2009 – gutes oder schlechtes Jahr?

23.Oktober 2009   
Kategorie: Der Immobilienbrief

Im Mai erschütterte eine Schreckensmeldung die Weinwelt: Hagelstürme über dem Bordelais! Der erste Orkan wütete im Süden in der Region Medóc, der zweite zog eine vernichtende Spur von Entre-Deux-Mers Richtung Saint-Emilion. Und jetzt die gute Nachricht: Ein fabelhafter August scheint das Schlimmste verhindert zu haben.

Ein ordentlicher Jahrgang: 2008

Unter Umständen gleicht der Bordeaux Weinjahrgang 2009 dem des vergangenen Jahres. Auch in 2008 hagelte es zunächst pessimistische Einschätzungen. Es sei ein regnerisches Frühjahr und obendrein ein eher kühler Sommer gewesen, mithin ein schwieriges Jahr für die Winzer, lauteten die Prognosen. Doch, Surprise, Surprise, die Weine gerieten am Ende doch besser als erwartet. Sogar in allen  Kategorien, wie die Jury des im Hamburger Jahreszeiten-Verlages erscheinenden Gourmetmagazins „Der Feinschmecker“ behauptet. Der für Bordeaux und Burgund zuständige Bernard Burtschy vergab an Médoc- und Pauillac-Weine drei Punkte für „gut“ (im Vorjahr 2007 nur zwei Punkte für „zufriedenstellend“). Drei Punkte auch für die Graves/Margaux- und St. Èmillion/ Pomerol-Weine 2008. Ein „sehr gut“ ernteten Sauternes und die trockenen Weißen der Region.

Wie bitte? 

 

PS: Geht es Ihnen auch so? Beim Lesen von Weinbewertungen à la „Cocktailkirsche, Trüffel, getrockneter Apfel, Bohnerwachs, Brombeere, Butterplätzchen, Quittengelee, gelbe Frucht, Dosenananas, Sekundenkleber“ legt sich regelmäßig ein trüber Schleier über Ihren ansonsten tadellosen Verstand, so als hätten Sie Bananenschalen geraucht? Der Ehrgeiz vieler Weinkritiker scheint zu sein, jedes Pheromon, welches ein Wein in ihrer Nase explodieren lässt, in Worte zu gießen. Häufig sind die dadurch entstehenden Wortketten vor allem eines: verwirrend. Man mag von Robert Parker halten was man will, zu seiner Ehrenrettung sei gesagt, dass er möglicherweise mit seinem 100-Punktesystem diesem alles nivellierenden Bramabasieren den Garaus machen wollte. Gelungen ist es ihm aber nicht.

 

Vergessen Sie Robert Parker oder wie sie alle heißen. Der wahre Guru in Sachen Bordeaux heißt Bill Blatch. Der Gründer und frühere Besitzer des Weinhandelshauses Vintex gilt als bodenständiger Mittler zwischen Winzer und Käufer, inklusive aller interagierenden Personen wie Sommeliers, Händler, Journalisten oder Spekulanten. Mit großer Spannung wird jedes Jahr der Bericht erwartet, den er seit 1988 mit liebevoller Akribie verfasst und der weltweiten Bordeaux-Community zu Füssen legt. Eine Hauptrolle spielt darin das Wetter. Gab es noch im Frühjahr Anlass zur Sorge, Stichwort: Hagelsturm, sorgte ein phantastischer August dafür, dass sowohl für die Roten, als auch für die stets etwas unterrepräsentierten Weißweine des Bordelais vorsichtige Entwarnung gegeben werden kann. Genaueres weiß man allerdings erst, wenn Bill Blatch pünktlich zum Auftakt der Primeur-Kampagnen seinen Annual-Report vorlegt.

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