Trend Themenhotels – Von Sportzimmern und Seefahrern

Anja Steinbuch

Wer im Lindner Hotel & Sports Academy eincheckt, bekommt keinen Schlüssel in die Hand gedrückt sondern einen Startpass. Anschließend führt Hoteldirektorin Carolina Cordes die Gäste ihres im Herbst in Frankfurt eröffneten Themenhotels zu einer großen Bildwand: „Unsere vier Stockwerke sind vier Sportarten zugeordnet.“ Zu sehen sind Kunstturner, Volleyballer, Hochspringer und Trampolinturner. „Die Höhe der Sprünge steigt den Stockwerken entsprechend.“ Anstatt Budget-, Business- und Luxus-Zimmer gibt es Bronze-, Silber- und Gold-Zimmer. Im Foyer und auf den Fluren sind Sportler in Aktion abgebildet, auf den Zimmern hängen Bilder von Turnern und Athleten in Ruhephasen. Volleyballnetze, Tartan und der blaue Stoff von Turnmatten dienen als Dekoration, Tapete und Sitzpolster.

Im Bad ist an der Wand zu lesen: „Von der Wiege bis zur Urne – turne, turne, turne.“ Das Zitat von Joachim Ringelnatz dürfte für viele Gäste des Themenhotels Lebensmotto sein. Denn Besitzer und Bauherr dieses ungewöhnlichen Hauses direkt neben dem Stadion von Eintracht Frankfurt ist der Deutsche Turner Bund (DTB). Die Organisation beansprucht die Hälfte der insgesamt 10.000 qm für seine Verwaltung und die der Deutschen Sporthilfe Auf der restlichen Fläche befinden sich die Hotel-Lobby, 111 Zimmer, ein Restaurant und Veranstaltungsräume. Der Vorteil für den DTB: Er kann unter einem Dach aus- und fortbilden und Übernachtungsmöglichkeiten anbieten.

Damit hat die Lindner-Gruppe thematisch Neuland betreten. Bereits 1999 schuf der Hotelier aus Düsseldorfer mit seinem Hotel BayArena, in dem man direkt neben dem Stadion von Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen schläft, eine neue Herbergsidee. Aus einigen Zimmern überblickt man sogar das Spielfeld. Zehn Jahre später folgten das Congress & Motorsport Hotel Nürburgring unweit der legendären Rennstrecke und das Park-Hotel Hagenbeck am Hamburger Zoo.

Themenhotels sind Ausdruck eines Trends, der in der gesamten deutschen Hotellandschaft zu beobachten ist: Häuser, insbesondere im Marktsegment Budget, dessen Zielgruppe Gäste sind, die Übernachtungen in besonderer Atmosphäre zu vergleichsweise günstigen Preisen suchen, bekommen durch ein bestimmtes Inneneinrichtungs-Thema einen „Charakter“, ein Profil. Die Häuser werden „aufgeladen“. Martina Fidlschuster, Geschäftsführerin der Beratungsfirma Hotour in Frankfurt, die für Investoren, Projektentwickler und Hotels arbeitet, sieht in Themenhotels mehr als nur eine vorübergehende Modeerscheinung. Ein gutes Haus müsse außen wie innen ein Gesamtkunstwerk sein, authentisch und originär: Das ließe sich aber nur realisieren, „wenn der Investor mitzieht“.

Zu den weltweit interessantesten Themenhotels gehört das Eishotel in Jukkasjärvi in Lappland. Es wird jedes Jahr neu aufgebaut. Zwei weitere Highlights: Die Propeller Island City Lodge in Berlin, ein bewohnbares Kunstwerk mit 31 Zimmern ab 65 Euro die Nacht, und das Jumbo Hotel in Stockholm, das sich in einer ausrangierten Boing 747-200 befindet. Nicht ganz so berühmt, aber in Deutschland gelegen sind das Nippon Hotel im japanischen Stil in Hamburg und das Food-Hotel in Neuwied, dessen Räume von Unternehmen der Lebensmittelbranche wie Dr. Oetker, Edeka oder J.J. Darboven gestaltet sind, und das an eine Lebensmittelfachschule angeschlossen ist.

Auch die 25hours Hotels haben sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Themenhäuser spezialisiert. Im 25hours Hotel Hafencity im Hamburger Hafen (eröffnet im Sommer 2011) dreht sich alles um die Seefahrt. Hier werden Konferenzen in einem alten Übersee-Container abgehalten. Geschlafen wird in einer Kapitäns-Koje und eine Lotsen-Leiter fungiert als Ablage. „Wir wollen mit unseren Hotels Geschichten erzählen“, sagt Christoph Hoffmann, Partner und CEO der 3.000-Quadratmeter-Herberge, die auf dem jährlichen Kongress „Hotelforum“ zur „Hotelimmobilie des Jahres 2011“ gekürt wurde. „Ohne Geschichte keine Atmosphäre.“

In Hamburg ist es die Geschichte vom Hafen, in Frankfurter die Geschichte der – Bluejeans. Das 25hours Hotel by Levi´s im Bahnhofsviertel, direkt neben der Deutschland-Zentrale des amerikanischen Jeansherstellers, wurde 2008 eröffnet. An die Außenfassade gemalt sind drei riesige braune Schachteln – Kartons, die auf ihre Auslieferung warten. Auf sechs Stockwerken wird hier die Mode-, Design- und Musik-Welt der sechs Dekaden zwischen den 1930er und 1980er Jahren erzählt. So hängt in jedem der 76 Zimmer das Jeans-Modell, die im jeweiligen Jahrzehnt am beliebtesten war. Wählen können die in der Mehrzahl jungen Gäste unter den Kategorien M, L oder XL. „Sowohl in Hamburg als auch in Frankfurt haben wir versucht, uns mit unserer Immobilie in die direkte Umgebung zu integrieren“, erklärt Christoph Hoffmann.

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