Neue Pläne für Hamburgs Hafenrand: Gläserne Fischfabrik, Hotel, Gastronomie, Büros und Wohnungen

Die letzte Baulücke in der sogenannten Perlenkette am Hamburger Hafenrand wird nun, rund 20 Jahre nach dem Beginn der Umwandlung des früheren Gewerbe- und Hafengebiets,  geschlossen. 

Das prominent gelegene Areal des Altonaer Fischmarkts ist eines der letzten Entwicklungsgebiete der Elbmeile. Jetzt ist der Architekturwettbewerb für die Neubebauung des „Areal West“ entschieden, ausgelobt wurde er von der Fischmarkt Hamburg-Altona GmbH (FMH), einer Tochtergesellschaft der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA). Vergangene Woche wurden den Hamburgern die Ergebnisse präsentiert. Wo derzeit noch zwei alte Tiefkühlhallen stehen, werden Wohnungen, Büros, ein Hotel, Gewerbeflächen für die Fischwirtschaft und eine gläserne Fischmanufaktur gebaut. Die 1934 gegründete FMH, die im Fischereihafenareal 63.000 qm Büro- und Gewerbeflächen besitzt und entwickelt, rechnet mit einem Investitionsvolumen von 55 bis 60 Mio. Euro.

78 Bewerber hatten sich angemeldet. Von den 36 zugelassenen Entwürfen, die von Architekturbüros aus ganz Deutschland stammen, wählte die Jury um Oberbaudirektor Jörn Walter und den Altonaer Baudezernenten Reinhold Gütter zwei erste Plätze aus: die der Gerber Architekten aus Dortmund mit Levin Monsigny Landschaftsarchitekten Berlin und die Schweger Associated Architects aus Berlin. Auf den dritten Rang kamen die Hamburger APB.Architekten mit Rehwaldt Landschaftsarchitekten (Dresden), diese mit einem hübschen Detail: Auf das Dach der geplanten Kühlhalle möchten APB eine Eisbahn setzen. 

Prämiert werden die besten Entwürfe mit insgesamt 200.000 Euro, sie sollen bei der Realisierung der Neubebauung als Orientierung dienen.

Ab 2012 sollen auf dem 17.500 Quadratmeter großen Grundstück 28.000 bis 30.000 Quadratmeter Fläche entstehen, Wohnen, Gewerbe und Gastronomie.  Auf dem hinteren Teil des Areals soll eine neue Tiefkühlhalle in Verbindung mit der gläsernen Fischmanufaktur als Touristenattraktion entstehen, außerdem Büros und Stellplätze, vorne sind ein Drei- bis Vier-Sterne Hotel mit 150 Zimmern, Wohnungen, Gastronomie und Einzelhandel vorgesehen. Das
Gesamtprojekt soll Ende 2015 oder Anfang 2016 fertig gestellt sein. Der Wandel werde behutsam vollzogen, verspricht Hartwig Sommerfeld, Geschäftsführer der FMH. Auch Thomas Kuhlmann, Leiter des HHLA-Segments Immobilien, verspricht für das Gebiet am Fischmarkt die Strategie eines behutsamen Strukturwandels. Die milieuprägenden Nutzungen sollen nicht vertrieben werden. Vor allem wolle man das Entwicklungstempo dem Bedarf anpassen. Die alten Tiefkühlhallen sollen so lange in Betrieb bleiben, bis Ersatz geschaffen sei.

Ein Bekenntnis zum Standort der Fischwirtschaft:  Gegenwärtig gibt es im Gebiet noch 57 Unternehmen der Fischwirtschaft, die mit 750 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 280 Millionen Euro erwirtschaften. Doch im Umfeld der umgebauten Speicher und den zum Teil spektakulären Neubauten haben sich unterdessen 130 Unternehmen aus verschiedenen Branchen von Reedereien über Verlage bis zu Agenturen und Gastronomie angesiedelt. 2000 Beschäftigte arbeiten hier.

Die HHLA hatte seinerzeit schon den historischen Lagehauskomplex Hamburgs, die Speicherstadt, erfolgreich zu einem urbanen Innenstadtquartier umgewandelt. Bei der Auswahl der Entwürfe war ein entscheidendes Kriterium, dass der Blick vom Geesthang und den öffentlichen Wegen auf Elbe und Hafenpanorama frei bleibt. Die erste Reihe an der Elbe dürfe keine Mauer werden, die die Stadt vom Fluss abtrennt, war eine Forderung. Denn in der Vergangenheit gab es immer wieder Kritik an den Hafenrand-Projekten bezüglich Höhe und Größe der Bauten. „Wir wollen hier eine ruhige, gelagerte Haltung“, sagte Oberbaudirektor Jörn Walter bei der Vorstellung der Pläne, „keine großen, dominanten Zeichen“. Walter hatte sich auch deshalb in die Planung für die Bebauung des prominenten Areals eingeschaltet, weil die „Perlenkette“ zwischen Oevelgönne und dem ehemaligen Englandterminal quasi das Eingangsportal von Hamburg ist und auch touristisch eine größere Rolle spielen soll.

Die ausgezeichneten Entwürfe sind so niedrig wie die bisherigen Hallen des Altonaer Fischmarktes und fügen sich in die bisherige Bebauung ein. Jetzt muss das Ganze nur noch so umgesetzt werden…

Die Pläne für die Umwandlung des gesamten früheren Gewerbe- und Hafengebiets am nördlichen Elbufer datieren aus den 1980er Jahren. Da der traditionelle Hafenumschlag immer mehr an Bedeutung verloren hatte, beschloss der Senat 1987, dem früheren Fischereihafen ein völlig neues Gesicht zu verleihen. Die alte Fischauktionshalle wurde aufwändig stilgerecht renoviert und dient heute als Veranstaltungsort. Das alte Union-Kühlhaus wurde 1993 zum hochwertigen Wohnstift Augustinum umgebaut. 1999 entstand aus einer Kühlhalle das Elbkaihaus. Später kamen die würfelartigen Bürogebäude in Neumühlen hinzu und 2005 das futuristische Docklandgebäudevon Hadi Teherani. Auf dem Gelände der früheren Englandfähre wird derzeit ein neues Kreuzfahrtterminal gebaut, direkt daneben am früheren Holzhafen ein neues Backsteinbürohaus sowie ein gläserner Wohnturm.

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