„Im Osten auf Wanderschaft“

29.Januar 2016   
Kategorie: Der Immobilienbrief

 

Wie Umzüge die demografische Landkarte zwischen Rügen und Erzgebirge verändern

 

Die jahrzehntelange Abwanderung aus den neuen Bundesländern hat ein Ende gefunden. Seit 2012 können die fünf Flächenländer im Osten mehr Menschen aus dem Westen oder dem Ausland anziehen, als sie umgekehrt verlieren. Das konstatiert eine neue Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Der Wermutstropfen: Von dieser Trendwende profitiert allerdings nur eine Minderheit der Gemeinden. Lediglich 15% von ihnen verzeichneten zwischen 2008 und 2013 mehr Zu- als Fortzüge – 85% der ostdeutschen Gemeinden erlebten weiterhin eine Nettoabwanderung. Das Gefälle zwischen den Wachstums- und Schrumpfregionen wird damit immer größer.

 

Insbesondere die ostdeutschen „Leuchttürme“ Leipzig, Dresden, Jena, Erfurt und Potsdam sind zu neuen Magneten geworden, vor allem für junge Menschen. Weil sich in den Städten der Arbeitsmarkt verbessert hat, verbleiben viele von ihnen dort auch nach der Ausbildung. Selbst eine Familiengründung treibt die jungen Menschen nicht mehr unbedingt in die Randgebiete der Ballungsräume. Damit verfügen die ostdeutschen Flächenländer endlich wieder über national und international wettbewerbsfähige Städte. „Gerade die neuen Bundesländer brauchen diese Zentren, die sich wirtschaftlich wie demografisch dynamisch entwickeln“, so Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts. Sie können als wichtige Wachstumsmotoren bei ansonsten rückläufigen Einwohnerzahlen wirken und sollten weiter gestärkt werden.“

 

Die große Zahl an Flüchtlingen, die derzeit – und voraussichtlich auch weiterhin – nach Deutschland kommt, wird über das gesamte Land verteilt. Auch in kleineren Orten oder entlegenen Regionen sind so Menschen aus Syrien, Irak oder Afghanistan angelangt. „Für die ländlichen Gemeinden eröffnet sich damit die Chance, neue Bewohner zu gewinnen“, sagt Klingholz. „Wo sich Flüchtlinge dauerhaft niederlassen, könnten Schulen vor der Schließung bewahrt werden, neue Geschäfte oder kleine Unternehmen entstehen und Leerstand würde zu Wohnraum.“ Zwar verfügen ländliche Kommunen, anders als die Städte, kaum über Migrantennetzwerke, die Neuankömmlinge anziehen. Sie bieten jedoch andere Vorteile: Wo die Gemeinschaft in Vereinen oder über die Freiwillige Feuerwehrorganisiert ist, wo man sich gegenseitig kennt und unterstützt, ist eine Integration prinzipiell leichtermöglich als im anonymen städtischen Umfeld. (KK)

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