Editorial „Der Immobilienbrief“ Nr. 194

„2010 wird Jahr der ungeheuren Herausforderungen“ für die Branche. Damit schloss IVG-Chef Gerhard Niesslein, der die IVG für 18 Monate aus Finanzierungs- und Mietvertragssicht in trockenen Tüchern hat, den allgemeinen Teil seines Vortrages auf der Tagung des immpresseclub, der Arbeitsgemeinschaft deutscher Immobilien- und Fondsjournalisten in Hamburg. Damit war der gut gemeinte Versuch des Vorsitzenden, also von mir, ein gutes Stimmungs- und Perspektivenbild zu zeichnen, zunächst an die Wand gefahren (vgl. Seite 2). Mein Wunschdenken, trotz grausamen Zahlenwerks folge auf einen steilen Abschwung auch ein steiler Aufschwung und die Voraussetzungen für einen Asset-Boom seien noch besser als 2003, da jetzt auch die Bevölkerung mitmache, mussten sich der Ratio beugen. Bedenken Sie auch das trockene Statement des Commerzbank Chefvolkswirts Jörg Krämer auf der Aengevelt-Tagung (Seite 9) letzte Woche vor 200 Gästen: „Aufschwung ist nicht, wenn es gut geht; Aufschwung ist, wenn der Schmerz nachlässt.“
In der Szene kursieren gleichlautende Gerüchte, dass ein bekannter Reeder einen anständigen dreistelligen Millionenbetrag zur Lösung seiner Schiffspipeline-Probleme auf den Tisch gelegt habe. Ein dazu befragter Marktteilnehmer meinte dazu spontan, das glaube er nicht; denn dann hätten die Bestellungen ja bei etwa dem Zehnfachen gelegen. Das gibt vielleicht eine Rechenhilfe bei der Beurteilung der Initiatoren-Schiffspipelines in Milliardenhöhe. Wenn man als alte Reeder-Familie schon kurz nach Christi Geburt den ersten Euro verzinslich beiseite gelegt hat, unterliegen auch dreistellige Millionenbeträge einem rationalen Kalkül. Es soll aber Unternehmen geben, die die nicht auf dem Konto haben. Bei den heute in der Fondsszene dominierenden Multispezialisten – trotz fließender Grenzen nicht zu verwechseln mit Universaldilettanten – können so Querrisiken leicht die Immobilienfonds betreffen. Apropos Reeder: Glückwunsch zum „175sten“ Geburtstag an die Rickmers-Gruppe!
Zuletzt hörten wir den Vorwurf, die These, Immobilien AG und Reit seien die dämlichsten Rechtsformen zum Halten von Immobilienbeständen, oft zu wiederholen. Auf der einen Seite bewahrheitet sich jetzt diese Feststellung; denn es handelt sich eben nicht um eine These, sondern um eine aus Nachdenken und Erfahrung gezogene Conclusio. Jetzt fallen die ersten Steine. Wichtiger ist aber, dass ich Kritik an meiner These inzwischen Recht geben muss. Andere Rechtsformen holen Dank IFRS, nachträglicher Eigenkapitalunterlegung durch Basel II und Covenant-Regeln der Banken mit Riesenschritten ins Ungeschick auf.
Der Vorteil der Immobilie, durch langfristige Mietverträge und stabilem Cash Flow eine Konjunktur- und Bewertungsschwäche aussitzen zu können, schwindet. Jetzt sollen nach AFIM auch Geschlossene Fonds einer jährlichen Bewertung unterzogen werden. Was soll bei 20% Weich- und Nebenkosten dabei Positives herauskommen? Inzwischen besteht die Gefahr, dass sich herumspricht, dass Halten und Finanzieren von Immobilienbeständen generell unintelligent sein könnte.

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