Nachhaltige Immobilienfonds in Europa leiden unter fehlender Masse

 

Nur 850 Mio. Euro gehen bis Mitte 2016 in nachhaltige Immobilienfonds

Bei nachhaltig konzipierten und gemanagten Immobilienfonds herrscht immer noch Flaute. Demgegenüber boomen zumindest in der öffentlichen Wirkung weltweilt nachhaltige Geldanlagen. Weniger als 1% nachhaltiger Geldanlagen generell gingen 2014 in nachhaltige Immobilienfonds. In nachhaltig konzipierte Immobilienfonds wurden gerade einmal 495 Mio. Euro angelegt. Rd. 5,2 Billionen Euro werden dagegen in Europa nachhaltig gemanaged. Das hat Thomas Beyerle, Group Head of Research bei Catella im aktuellen Market Tracker „Nachhaltige Immobilienfonds“ berechnet. (WR)

 

Die Gründe sieht Catella Research in der geringen Anzahl neuer Gebäude in Europa in den letzten Jahren. Sie bildeten immer noch den Schwerpunkt des Nachhaltigkeitsstrebens. Hier fehle einfach die Masse. Während in den deutschen Metropolen immerhin etwa 5% der Büros zertifiziert sein dürften, bleiben im europäischen Gesamtschnitt über alle Regionen wohl rechnerisch annähernd 99% zumindest formal nicht nachhaltiger Gebäude übrig. Die Frage sei, wie damit strukturiert unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten umzugehen sei. Probleme bereiteten nach wie vor einheitliche Standards bei der Bewertung und Zertifizierung von Gebäuden. Es gebe weder ein allgemeingültiges Gütesiegel für nachhaltige Immobilienfonds noch eine Benchmark für einen Peer-Group-Vergleich. Das seien aber unabdingbare Voraussetzungen, um einen Wettbewerb zu entfachen und damit ein marktrelevantes Volumen zu schaffen. Dennoch erwartet Catella eine positive Entwicklung in den kommenden 3 Quartalen. Der Druck von Kapitalsammelstellen in nachhaltige Immobilienfonds nehme deutlich zu.

 

Wie „Der Immobilienbrief“ schon oft deutlich machte, dürfte in der institutionellen Kapitalanlage in 10, spätestens 20 Jahren ein Nachhaltigkeitssiegel zur Nebenbedingung der Transaktionsfähigkeit geworden sein. Das wird dann schon die heute gehandelten Immobilien betreffen. Beyerle sieht inzwischen wohl auch deshalb einen Transformationsprozess von konventionellen Gebäuden hin zu saniertem, energieeffizientem Neubestand. Viele Bestandsobjekte insbesondere in exponierten Lagen würden ein entsprechendes Optimierungspotenzial aufweisen. In den Due Dilligence-Prozessen und Transaktionsstandards institutioneller Anleger hätten die Kriterien der nachhaltigen Bewertung Einzug gehalten.

 

Diese Argumente würden insgesamt dafür sorgen, dass schon bis Mitte 2016 in Europa ein Volumen von rund 850 Mio. Euro in neu konzipierte, nachhaltige Immobilienfonds fließen würde. Fonds, die auf „Nachhaltigkeit“ setzten, müssten ihre Investitionen gut durchkonzipieren, da nicht alle nachhaltigen Investitionsprojekte schon kurzfristig einen entsprechenden Return on Investment (RoI) generieren könnten. Gleichzeitig sieht Beyerle auch die Gefahren von Überinvestitionen in Nachhaltigkeit, die vor allem dann drohten, wenn ordnungspolitisch falsche Anreize gesetzt würden. Dies sei z. B. zuletzt im Segment „Solar“ geschehen.

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