Rufmordprozess Jagdfeld gegen Signal-Iduna in nächster Runde

Versicherungsvorstand muss zur Vernehmung

Nachdem es lange ruhig um Immobilienfonds-Tycoon Anno August Jagdfeld war, rauscht er derzeit durch den Blätterwald. Beginnend mit BILD und Welt berichten derzeit fast alle Medien über seinen Rufmordprozess gegen die Signal Iduna Versicherung mit einem Schadenersatzanspruch von 1 Mrd. Euro wegen einer angeblichen Rufmordkampagne. Wer anfänglich schmunzelte, dürfte recht überrascht sein, wie auch wohl dem Versicherungsvorstand das Lachen ebenso vergangen sein dürfte, wie damals der Deutschen Bank im Fall Leo Kirch. Bereits in einer früheren Verhandlung hatte das Gericht von dünnem Eis gesprochen, auf dem sich die Versicherung mit ihrer pauschalen Ablehnung eines Vergleichs bewege. Das passt natürlich symbolisch gut zum kommenden Frühjahrswetter.

Die 2. Zivilkammer hatte im vergangenen Jahr „eine umfangreiche Beweisaufnahme …, einschließlich Parteivernehmung des gesamten Vorstandes der Beklagten“ verfügt, zitiert Jagfeld-Sprecher Christian Plöger das Gericht. Damit bestätige die Kammer die Schlüssigkeit des Jagdfeld-Vortrages, ohne den derlei Vernehmungen unzulässig wären (ständige Rechtsprechung des BGH, vgl. etwa Urteil vom 30. Juni 2017 – V ZR 232/16, NZM 2017, 815). Das „Beweisthema“ ist laut Gericht: „Absprachen über die Durchführung und Strategie einer Rufmordkampagne gegen den Kläger“. Jagdfeld wirft der Signal Iduna genau dies vor. Dafür hat das Landgericht Dortmund insgesamt sechs Termine im Februar anberaumt, an denen es die Vernehmung von u.a. Vorstand, einschl. des Vorstandsvorsitzendem, wie Aufsichtsratsvorsitzendem der Signal Iduna durchführt. Wir bei aller Beweislast- und Schadensbemessungs-Schwierigkeit derartiger Prozesse gespannt. Signal Iduna hatte sich in den 90er Jahren am Adlon Fonds beteiligt und war über Jahre unglücklich mit der Entwicklung. Daraus hatte sich wohl auch eine Zusammenarbeit mit einem inzwischen verstorbenen Anlegerschutzanwalt ergeben, der sich damals gerne in recht verständlichen und persönlichen Statements äußerte. Aus heutiger Sicht dürfte der Markt den Fonds-Einstandspreis für das Adlon am Pariser Platz, direkt am Brandenburger Tor aber durchaus eingeholt oder überholt haben. (WR)

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