Gewa Tower soll noch dieses Jahr verkauft werden

 

Herbe Verluste für Anleihegläubiger drohen

 

6,5% Zinsen sollte die Anleihe des Gewa Towers den Anlegern bringen. Wir berichteten damals über die Emission. 2014 aufgelegt mit einer Laufzeit von 4 Jahren steuerten Anleger bis zu 35 Mio. Euro zum Bau des 107 Meter hohen Wohnturms bei. Doch offenbar hat man sich bei den Baukosten verkalkuliert. Experten schätzen, dass der Bau nun mindestens 63 Mio. Euro kosten wird.

 

Nun hat sich der Insolvenzverwalter zu Wort gemeldet. Ein wichtiges, unabhängiges Gutachten lege nun vor, so Insolvenzverwalter Ilkin Bananyarli von der Pluta Rechtsanwalts GmbH. Es seien keine Mängel vorhanden, die einen wesentlichen Rückbau oder eine wesentliche Reparatur erforderlich machen. Erst im August hatten die Stuttgarter Nachrichten berichtet, dass den Anleihegläubigern nahegelegt wurde, die oberen Stockwerke, die noch im Rohbau sind, vor Witterungsschäden zu schützen. Nun steht fest, dass der Turm den vergangenen Winter gut überstanden hat. Das dürfte vor allem Kaufinteressenten beruhigen. Bananyarli ist optimistisch, dass der Tower noch in diesem Jahr verkauft werden kann.

 

Bisher wurden rund 32 Mio. Euro in den Bau investiert. Laut Stuttgarter Nachrichten soll der Verkaufswert mindestens achtstellig sein. Die Rede ist von 15 Mio. Euro. Der Vertreter der Anleihegläubiger Gustav Meyer zu Schwabedissen von mzs Rechtsanwälte geht jedenfalls positiv in die Verkaufsverhandlungen. Alle Beteiligten würden an einem Strang ziehen, so zu Schwabedissen.

 

Der Gewa Tower umfasst neben Wohnungen auch ein Hotel in den unteren Stockwerken. Der Vertrieb der Wohnungen laufe derzeit noch auf vollen Touren. Die Mittelstandsanleihe hat mittlerweile um 73,5% nachgegeben. Wann und wieviel Geld die Anleiheinvestoren zurückbekommen ist ungewiss. Auch ob der Rückzahlungstermin im nächsten Jahr haltbar ist, ist fraglich. Herbe Verluste drohen. Im November 2016 hatte das Unternehmen Insolvenz angemeldet.

 

Fazit: Mittelstandsanleihe und Immobilienprojektentwicklungen – eine Kombination, die angesichts vieler Pleiten des Vehikels in den letzten Jahren, als nicht besonders sinnvoll zu erachten ist. Gerade Privatanleger ließen sich immer wieder mit vergleichsweise hohen Renditen ködern. Dabei ist gerade die Immobilienprojektentwicklung das risikoreichste Geschäft der Branche und deren Risiken nur von absoluten Profis halbwegs beherrschbar. Zudem stellt sich die Frage, wenn eine normale Finanzierung über ein klassisches Bankendarlehen schon nicht realisiert werden kann, ob dann Privatanleger ihr Erspartes investieren sollten. Die Pleiten vieler Anleihen gerade im letzten Jahr machen deutlich, dass Mittelstandsanleihen eigentlich nur etwas für Zocker oder professionelle Investoren sind, die „Spielgeld“ in die Hand nehmen können. (AE)

 

 

 

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