ein Ableger der DGNB, realisiert“, berichtet Fischer. Er sieht den Know-how-Transfer zwischen den Rewe-Ländern sichergestellt und die Umsetzung von Maßnahmen erfolge nach dem Best Practice Prinzip. Das Klima-Ziel des Rewe-Konzerns ist klar definiert: „30% weniger CO2-Emissionen bis 2015. Mit Stand 2010 haben wir rund 23,9% erreicht“, so Fischer.

Auf die Frage, ob sich die gesamten Kosteneinsparungen beziffern lassen, antwortet Fischer, dass das Green-Building-Konzept in der Gesamtheit der Maßnahmen wirtschaftlich sei. „Einzelne Maßnahmen wie beispielsweise die Regenwassernutzung sind es nicht. Auch kann die Tageslichtnutzung und die Verwendung des Baustoffes Holz als sichtbares Symbol für Nachhaltigkeit nicht wirtschaftlich begründet werden. Hier investieren wir in den visuellen Raumkomfort von dem in erster Linie unsere Mitarbeiter und Kunden profitieren. Zudem bringen wir damit eine höhere architektonische Qualität in die Stadtquartiere.“ Nicht alles, was nachhaltig für die Psyche der Menschen ist, lässt sich halt in harte Zahlen fassen. Für die Rewe-Vertriebslinien gab es von der Verbraucher Initiative e.V. eine Goldmedaille und die Auszeichnung als „Nachhaltiges Unternehmen 2011“.

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