Contracting-Konzept senkt Wärmekosten – Ein Beispiel aus der Praxis

Dr. Markus Mönig

Wärmekosten, die teilweise die Grundmiete überstiegen, führten in der Zechensiedlung Ahlen Eckelshof zu massiven Protesten und Abwanderungstendenzen der Bewohner. Die Lösung? Ein maßgefertigtes Contracting-Konzept. Das Beispiel ist es wert, sich näher damit zu befassen.

Etwa um das Jahr 1920 entstand in Ahlen Neustadt die heute denkmalgeschützte Bergarbeitersiedlung Eckelshof. Mieter waren die in der nahegelegenen Zeche Westfalen tätigen Bergleute mit ihren Familien. Insgesamt umfasst die Siedlung rund 1.000 Wohnungen. Beheizt wurden die Häuser anfangs mit Einzelfeuerstätten. Mitte der achtziger Jahre erfolgte im südlichen Teil der Zechensiedlung die Umstellung auf ein zentrales Wärmeversorgungsnetz, das mit preiswerter Wärme aus dem Heizkraftwerk der Zeche gespeist wurde.

Seit 2007 gehört die Siedlung zur Evonik Wohnen GmbH, die in NRW insgesamt rund 60.000 Wohnungen bewirtschaftet. Die Häuser in der Zechensiedlung sind zurzeit noch öffentlich gefördert. Die Grundmiete ist auf die ursprüngliche Planung mit Einzelfeuerungsanlagen ausgerichtet und enthält demnach keine Investitionsumlagen für die Heizungstechnik. Bei dem Mitte der achtziger Jahre realisierten Nahwärmekonzept profitierten die Mieter von der sehr günstigen Wärmeerzeugung der Zeche Westfalen. Die Heizkosten beschränkten sich so auf die Umlage für die Wärmeverteilung. In Kombination mit dem preiswerten Wohnraum war die Siedlung früher daher überaus attraktiv.

Dies änderte sich dann mit den ab dem Jahr 2007 rasch steigenden Heizkosten, da die Abwärme aus den Grubengas-BHKWs nicht mehr zur Verfügung stand. Neben der Energiepreissteigerung wurde auch immer wieder der hohe Grundpreis bemängelt. Es gab Familien, die monatlich bis zu 2,50 Euro/qm an Heizkosten-Vorauszahlung leisten mussten. Bei einer Wohnfläche von 75 bis 85 qm waren 200,- Euro pro Monat durchaus üblich. Die Heizkosten waren inakzeptabel.

Federführend bei der Suche nach einem alternativen Energiekonzept war die RWE Energiedienstleistungen GmbH. Die Herausforderung lag dabei darin, dass die Investition in die primärenergetisch effiziente Sanierung den Grundpreis nicht weiter erhöhen durfte. Zudem ließen sich viele Optionen aufgrund der Gegebenheiten vor Ort nicht umsetzen. So war für eine Umstellung auf dezentrale Wärmeversorgung schlicht kein Platz in den Häusern vorhanden. Überdies hatte die Siedlung keine Anbindung an das Gasnetz. Aussichtsreich schien zunächst ein Vorhaben, das den Bau eines Biomasse-Heizkraftwerks auf dem Gelände der Zeche vorsah. Dem entgegen standen jedoch die Rekultivierung der Industriebrache und deren Ausweisung als Bauland. Dadurch hätte die Anbindungsleitung an die bestehende Heizzentrale um das ehemalige Zechengelände herum geführt werden müssen. Aufgrund dieser hohen  Investitionskosten wäre eine wirtschaftliche Wärmeversorgung der Siedlung nicht möglich gewesen.

Auch eine reine Umstellung der Nahwärmezentrale auf Erdgas hätte die laufenden Kosten nur kurzfristig entlastet. Wegen der zum Heizölpreis zeitlich versetzen Anpassung des Gaspreises hätten sich keine grundlegenden Vorteile ergeben.

Nachdem im April 2009 ein erstes Gespräch mit Evonik Wohnen in Dortmund geführt wurde, konnte RWE ED Anfang September ein vollständig kalkuliertes Konzept mit reduzierten Grund- und Arbeitspreisen präsentieren. Im Zentrum stand hierbei ein neu zu errichtendes BHKW, das Biomethan – ein Biogas, das an zentraler Stelle eingespeist und an anderer Stelle wieder entnommen werden kann – als Primärenergieträger nutzt. Der Vorteil: Während Abwärme des Motors für die Beheizung der Siedlung zur Verfügung steht, wird der gleichzeitig erzeugte „grüne“ Strom in das Netz des örtlichen Energieversorgers eingespeist.  Ein Teil der Investition konnte so durch Einnahmen aus Stromerlösen refinanziert werden.

Die Umsetzung erfolgte anschließend in enger Zusammenarbeit mit der 2G Energietechnik GmbH aus Heek. Das Unternehmen gehört zu den führenden Anbietern von BHKW-Technik in Deutschland und unterstützte RWE ED bei der Auslegung und der Installation des Biomethangas-BHKWs. Das BHKW wurde aus Platzgründen in einem Container direkt neben der Heizzentrale installiert. Es verfügt über eine thermische Leistung von 320 kW und liefert rund 35% der, in der Zechensiedlung benötigten Wärmemenge. Gleichzeitig erzeugt es jährlich etwa 1,4 Mio. Kilowattstunden Strom.

Trotz einer vergleichweise erheblichen Investition von 400.000 Euro konnte der jährliche Grundpreis für die Mieter um rund 70.000 Euro reduziert werden. Zusätzlich verringert sich durch die günstigere BHKW-Wärme der Arbeitspreis. Gegenüber dem Altvertrag summiert sich die Gesamtersparnis der Mieter auf jährlich etwas mehr als 100.000 Euro. Damit konnten die Heizkosten alles in allem um 23% verringert werden. Folglich erhielt ein Großteil der Mieter schon im ersten Abrechnungszeitraum ein Guthaben aus den Abschlagszahlungen.

Ein Teil der Investition refinanziert sich durch den Stromverkauf nach Erneuerbarem Energien Gesetz (EEG), welches die Erzeugung von regenerativen Strom fördert. Das Finanzierungsmodell sieht hier so aus: RWE ED vereinbart mit dem Biogaslieferanten  ein Kontingent Bio-Erdgas. Durch den Einsatz von Biomethan reduziert sich in der Zechensiedlung der CO2-Ausstoß bei der Wärmeerzeugung um 1.050 Tonnen pro Jahr. Aus diesem Grund wird der vom BHKW erzeugte Strom auch im Rahmen des EEG 20 Jahre lang mit einem Bonus gefördert. Die Vergütung für die Stromeinspeisung liegt dabei etwa doppelt so hoch wie für ein BHKW, das mit konventionellem Erdgas betrieben wird. In der Zechensiedlung Eckelshof profitieren die Mieter zusätzlich von einer festgelegten jährlichen Preissteigerung von nur 2% für das Biomethan.

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