Stadtentwicklung Hamburg – Hamburg löst seinen Freihafen auf – das weckt die Begehrlichkeit der Stadtplaner

In Hamburg begann zum Jahresanfang eine neue Ära. Rund 124 Jahre nach seiner Eröffnung ist der sogenannte Freihafen aufgelöst worden. Auf seinem Gebiet musste auf umgeschlagene und weiterverarbeitete Waren kein Zoll bezahlt werden. Damit gilt Hamburg erstmals in der Geschichte vollständig als deutsches Zollinland. Kilometerlange Zäune und Grenzstationen, die bislang zum Bild des Hafens gehören, werden nicht mehr gebraucht.

Der Freihafen war seinerzeit für die Entwicklung Hamburgs von größter Bedeutung. Ende des 19. Jahrhunderts ebnete er der Hansestadt den Weg zur wirtschaftlichen Integration in das neu entstandene Deutsche Reich. Zuletzt aber war dieses Areal, das rund ein Fünftel der Hafenfläche ausmachte und dessen Keimzelle die berühmte Speicherstadt war, eher zur Belastung geworden. Zum einen spielen Einfuhrzölle heute, nach mehreren globalen Freihandelsrunden, keine große Rolle mehr, zumal Firmen bei Bedarf überall Zolllager einrichten können. Auch der Abbau von Bürokratie und Verkehrsstaus an den Übergängen sind Gründe für die Auflösung. „Der Hafen wird insgesamt schneller. Darüber hinaus gewinnen wir als Stadt die volle Planungshoheit über das Hafengebiet zurück“, sagte Wirtschaftssenator Frank Horch.

 Neue Spielwiese für die Stadtplaner

Wie ein Riegel trennte der Freihafen den Süden und Norden des heutigen Hamburg.

Zuerst einmal können jetzt planerische Visionen für das riesige Becken des Spreehafens umgesetzt werden. Ziel ist, Stadt und Hafen miteinander harmonisch zu verbinden, als ideal wird eine Mischnutzung aus Gewerbe- und Freizeitgebiet empfunden. Nach dem Ausbaggern des elf Hektar großen Gewässers – weite Teile fallen bei Ebbe trocken –  soll das Thema Hausboote gefördert werden. Vorstellbar seien auch Bootsliegeplätzen und Gastronomie auf dem Wasser, so Oberbaudirektor Jörn Walter. Bisher hat allerdings die Hafenverwaltung Port Authority noch die Zuständigkeit für den Spreehafen, der komplett im offiziellen Hafengebiet liegt. Zwar haben am Südufer schon erste Hausboote festgemacht, erlaubt ist bisher nur eine maritim-gewerbliche Nutzung.

Aber es ist nicht nur der Spreehafen, der ins Blickfeld der Stadtplaner geraten ist. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz spricht nicht ohne Grund von einem „Trittstein für den Sprung über die Elbe“. Auch die Flächen des Überseezentrums an den Norderelbbrücken oder auch die Uferzonen gegenüber den Landungsbrücken wecken schon länger Begehrlichkeiten. Mit dem Ende des Freihafens öffnet sich nun auch dieser Teil des Hafens für neue Nutzungen. Die Wasserseite ist heute eine begehrte Lage zum Bauen, während sie vor Jahrzehnten noch als Rückseite galt, wo gearbeitet wird, wo es Lärm und Schmutz gibt.

Schon 2003 wurde die Speicherstadt, entstanden gegen Ende des 19. Jahrhunderts, aus dem Freihafengebiet ausgegliedert. Heute steht der attraktive Lagerhauskomplex aus rotem Backstein im Zentrum eines neuen Stadtumbaus. Die „Entlassung“ aus der Freihafenzone und der Bau der Hafencity, auch ein Jahrhundertprojekt, haben die Voraussetzungen für eine Nutzungsänderung hin zu einem modernen Arbeitsquartier geliefert. Büros, Gastronomie, Kunst und Mode bestimmen mehr und mehr das Geschehen in den alten Speichern. Inzwischen gibt es hier sogar einige Wohnbüros.

Stadtmitte wird neu justiert

Das Gebiet soll behutsam zu einer Art Brücke zwischen Innenstadt und HafenCity entwickelt werden, so die Hamburger Hafen- und  Logistik AG. Damit wird die Mitte Hamburgs neu justiert, Speicherstadt und Kontorhausviertel sind damit Herzstück der Hamburger City –  eine 1A-Lage für urbanes Arbeiten und Wohnen.

Das alles sind Schritte zu einer Weiterentwicklung der Stadt, die sich unter dem Motto „Sprung über die Elbe“ über Inseln und alte Hafengebiete gen Süden ausdehnen soll. Unter diesem Motto steht auch die Internationale Bauausstellung IBA, die am 23. März offiziell eröffnet wird. Diese IBA, die erste in der Geschichte der Hansestadt, ist aber viel mehr als eine Bauausstellung. Das „Labor“ wird auf die Elbinseln ausgedehnt, ein rund 35 Quadratkilometer großes Gebiet. Die Stadt will die Viertel völlig neu entwickeln und stärker an Hamburg anbinden. Wenn alle Projekte der IBA greifen, soll aus dem vernachlässigten Gebiet mit 50.000 Menschen, ein Drittel davon Migranten, ein ganz neuer Stadtteil werden, familienfreundlich, ökologisch und bildungsorientiert. „Das innovativste Quartier Europas“, wie IBA-Chef Uli Hellweg sagt. Vor allem soll nachhaltiger und architektonisch interessanter Wohnraum  entstehen, 1.217 Einheiten sollen noch in diesem Jahr fertig werden.

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