Zukunftsziel für Herne – Die Rückkehr der Emscherbrücher Wildpferde

 

Herne ist nicht der Nabel der Welt und mit gut 160.000 Einwohnern auch nicht eine der größten Ruhrgebietsstädte, aber in Herne tut sich was. Irgendwann sollen sogar die Wildpferde in den Emscherbruch zurückkehren. Welche Schwerpunkte werden gesetzt? Wie kann es gelingen, eine Stadt „nach vorne zu bringen“? Anlass genug für ein Gespräch mit Dr. Hans Werner Klee, Stadtdirektor der Stadt Herne.

Herne hat eine neue Stadtmarke, nicht erfunden von einer Agentur, sondern gefunden von der Herner Bürgerschaft. Warum brauchte Herne ein neues Logo und worauf zielt es ab?

Dr. Klee: Im neuen Logo spiegelt sich unsere strategische Ausrichtung wieder. Um dies herauszuarbeiten, haben wir die Menschen in unsere Stadt gebeten, uns mitzuteilen, wofür Herne in ihr en Augen steht, was es ausmacht. Das Ergebnis dieses Beteiligungsprozesses ist als „Mit Grün. Mit Wasser. Mittendrin“ im Ruhrgebiet in die neue Stadtmarke eingeflossen und spiegelt sich auch im Logo wieder.

Wendet sich Herne damit von seiner industriellen Vergangenheit ab? In welche Richtung soll sich die Stadt entwickeln?

Dr. Klee: Der weiße Emscherbrücher in unserem Logo steht für den Wandel vom „schwarzen“ Bergbau in die „weiße“ Zukunft. An erster Stelle steht für uns Arbeitsplätze zu schaffen. Stärken stärken lautet hier die Strategie. Logistik, Gesundheitswirtschaft, Energie/ E-Mobilität stehen im Vordergrund. Hier waren wir in der jüngsten Vergangenheit beispielsweise mit der Akquisition der UPS-Standorterweiterung, der Duvenbeck-Ansiedlung, Nordforst oder auch Stadler recht erfolgreich. Allein hierüber werden in Herne über 1.000 neue Arbeitsplätze angesiedelt. Und einiges ist noch in der Pipeline. Und über unsere Internationalisierungsstrategie beispielsweise mit der Türkei oder China wollen wir auch Unternehmen neu ins Ruhrgebiet und hier nach Herne holen. Für viele Unternehmen ist die Nähe zu Forschungseinrichtungen wichtig. Deshalb sind wir stolz jetzt auch Standort der Exellence-Initiative „Ruhr Valley – Mobility and Energy for Metropolitan Change“ der drei umliegenden Fachhochschulen zu sein.

 

Wo Arbeitsplätze entstehen, sind zusätzliche Wohnungen nötig. Vor 3 Monaten haben wir 13 Entwicklungsflächen für Wohnungsbau festgelegt, die wir bis 2020 prioritär in den Markt bringen. Hier sollen rd. 700-800 Wohneinheiten sowohl im Geschosswohnungsbau als auch im Einfamilienhausbau entstehen. Aktuell befindet sich ein Plot in der Ausschreibung.

 

Mit unseren Stadtumbauprojekten für Herne-Mitte und Wanne-Süd steigern wir die Attraktivität unserer Quartiere. Hier vernetzten wir verschiedene Aktivitäten – bspw. das Stadtumbauprojekte Herne Mitte mit dem Roll Out von „Innovation City Ruhr“ und der Entwicklung der „Neuen Höfe Herne“ – dem ehem. Hertiehaus in der Fußgängerzone – oder der Stadtumbau Wanne-Süd mit der Entwicklung der ehemaligen Heitkamp-Hauptverwaltung zum Technischen Rathaus für über 400 Mitarbeiter.

Auch die Herner Bildungslandschaft wollen wir verbessern. Aktuell ist die Politik unserer Empfehlung gefolgt, 150 Mio. Euro in die Modernisierung und Erweiterung unserer Schulen zu investieren.

Eine große Herausforderung steht jetzt an: die Entwicklung des Campus der „noch“ RAG-Konzernzentrale mit über 40.000 qm BGF auf mehr als 100.000 qm Grundfläche in unmittelbarer Innenstadtnähe, die in weiten Teilen durch den Umzug der RAG nach Zollverein in Essen zum Jahresende frei werden.

Haben Sie, um das alles zu bewältigen, die Herner Stadtverwaltung umgekrempelt? 

Dr. Klee: Seit Mai 2013 bin ich als Stadtdirektor und Kämmerer hier in Herne zuständig für die Finanzen, den Beteiligungsbereich, die Stadtentwicklung und die kommunale Immobilienwirtschaft. Voraussetzung für unseren Erfolg ist die engagierte interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Entscheidungsträger und Mitarbeiter im Konzern Stadt mit dem Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda an der Spitze und das gelingt uns zurzeit recht gut.

Finden Ihre Ansätze und Angebote ein positives Echo bei Investoren?

Dr. Klee: Investoren merken, dass wir eine konsistente Strategie verfolgen und viele Themen miteinander vernetzen, die Investitionen in Herne fördern. Investoren bzw. Investitionen sind Chefsache im Verwaltungsvorstand. Das zahlt sich aus. Die Großansiedlungen der letzten Zeit sind ein Beleg hierfür.

Wo konkretisiert sich die „grüne“ Facette der Stadt?

Dr. Klee: Sie lässt sich an vielen Punkten festmachen. Zum einen sind wir die Stadt mit dem meisten öffentlichen Grün pro Einwohner in der Region. Das ist für die Menschen ganz konkret erlebbar. Das wollen wir auch mit dem Emscherland 2020 vertiefen. Entlang der Emscherinsel soll eine neue grüne Infrastruktur mit hohem Erholungs- und Freizeitwert entstehen. Damit realisieren wir Projekte, die wir im Fall einer erfolgreichen Bewerbung um die Landesgartenschau – wir mussten uns knapp Kamp-Lintfort geschlagen geben – umsetzen wollten.

Wir profitieren als Stadt von Innovation City roll out beim Klimaschutz und sind ein gefragter Partner in Hinblick auf die emmissionsfreie City-Logistik. Zum einen setzen Logistik-Carrier sie bei uns mit Elektrofahrzeugen selbst um und zum anderen haben wir mit Ruhr Valley einen Standort der Spitzenforschung genau auf diesem Sektor. Alles das bringen wir in unsere intensivierten internationalen Kontakte, zum Beispiel zu unserer Partnerstadt Beşiktaş, Istanbul, ein. Diese Mosaiksteine geben ein stimmiges Bild einer klar auf die Zukunft ausgerichteten Stadt.

Was wäre ein Indikator für Veränderung?

Dr. Klee: Kürzlich ist eine Immobilie in Herne für das 24fache verkauft worden.

Das Gespräch führte Dr. Gudrun Escher

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