Der Immobilienbrief Nr 341 – Editorial von Werner Rohmert

Sehr geehrte Damen und Herren,

man lernt immer wieder dazu – wenigstens ich. Da hilft auch die Erfahrung aus ca.1.500 Immobilienausgaben nicht. Manchmal verschieben sich die Grenzen normalverteilten, rational unterlegten Verhaltens über bisher vermutete Bandbreiten hinaus. Sie merken, es geht um Statistik und menschliche Eigenschaften. Mich erreichte gestern eine Mail von CBRE-Director Michael Schlatterer, über die lt. Verteiler die CBRE-GF informiert ist. Ich glaube, ich ärgere mich diesmal. Die von mir als Droh-Mail verstandene Notiz war an unsere Chefredakteurin des Berlinbriefes gerichtet. Urteilen Sie selber.

O-Ton CBRE-Schlatterer: „Sehr geehrte Frau …, Ich würde Sie gerne mit Verlaub und in Ihrem eigenen Interesse darauf hinweisen, dass Sie analog zu unserer Arbeitsweise zukünftig bitte Zahlenangaben sauber mit Quellenangabe versehen und wirklich nur dann Zahlen vergleichen, wenn diese auch vergleichbar sind. … . In Ihrem Immobilienbrief ist uns in letzter Zeit leider des Öfteren aufgefallen, dass sie in Artikeln negativ-tendenziös über unser Haus und unsere Arbeit berichten, u.a. zu unserem in Zusammenarbeit mit …  veröffentlichten … index. Wir hoffen, dass dies keine Absicht ist.“

Lieber Herr Schlatterer, zunächst einmal vielen Dank für Ihre journalistischen Arbeitsanweisungen. Ich werde diese selbstverständlich mit der Bitte um Berücksichtigung an unsere Verbandsmitglieder weiterleiten. Da ich grundsätzlich Beiträge meiner Redakteure mit mehr als 20 Jahre Branchenerfahrung vor Veröffentlichung nicht lese, musste ich mich gestern schlau machen – und war nach Ihrem Schreiben peinlich überrascht: Sie beschweren sich über einen zweiseitigen, hoch PN-identischen „Werbeblock“ (Nr. 340) zu einer CBRE-Studie. Dieser „Werbeblock“ erschien auch noch in meinem Medium, dessen Verlagsmehrheitsgesellschafter und Vorstand ich bin. Er wurde an meinen unendliche, jahrzehntelange Arbeit und Kosten erfordernden deutlich 5-stelligen Fach-Leserkreis auf meine Kosten mit meinem Zeitbudget verteilt. Und ich habe diesen Beitrag auch noch honoriert. In diesem Werbeblock war ein einziger, auch noch kursiver kritischer Satz, dass Berlin eben nicht die genannte höchste Arbeitslosenquote habe. Zum 2. Statement „negativ-tendenziöser“ Berichterstattung kann ich mich erinnern. Ich hatte da meinem Ärger über die Presseauswälzung einer wahrscheinlich guten Studie mit meiner Meinung nach unendlich geschwollenem Statement-Namedropping am Rande Luft gemacht .

Sehr geehrter Herr Schreppel, sehr geehrte CBRE-GF, CBRE legte auf der Pressekonferenz eine mehrseitige Pressenotiz ohne die Studie vor. Diese PN fasst eine Studie zusammen, die sich ausschließlich auf eine Analyse von ANGEBOTSDATEN beschränkt. Die PN erläutert trotz Öffentlichkeitsrelevanz NICHT deren Herkunft und Qualität. Methodisch erfolgt KEIN Abgleich mit faktischen Mieten oder Preisen. Es gibt KEINEN Bezug auf aussagefähige lange Zeitreihen. Sie verweisen hier NICHT darauf, dass gerade heute mit knappem Angebot und Mietpreisbremse viele Vermieter versuchen, die Grenzen des Marktes auszuloten. Sie machen eine FALSCHE Aussage zur Arbeitslosigkeit, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung NICHT mehr stimmte. Ihr Haus bestätigt dies im sachbezogenen Vorab-Mailverkehr selber. Ihre Entschuldigung ist im Januar 2015 die Verwendung von Zahlen aus dem Jahr 2013 (!!!). Sie machen KEINE Angaben über die Art Ihrer statistischen Quellen, die zu vergleichen gewesen wären. Ihre Auswertungen sind rein ex post deskriptiv, ohne gemäß statistischen Vorgehensweisen mit Thesen und deren Tests nicht falsifizierbare Aussagen wenigstens abzuleiten.

Das ist nach meiner persönlichen Meinung und wissenschaftlichen Historie peinlich. Ich verstehe natürlich Ihre Presseorientierung und die Schwierigkeiten von zusammenfassenden Pressenotizen. Ich verstehe Ihre Datenbeschaffungsprobleme und Zeitabläufe. Ich habe auch über Ihr Haus hinaus den Eindruck, als würde wohnungswirtschaftliches Research noch anders ticken, als wir es gewohnt sind. Aber überlegen Sie doch bitte, welchen Eindruck für die Beurteilung Ihrer Arbeit insgesamt die aktuelle Vorgehensweise macht. Journalisten 2015 mit 2013er Zahlen zu belatschern, ist noch eine Petitesse. Sie ziehen zudem auch noch eine renommierte Bank als Auftraggeber in Ihre Aussagen aus der Studie hinein, die allein aufgrund systematischer Besonderheiten der gewählten Stichprobe hoch erklärungsbedürftig ist und die aufgrund hoher Glaubwürdigkeit der Bank geeignet ist, mit unzureichend unterlegten Ergebnissen gefährlichen politischen Einfluss zu nehmen.

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