Drei Fragen zum Hamburger Markt für Logistikflächen

Fred-Markus Bohne, Bereichsleiter Business Development bei der Garbe Logistic AG, einer der führenden Logistikimmobilien-Entwickler in Deutschland.

Wie bewerten Sie die aktuelle Situation für Logistikflächen in Hamburg?

Im Logistikimmobilienmarkt ist aktuell eine Konzentration auf die Top-Standorte in Deutschland festzustellen. Hier zählt Hamburg mit dem Hafen, dem wirtschaftlichen Potenzial der Metropolregion und nicht zuletzt als Standort für den Warenaustausch mit Osteuropa zu den führenden Logistikadressen. In den vergangenen Monaten haben sich auch die Leerstandsflächen im Zuge der konjunkturellen Belebung wieder deutlich verringert. Bei den Hallen, die jetzt noch keine Mieter finden, liegt dagegen häufig ein strukturelles Problem vor. Konkret: Diese Logistikimmobilien sind oft nicht mehr zeitgemäß, sie sind entweder zu klein, haben zu geringe Deckenhöhen oder keine gute Verkehrsanbindung.

Wie bewerten Sie die vorhandenen Flächen und wo sehen sie Potenziale?

Bei den für die Logistik vorgesehenen Flächen in Hamburg wird es auf Sicht eng werden. Optimale Erweiterungen sind absehbar nur noch begrenzt möglich. Es sollte daher auch überlegt werden, ob bestehende ältere Logistikstandorte nicht neu strukturiert werden können. So gibt es beispielsweise im Gewerbegebiet Billbrook im Hamburger Osten über viele Jahrzehnte gewachsene Logistikstrukturen, die heute nicht mehr unbedingt State-of-the-art sind. Unter gesamtwirtschaftlichen, aber auch ökologischen Aspekten würde eine Konsolidierung und Neustrukturierung durchaus Sinn ergeben. Denn warum sollten statt der grünen Wiese nicht zunächst Konversionsflächen genutzt werden?

Was wünschen Sie sich hinsichtlich der Flächenentwicklung von der Politik in Hamburg?

Zunächst einmal ein gut funktionierendes Ansiedlungsmanagement, Ansätze hierzu befinden sich in der Umsetzung, bislang jedoch sind hier Konkurrenten wie Rotterdam noch ein Stück im Voraus. Darüber hinaus sind die Mietrechte im Hamburger Hafen ein Dauerthema: Flächen werden hier weder verkauft noch in Erbpacht, sondern ausschließlich als Mietgrundstücke vergeben. Das schreckt 80% aller Investoren ab, da sie nicht in solche ausschließlich schuldrechtlichen Nutzungsrechte investieren dürfen. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Cargo City Süd am Frankfurter Flughafen, wo Ansiedlungserfolge mit investorenfähig ausgestalteten Erbaurechtsverträgen erzielt werden, trotz vergleichbarer Interessenlage. Dazu kommt, dass es über die zukünftige Miethöhen für die Flächen im Hamburger Hafen bislang keine verlässlichen Aussagen gibt und damit für Investoren derzeit die Planungssicherheit fehlt.

 

 

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