Zwangsversteigerungen auf dem Rückzug

Nur noch 25.700 Zwangsversteigerungen nach 30.855 im Vj. 

Insgesamt wurden 25.740 Immobilien mit Verkehrswerten von 4,23 Mrd. Euro aufgerufen. Im Vorjahr waren es noch 30.855 Stück mit einem Volumen von 4,85 Mrd. Euro. In den 25.740 Terminen gingen die aufgerufenen Verkehrswerte um rund 600 Mio. Euro zurück (-12,7%). Im vergangenen Jahr 2017 ging die Zahl der Zwangsversteigerungen nahezu überall zweistellig um durchschnittlich 16,7% auf bundesweit ca. 26.000 Versteigerungen zurück. Lediglich die in der Vergangenheit schon gut situierten Hamburger mit hoher Immobiliennachfrage hatten durch den Basiseffekt mit -7,6% nur einstellige Rückgänge. (WR)

 

Insgesamt kommen nur 50% der eröffneten Zwangversteigerungsverfahren im Gerichtssaal an. Der Rest wird vor der Versteigerung freihändig verkauft. Zu diesen Ergebnissen kommt die Ratinger Argetra, die quartalsmäßig den Zwangsversteigerungsmarkt in Deutschland erfasst, in ihrem Jahresbericht. Dafür wurden die Termine von fast 500 deutschen Amtsgerichten ausgewertet. Die anhaltende Niedrigzinsphase verhindert lt. Geschäftsführer Axel Mohr derzeit viele Verfahren, weil die „Nachfrage nach Betongold“ weiterhin sehr groß sei. Allerdings würden mit steigenden Immobilienpreisen die Banken wieder höhere Anteile am Finanzierungsbedarf des Kunden übernehmen. Damit entstünden Blankoanteile, die für Banken Kreditrisiken darstellen.

 

Das vermeintlich risikoarme Geschäft bleibe weiter Treiber für die Abschreibungen bei Banken. Seit 2017 warne die Bundesbank vor systemischen Risiken durch zu hohe Beleihungen im Bereich der Baufinanzierungen. Gleichzeitig würden aktuell Teilungsversteigerungen, also Versteigerungen zwecks Aufhebung der Eigentümergemeinschaft aus Erbauseinandersetzungen und Scheidungen prozentual spürbar zunehmen. Auch die Wohnkreditrichtlinie werde weiter ein starker Treiber für mögliche Abwicklungen bleiben. Viele alte Menschen würden zwar in schuldenfreien Immobilien leben, aber keinen Kredit erhalten, wenn größere Renovierungen nötig werden. Das könne auch Mittfünfziger treffen, die wegen sinkender Einkünfte im Rentenalter keine Anschlussfinanzierung mehr erhalten.

 

NRW als bevölkerungsreichstes Land hat 25% Anteil am Gesamtmarkt und seit Jahren die Marktführerrolle. Die Termine im Jahr 2017 konzentrieren sich in der Mitte Deutschlands von West nach Ost. Allerdings finden in Bayern mehr Versteigerungen statt als in Sachsen-Anhalt. Der Flächenstaat Bayern entzerrt die Kumulierung auf Postleitzahlen und erscheint optisch risikolos – was aber täuscht. Betrachtet man die Anzahl der Termine pro 100.000 Haushalte, so ist die Zahl der anberaumten Zwangsversteigerungstermine zum Beispiel in Sachsen-Anhalt trotz eines Rückgangs von 13% noch immer fast vier Mal so hoch wie in Bayern. Durchschnittlich waren 63 Haushalte (VJ 75) bezogen auf je 100.000 Haushalte betroffen.

 

Zwangsversteigert werden zu ca. 70% Wohnimmobilien mit dem Löwenanteil bei Ein- und Zweifamilienhäusern gefolgt von Eigentumswohnungen. Den Rest von 30% teilen sich die Gewerbegrundstücke, Wohn- u. Geschäftshäuser, Grundstücke und sonstige Immobilien. Die Banken dürfen gerade die Finanzierungen von EFH und Wohnungen als risikoarmes Geschäft definieren. Aber genau hier steigen seit Jahren die Risiken. Damit sind Wohnimmobilien wieder die am häufigsten versteigerte Assetklasse.

 

In Hamburg wurden die höchsten Verkehrswerte mit durchschnittlich über 420.000 Euro je Immobilie aufgerufen. Thüringen bildet das Schlusslicht mit Durchschnittswerten von 73.000 Euro. Der Bundesdurchschnitt lag bei 164.000 Euro. In Hamburg und den neuen Ländern sind die durchschnittlichen Verkehrswerte rückläufig, während in den alten Ländern höhere Werte festgesetzt wurden. Bei den vierzig Städten mit den meisten Terminen führen wie 2016 Chemnitz, gefolgt von Leipzig, Berlin und Zwickau. Neu in der Blacklist der Top 40 Zwangsversteigerungsschwerpunkte sind Bautzen, Hannover und Ludwigslust. Dafür konnten sich Bochum und Bad Kreuznach ins Mittelfeld verbessern.

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