immpresseclub –Journalisten-Verbandstagung in Frankfurt

 

 

Die Queen war zufällig auch in Frankfurt und fuhr zum Tagungszeitpunkt am Hotel vorbei (Foto: AE)

Die Queen war zufällig auch in Frankfurt und fuhr zum Tagungszeitpunkt am Hotel vorbei (Foto: AE)

 

 

Lässt Zyklus-Dauer Schlüsse auf eine Wende zu?

 

 

 

Die Sommertagung des Verbandes Deutscher Immobilienjournalisten, immpresseclub e. V., fand vergangene Woche in Frankfurt statt. „Der Immobilienbrief“, mit Verbands-Vorsitzendem Werner Rohmert organisierte die Veranstaltung. Am 3. Dezember trifft sich die Journalistenszene wieder wie jedes Jahr in Berlin. Rund 30 Immobilien-Journalisten, die nahezu alle immobilienwirtschaftlichen Medien repräsentieren, trafen sich in Frankfurt mit Referenten und einigen Gästen/Sponsoren. Traditionell folgt die Veranstaltung keinem durchgehenden roten Themenfahrten, sondern deckt eine breite Bandbreite aktueller Themen ab.

 

 

 

In der Begrüßung verwies der immpresseclub-Vorsitzende mit Blick auf das anscheinend ungestört positive Umfeld der Immobilienwirtschaft auf einen Chart, den er am selben Morgen gefunden hatte. Üblicherweise blickt die Immobilienwirtschaft in zyklischer Betrachtungsweise auf den langfristigen Index-Chart von Bulwiengesa. Ein Kollege hat diesmal die Produktion im Bauhauptgewerbe von 1951-2015 zusammengestellt. Das ermöglichte den Abgleich volkswirtschaftlicher Daten der Gesamtrechnung mit den immobilienwirtschaftlichen Indexdaten. Wie Hartmut Bulwien, der auch den Einleitungsvortrag hielt, feststellte, entsprechen die zyklischen Wendepunkte im Prinzip auch dem Bulwiengesa-Index.

 

 

 

Der Blick auf die Zeit von 1951 bis Ende 1973 macht einen steilen Anstieg der Produktion im Bauhauptgewerbe deutlich. Dies korrespondiert mit der erlebten Preisentwicklung des Autors, die allerdings im Bulwiengesa-Index noch nicht erfasst ist. Bedenken Sie aber bitte, dass der Bulwiengesa-Index, der gleichzeitig nochmal einen tendenziellen Anstieg bis 93/94 aufzeigt, eben annähernd im Höhepunkt einer fünfundzwanzigjährigen Entwicklung der Nachkriegsphase startet. Zwischen September 1973 und Dezember 1985 machten sich bei der Bauproduktion erstmalig die Grenzen des Wachstums und demographische Vorboten bemerkbar. Dem unteren Wendepunkt folgte zunächst eine deutliche Wachstumsphase der gewerblichen Immobilieninvestitionen und Gewerbepreise. Während Tertiärisierung und Wandlung der Büro- und Handelsimmobilienmärkte zunächst Wachstumsimpulse gaben, mündete die Entwicklung in die Vereinigungseuphorie. Während das Preisniveau 93/94 den vorläufigen Gipfel für mehr als eine Dekade erreichte, liefen die Bauinvestitionen durch die früheren Entscheidungen noch bis 1995 nach. Der untere Wendepunkt des Preisniveaus ergab sich im Boom 2005/2006, dem nicht nur eine Preiserholung, sondern auch eine deutliche Erholung der Produktion im Bauhauptgewerbe folgte.

 

 

 

Nun macht allerdings aktuell der Blick auf die Zyklen deutlich, dass der positive Zyklus, der jetzt seit der Jahreswende 2005 2006 nahezu ungestört und gepusht durch die Finanzkrise anhält, inzwischen die Länge der anderen Zyklen erreicht hat. Parallel dazu erfahren wir aus Stimmungsindizes (s.u.) und auch mit Blick auf die Märkte, dass in vielen Bereichen ein Höhepunkt erreicht zu sein scheint. Da die Immobilienwirtschaft noch niemals einen Zyklus mit dem Halten eines hohen Niveaus fortgesetzt hat, sondern immer in einen deutlichen Absturz wechselte, könnte rein charttechnisch langsam der Zeitpunkt für ein neues Nachdenken gekommen sein. Allerdings machten sowohl Hartmut Bulwien als auch Werner Rohmert deutlich, dass durch die Finanzkrise ein Paradigmenwechsel stattgefunden habe, der die klassische zyklische Betrachtungsweise aushebeln könnte. Insofern gehen beide aktuell nicht von einem schnellen Wendepunkt aus. Allerdings gibt Rohmert zu, dass ihn seine Stimmung an das Frühjahr 2008 erinnert, als die Welt von einem Softlanding ausging.

