Jones Lang LaSalle verdaut King Sturge – Traditionshaus verschwindet nach 250 Jahren vom Markt

 

Noch letztes Jahr feierte sich das 1760 gegründete Traditionshaus King Sturge in Deutschland mit einem Charity Event. Jetzt machen die Gesellschafter Kasse.

Der Übernahmezug vor Jones Lang LaSalle scheint unaufhaltbar. JLL „fusioniert“ im Sprachgebrauch der Pressenotiz mit dem internationalen Immobilienberater King Sturge. King Sturge, das in Deutschland von Sascha Hettrich geführt wird, verschwindet von der Landkarte. Die Partner von King Sturge erhalten dafür sofort 111,4 Mio. Euro in bar und weitere 112,5 Mio. Euro in bar innerhalb von 5 Jahren. Das dürfte den Schmerz darüber lindern, dass alle 43 Geschäftsstellen von KS in Europa als Teil von JLL künftig unter der Marke Jones Lang LaSalle tätig sein werden.

JLL wird nach Übernahme von King Sturge in 70 EMEA-Märkten in 30 Ländern ca. 5 300 Mitarbeiter, davon allein in Großbritannien ca. 2 700 Mitarbeiter beschäftigen. Damit ist JLL in Großbritannien und auch in Kontinentaleuropa eindeutig Branchenführer. Die auf 5 Jahre gestaffelte Kaufpreiszahlung könnte wohl auch personalpolitische Gründe haben. Nach Übernahme von Kemper’s in Deutschland setzte ein Personalkarussell ein, wobei hier allerdings getrennte Kulturen aufeinandertrafen, während bei JLL und KS ähnliche Kulturen des angelsächsisch geprägten Chartered Surveyor vorherrschen.

Für die deutschen Mittelständler könnten daraus aber auch Chancen erwachsen. Auch institutionelle Immobiliengesellschaften können durchaus unterscheiden zwischen kapitalmarktorientierter angelsächsisch geprägter Kultur und der Kernerarbeit des harten (Sanierungs-) Alltags außerhalb des Core-Business. Bei letzterem zählen durchaus deutsche Tugenden.

EMEA CEO Christian Ulbrich von JLL sieht als Vorteil, dass die Unternehmen strategisch und kulturell ganz offensichtlich gut zusammenpassen. Das gemeinsame Serviceangebot sei in Großbritannien und Kontinentaleuropa nicht zu übertreffen. Richard Batten, Senior Partner von King Sturge, scheint über den Kaufpreis besonders glücklich zu sein und kommentiert mit in Deutschland schwer erträglichem PR-Geschwafel: „Hier schließen sich zwei großartige Gesellschaften mit zueinander passenden Unternehmenskulturen und fantastischen Geschäftssynergien zusammen, um das beste Immobilienberatungsunternehmen in Europa zu schaffen.“ Andrew Gould, Chief Executive Officer JLL England, wird als CEO auch für das zusammengeschlossene Unternehmen in Großbritannien verantwortlich zeichnen. Richard Batten wird in Großbritannien Executive Chairman.

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