Tiefer geht es nimmer – Keine Angst vor Inflation

14.September 2009   
Kategorie: Der Immobilienbrief, News

Dr. Karsten Junius, Leiter Kapitalmarkt- und Immobilienresearch, DekaBank

Die Weltwirtschaft fasst wieder Tritt. Nach den erheblichen Einbrüchen der Produktion im vergangenen Winterhalbjahr zeichnet sich nun immer deutlicher ab, dass die tiefe Rezession überwunden wird und sich eine moderate Expansion anschließt. Mehr und mehr harte Konjunkturdaten wie Auftragseingänge oder Industrieproduktion werden mit Zuwächsen veröffentlicht. Für eine Reihe von Industrieländern wurde in den vergangenen Wochen sogar bereits für das zweite Quartal 2009 ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts vermeldet. Diese Entwicklung ist maßgeblich das Ergebnis der nach wie vor expansiven Wirkungen von Geld- und Finanzpolitik. Diese laufen sukzessive im kommenden Jahr aus, was uns davon abhält, einen fulminanten Aufschwung zu prognostizieren. Immerhin erwarten wir in den kommenden Quartalen eine moderate konjunkturelle Erholung, die für 2009 mit einer Schrumpfung der Weltwirtschaft um 1,4% einhergeht und für 2010 ein Plus von 3,1% mit sich bringt.

Die extrem volatile Quartalsentwicklung lässt sich sehr gut am Beispiel Euroland (siehe Schaubild unten) ablesen. Dem freien Fall der Produktion im Winterhalbjahr ist bereits im 2. Quartal dieses Jahres eine Wachstumsentwicklung gefolgt, die mit -0,1% als Stagnation bezeichnet werden kann. Die vorlaufenden Konjunkturindikatoren weisen auf ein starkes 3. Quartal mit einer Wachstumsrate von 0,6% hin.

Für Euphorie ist es aber zu früh. Dieses Wachstum speist sich hauptsächlich aus der Staatstätigkeit, dem Außenbeitrag und einer Korrektur der leergefegten Lagerbestände. Der private Konsum ist dagegen wahrscheinlich erneut rückläufig. Hier zeigt sich die Unsicherheit der jetzigen Wirtschaftsentwicklung: Es gibt genug Belastungsfaktoren für den privaten Konsum und die Investitionstätigkeit. Eine Rückkehr zur Normalität nach Auslaufen der staatlichen Konjunkturprogramme ist somit längst nicht gewährleistet.

Für die Immobilienmärkte bedeutet das vermutlich eine weiterhin gedämpfte Flächennachfrage und steigende Leerstände. Die abklingenden Systemrisiken werden dafür die Investmentmärkte nicht ganz so stark belasten wie noch im Frühjahr befürchtet. Davon profitieren vor allem die Länder in Osteuropa, bei denen der Zusammenbruch der Staatsfinanzen, der Währungen oder des Bankensystems befürchtet werden konnte.

Eine wichtige Determinante für die Immobilienmärkte, die in den letzten Quartalen immer wieder als Argument für oder gegen Immobilieninvestments genannt worden ist, ist die allgemeine Inflationsentwicklung. Schließlich bestand die Angst vor einem Zusammenbruch des Finanzsystems gekoppelt mit der Erwartung massiver staatlicher Rettungsmaßnahmen. Diese hätten die Staatsverschuldung noch weiter nach oben getrieben und das Risiko einer Inflationierung der Volkswirtschaft erhöht. In dem Maße, wie die Finanzkrise sich zurückbildet, schwinden nun die Gefahren, dass die Notenpresse zur Finanzierung der Staatsschulden angeworfen wird.

Der Tiefpunkt der Inflationsentwicklung liegt in den meisten Ländern hinter uns. Die Raten bleiben in den USA und Euroland allerdings im Herbst noch im negativen Bereich. Diese Entwicklung ist hauptsächlich auf starke Preisrückgänge bei Lebensmitteln und Energiepreisen im Vergleich zum Vorjahr zurückzuführen. Die Kerninflationsraten werden in allen Währungsräumen bis weit in das Jahr 2010 auf niedrigem Niveau bleiben, da mit konjunkturellem Preisdruck weiterhin nicht zu rechnen ist. Mittelfristig hängt die Inflationsentwicklung vom Willen der Zentralbanken ab, ihre Inflationsziele zu verteidigen. Wir erwarten, dass dieser Wille trotz der steigenden Staatsverschuldung vor allem in Euroland sehr hoch ist.

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