 

 

 

In seinem Einleitungsvortrag stellte Hartmut Bulwien Indizes, Ranking und Scoring in Methoden und Aussagekraft gegenüber. In dem Zusammenhang erläuterte Matthias Engelmayer, Senior Analyst bei Independent Research GmbH, Kapitalmarkttransaktionen von deutschen Immobiliengesellschaften im gegenwärtigen Zinsumfeld. Wir werden das Thema auf unserer „Der Immobilienbrief“-Anleihetagung am kommenden Dienstag in Frankfurt noch einmal intensiv recherchieren.

 

 

 

Diese Woche Mittwoch hat Notenstein Asset Management AG die Geschäftstätigkeit als Asset Manager für die gesamte Schweizer Raiffeisen Gruppe übernommen. Die eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA hatte die notwendige Bewilligung erteilt. Die neue Unternehmensgruppe wird sich auf das Geschäft mit institutionellen Anlegern in der Schweiz, Deutschland und Österreich konzentrieren. Durch das geldmarktpolitische Umfeld besteht für Schweizer institutionelle Anleger derzeit die absolute Notwendigkeit, trotz der Risiken der Schweizer Franken Entwicklung international in Immobilien zu diversifizieren, erläuterte in seinem Vortrag Aris Prepoudis, CEO der Notenstein Asset Management AG. Im Vordergrund der Immobilieninvestitionen stehen nachhaltige Immobilien, in denen das Team von Notenstein über langjährige Erfahrungen verfügt.

 

 

 

Für Barbara A. Knoflach lässt sich mit Immobilien gerade im aktuellen Zinsumfeld immer noch gutes Geld verdienen. Die Zeiten des Aussitzens seien allerdings vorbei. Ertragreiches Immobiliengeschäft bedarf eines professionellen und auch regional präsenten Asset Managements und größerer Portfolien mit internem Risikoausgleich. Wir machen Ihnen noch eine Zusammenfassung des Vortrags von Barbara Knoflach.

 

 

 

Professor Dr. habil. Karl-Georg Loritz, Ordinarius an der Universität Bayreuth, analysierte die Neuregelungen der Immobilien-Investmentfonds durch das KAGB aus Sicht der Anleger. Zentrale Frage war, ob die neue Regulierung den Anleger in und vor Krisenzeiten schützt. Was man von einem Juristen eher nicht erwartet, war die Sichtweise von Loritz als erfahrener Immobilien-Profi. Auf anfängliche Fehlreaktionen des zuständigen Referats des BMF mit der Planung eines Verbotes für neue offene Immobilienfans und der Planung eines Verbotes für Ein-Assets-Fonds folgte in der realitätsnäheren Lernphase die Gestaltung des KAGB. Es sei aber von Anfang an und bis heute immer noch unklar gewesen, wie der genaue Anwendungsbereich des Gesetzes sei. Im Endeffekt werde es möglich sein, trotz des neuen Kleinanlegerschutzgesetzes Unternehmen außerhalb des KAGB tätig werden zu lassen. Anlageprodukte könnten auch im Regulierungsumfeld nach wie vor scheitern oder die gewünschten Erfolge nicht erreichen. Vor Produktfehlern, Managementfehlern und externen Ursachen wie Marktentwicklungen, Steueränderungen, Finanzkrisen oder Börsencrashs kann keine Regulierung schützen. Aus Sicht des „Der Immobilienbrief“ zeigen gerade auch aktuelle Entwicklungen deutlich (s.o.), dass auch renommierte Initiatoren die Kreditverträge, die sie für die Fondsanleger unterschreiben, anscheinend nicht lesen, nicht verstehen oder in Alternativlosigkeit blind akzeptieren.

 

 

 

Mit der Verbandsvorstellung durch Jens Tolckmitt, Hauptgeschäftsführer Verband Deutscher Pfandbriefbanken und den Neuigkeiten aus den Häusern der Fördermitglieder, in denen Michael Denk die Doric-Gruppe als neuen Sponsor vorstellte, leitete die Veranstaltung in den geselligen Teil im Schwarzen Stern am Römer über. Hier konnten wir wieder in die Fußstapfen der Queen treten, die die Mitglieder des immpresseclub in der Mittagspause im Vorbeifahren in personam besichtigen durften. In den frühen Morgenstunden waren die Themen mit den persönlich geladenen Gästen des Vorstandes und den Referenten ausdiskutiert.

 

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