200 Meter hoch, 1 Mrd. Euro teuer – Hamburg bekommt ersten Wolkenkratzer

200 Meter hoch, eine Milliarde Euro teuer, mit spektakulärer Architektur und in prominenter Lage. Hamburgs jüngster Stadtteil Hafencity bekommt nach der Elbphilharmonie einen weiteren Hingucker: den Elbtower, Hamburgs erstes Hochhaus. Die Verhandlungen mit den ausgewählten Bietern wurden soeben abgeschlossen: Signa Prime Selection hat mit einem Architekturentwurf von David Chipperfield den Wettbewerb für Hamburgs höchstes Gebäude gewonnen.

Hamburger Wolkenkratzer

Hamburger Wolkenkratzer

Der architektonische Solitär soll eine Art markanter Schlussstein für die Hafencity werden, an der seit über 20 Jahren gebaut wird. Deshalb sind besondere Qualitäten gefordert, eine herausragende Architektur, die internationalen Maßstäben gerecht wird. Der Elbtower solle einzigartig sein und auch das einzige Hochhaus in Hamburg bleiben, wie Bürgermeister Olaf Scholz betonte. Der Wolkenkratzer wird auf einem rund 12.000 qm großen Grundstück am östlichen Ende der Hafencity stehen, die als gefühltes Eingangstor zu Hamburg wahrgenommen werde, sagte der damalige Oberbaudirektor Jörn Walter bei der Vorstellung der Pläne. Nur hier könne Hamburg in die Höhe wachsen, ohne das historische Stadtbild und die traditionelle Stadtsilhouette der Kirchtürme zu beeinträchtigen.

Für die rund 150.000 qm BGF wünscht sich die Stadt Büronutzer, ein Hotel, eventuell auch Wohnen. Das Hochhaus soll auf einem dreieckigen Sockel mit vier bis fünf Geschossen stehen, der mit öffentlichen Nutzungen wie Ausstellungs-, Kultur- und Entertainmentflächen, Hotel, Büro, Gastronomie oder Einzelhandel trotz der Lage zwischen Hauptverkehrsstraßen einen urbanen Charakter entfalten soll. Wegen der extremen Lärmwerte am Standort plant Signa keine Wohnungen.

Die Stadt Hamburg wolle sich nicht daran beteiligen, weder als Bauherr noch als Mieter, betonte der Bürgermeister ausdrücklich. Kein öffentlicher Cent soll in das Projekt fließen. Die Überbetonung, dass hier ein rein privates Investment stattfindet, fußt auf den Erfahrungen mit dem Bau- und Planungschaos der steuerfinanzierten Elbphilharmonie – die Kosten stiegen von 77 auf knapp 800 Mio. Euro, die Bauzeit um sieben Jahre. Ein Desaster für die Politik.

Verschiedene Bieter sind im Rennen

Die Zeit für ein weiteres bedeutendes Projekt ist günstig, zumal Olympia gescheitert ist. Der grandiose Erfolg der Elbphilharmonie hat für Aufbruchstimmung in der Stadt gesorgt und Mut für ein neues Prestigeprojekt gemacht, das Hamburg international bekannter macht. Und zu einer europäischen Metropole gehört nach Meinung der Stadt ein Wolkenkratzer.

Die Stadt hatte mit mehreren Bietern verhandelt, die sich an der internationalen Ausschreibung für das Projekt beteiligt hatten. Zahlreiche Interessenten aus dem In- und Ausland hatten ihre Kaufpreisangebote nebst Finanzierungskonzept für das Grundstück abgegeben. Nach Ende der Ausschreibung am 15. September hatte die HafenCity GmbH eine Auswahl getroffen. HafenCity-Chef Jürgen Bruns-Berentelg hatte mehrfach betont, dass man bei einem Projekt dieser Dimension nur mit einem absolut erfahrenen und verlässlichen Partner zusammenarbeiten könne. Zuletzt noch im Rennen sollen die Gerch Group aus Düsseldorf gewesen sein, die in Hamburg den Zuschlag für die Entwicklung eines neuen Quartiers in Hamburg-Altona erhalten hat. Auch der Baukonzern Hochtief mit Sitz in Essen hatte ein Angebot abgegeben. Zuvor waren auch Ludger Inholte Projektentwicklung und Tishman Speyer als Bieter gehandelt worden.

Das letzte Wort hat die Bürgerschaft

In Kürze dürfte der Bauherr feststehen. Baubeginn könnte 2020/2021, in fünf bis sechs Jahren kann das Projekt fertig sein. Allerdings hat die Bürgerschaft, das Hamburger Parlament, das letzte Wort. Die Abgeordneten müssen im August oder September ihre Zustimmung zu dem Grundstücksvertrag geben.

Die Idee, an den Elbbrücken, außerhalb des Einflussbereichs der historischen Hamburger Stadtsilhouette, einen auffälligen Eingang zur Hamburger Innenstadt zu schaffen, geht bis in die ersten Anfänge der Hafencity zurück. Mehr als 20 Jahre ist es her, dass der Architekt Volkwin Marg mit seiner „Prinzipskizze“ erste Ideen für die Hafencity als Erweiterung der Hamburger Innenstadt an der Elbe entwarf: als östlichen Abschluss des neuen Stadtviertels, zwischen die beiden Elbbrücken, hatte Marg zwei Hochhäuser platziert. Wenige Jahre später, im Jahr 1999, schlugen im ersten städtebaulichen Wettbewerb für die Hafencity viele Entwürfe ebenfalls an diesem Standort Hochhäuser vor, und so wurde eine Hochhausbebauung in den Masterplan und in das städtebauliche Konzept aufgenommen. Diese Idee wurde später in den Planungen für die Olympischen Spiele immer wieder bestätigt.

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