Quo Vadis 2016 – Ohne Flüchtlinge wäre 2016 der Zenit im Zyklus erreicht

 

26. Branchentreff Quo Vadis in Berlin _ Mit einem Besucherrekord veranstaltete heuer Dialog bereits zum 26. mal in dieser Woche die Quo Vadis. Gut 350 Branchenvertreter kamen ins Berliner Adlon. Im Mittelpunkt standen neben den wirtschaftlichen Rahmendaten u.a. auch die Wohnungsknappheit, die Flüchtlingsdebatte sowie die Büroimmobilie der Zukunft.

„Deutschland geht es so gut wie nie“, resümierte Prof. Dr. Lars Feld, einer der fünf Wirtschaftsweisen gleich zu Anfang der zweitägigen Veranstaltung. Sinkende Arbeitslosenzahlen, steigende Einkommen und privater Konsum stützen den Wirtschaftsmotor Deutschland derzeit. Dennoch sei nicht alles rosig, so Feld. Vor allem die Entwicklung in den Schwellenländern bringe Unsicherheit. Welche Bedeutung dies für Deutschland habe sei noch nicht abzusehen. Die ersten Auguren verspüren allerdings schon Rezessionsängste. Für den Immobilienmarkt blickt Feld positiv in die Zukunft. Angesichts der Rahmenbedingungen könne von einer Preisblase in den Ballungszentren noch keine Rede sein. Allerdings seien erste Anzeichen erkennbar, die für eine Blasenbildung sprechen wie z.B. 100% Finanzierungen, die wieder vermehrt zu beobachten seien. Auch die Schere zwischen Preis- und Mietentwicklung gehe zunehmend auf, so Feld.

Feld, der als Verfechter der Marktwirtschaft bei gleichzeitig nur geringen staatlichen Eingriffen gilt, sieht insbesondere die Mietpreisbremse kritisch. Sie werde ihre negativen Auswirkungen zeigen. Der Wohnungsbau hänge nicht nur deswegen in den Metropolregionen zurück, sondern auch, weil die höheren Anforderungen an den Klimaschutz die Baukosten in die Höhe getrieben hätten. Die Migrationswelle würde zusätzlich für weiteren Druck auf die Wohnungsmärkte sorgen. Für das nächste Jahr rechnet Feld mit 750.000 bis 900.000 Migranten, deren Zahl dann bis 2020 sukzessive zurückgehen werde.

Feld appellierte an Politik und Wirtschaft, enger zusammenzuarbeiten, um die Probleme nachhaltig zu lösen. Lösungskonzepte könnten z.B. die Nachverdichtung in den Städten sein, der Hochbau sowie die schnellere Ausweisung von Baugebieten. Darin stimmte auch Klaus Franken, Geschäftsführer der Catella Projekt Management überein. Die Zusammenarbeit mit einem guten Baudezernent könne schon viel bewegen, so Franken.

Neben der eigentlichen Veranstaltung nutzte der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) die Gelegenheit sein Frühjahrsgutachten des Rats der Immobilienweisen vorzustellen. Die Zahlen bestätigen was wir Ihnen schon seit einiger Zeit melden. 2015 war das Rekordjahr auf dem deutschen Immobilienmarkt. Im Gewerbesegment wurden 55,5 Mrd. Euro umgesetzt. Allein der Bürosektor verzeichnet 50% mehr Kapitalzufluss als im Vorjahr. Gleichzeitig zeigte der Wohnungsmarkt erstmals eine leichte Stagnation bei den Mieten. Seit dem ersten Quartal sind die Mieten in Westdeutschland nicht mehr gestiegen. Im Osten der Republik waren sie sogar leicht rückläufig. Die Migrationswelle könne allerdings hier für einen nochmaligen Aufschwung sorgen. Ohne die starke Zuwanderung sei der Zyklus in diesem Jahr im Zenit angekommen, so Prof. Dr. Harald Simons, Mitglied des Vorstands bei empirica.

Die Büroimmobilien in den Top-Standorten Deutschlands bleibt auch in den nächsten Jahren gefragtes Asset. Zunehmende Bevölkerungszahlen in den Metropolen sorgen auch für eine steigende Zahl der Bürobeschäftigten, so Andreas Schulten, Vorstand der bulwiengesa AG. Auch Hotel- und Einzelhandelsimmobilien bleiben gefragt, da Deutschland sowohl bei den Übernachtungszahlen als auch den Konsumausgaben weiter zulege. Potenzial bestehe noch bei der Digitalisierung der Branche und hier insbesondere beim Thema „Smart Home“.

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