Zwischenbilanz: Wie steht es um den Wohnungsneubau in Berlin?

Die rot-schwarze Koalition hatte sich in puncto Wohnungsneubau in ihrer Legislaturperiode bis zum Jahr 2016 Großes vorgenommen: „Für den Bau neuer Wohnungen wollen wir unterschiedliche Akteure gewinnen. Genossenschaften und den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften kommt dabei besondere Bedeutung zu. Die Zahl der Wohnungen in landeseigener Hand wollen wir auf 300.000 Wohnungen erhöhen“, so ist im Kapitel 2 (Pulsierendes Berlin: Moderne Stadtentwicklung und starke Infrastruktur) der Koalitionsvereinbarung vom 23. November 2011 zu lesen.

Was ist seitdem passiert?

Im Rahmen einer Besichtigung von Wohnungsneubaustandorten hat der Senator
für Stadtentwicklung und Umwelt Michael Müller, zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern der sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften, Ende Juli 2013 einen Überblick
über die angelaufenen Wohnungsneubauprojekte der städtischen Wohnungsbaugesellschaften
gegeben.

In dem von Senator Müller initiierten „Bündnis für soziale Wohnungspolitik und bezahlbare Mieten“ haben sich die städtischen Wohnungsbaugesellschaften im September 2012 u. a. dazu verpflichtet, ihren Wohnungsbestand durch Zukäufe und Neubau um mindestens 30.000 Wohnungen auf mindestens 300.000 Wohnungen auszubauen.

Die Zwischenbilanz: „Schon nach einem Jahr wird deutlich: Wir sind auf dem richtigen Weg. Aktuell haben die städtischen Wohnungsbaugesellschaften schon fast 14.000 Wohnungen hinzu erworben, und auch der Neubau, der längere Vorlaufzeiten benötigt, geht jetzt aus der Planungsphase in die Bauphase, spricht sich Müller und den Seinen Mut zu.

Aktuell sind bei den sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften knapp 6.000 Neubauwohnungen in der Planung oder Bauvorbereitung, die sich auf 62 Einzelprojekte verteilen:

  • Die Degewo AG plant z. B.12 neue Wohnungsbauvorhaben mit insgesamt 1.604 Wohnungen, vorwiegend in Bezirken Steglitz-Zehlendorf, Treptow-Köpenick und Neukölln.
  • Die Gesobau AG möchte in Pankow und Weißensee 886 neue Wohnungen errichten.
  • Die Gewobag Wohnungsbau AG baut 389 Wohnungen in Pankow und Tempelhof-Schöneberg.
  • Die Howoge Wohnungsbaugesellschaft mbH errichtet 1.159 neue Wohnungen in Lichtenberg.
  • Die STADT und LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH entwickelt in Treptow-Köpenick und Neukölln 1.068 Wohnungen und die Wohnungsbaugesellschaft Mitte mbH setzt ihren Schwerpunkt auf Mitte und Friedrichshain und plant hier 557 Wohnungen.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass Müller seit seinem Amtsantritt einiges im Wohnungssektor auf den Weg gebracht wie das Mietenbündnis mit den Wohnungsbaugesellschaften, um den Mietenanstieg zu bremsen, eine Wohnungsbauleitstelle als Anlaufstelle einzurichten für alle Akteure am Markt, um Projektentwicklungen zu befördern, Abstimmungen zu beschleunigen und Flächenpotenziale zu aktivieren (denn Bauland hat Berlin genug) sowie Änderungen am Mietrecht, des weiteren einen Wohnungsbaufonds, der über fünf Jahre mit jährlich 64 Mio. Euro gefüttert werden soll, 32 Mio. kommen vom Land und die andere Hälfte sind Bundesmittel. Diese Gelder können städtische und private Unternehmen über die landeseigene IBB beantragen.

Subventionen wird es nicht geben, doch anders als früher gibt es diese Mittel nur, wenn die Mieten eine soziale Spreizung aufweisen (günstige Quadratmeterpreise werden durch höhere finanziert). Genau das machen jetzt die sechs kommunalen Gesellschaften. Auch erwähnt werden muss die Verlängerung der Schutzfrist für die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen von bisher sieben Jahre für einige ausgewählte Gebiete auf nun zehn Jahre für ganz Berlin. Der Immobilienbrief Berlin berichtete über alle Maßnahmen ausführlich.

Statistik gibt Müller recht

Und genau das macht Hoffnung. Denn anders als seine Vorgängerin, die sich auf diesem Ohr mehrt als taub stellte und beratungsresistent war, kommt einiges in Bewegung, die Statistik gibt Müller recht, denn seine Maßnahmen beginnen zu greifen.

So meldete das Amt für Statistik Berlin–Brandenburg am 8. August: Im ersten Halbjahr 2013 wurden in Berlin 4 026 geplante Neubauwohnungen genehmigt. Über ein Drittel mehr als im ersten Halbjahr 2012 (+36,8%). Während die Zahl für neue Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern um 11% anstieg, erhöhte sich die Zahl der geplanten Wohnungen in Mehrfamilienhäusern sogar um die Hälfte (+50,4%). Durch Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden, z. B. Dachgeschossausbau, werden dem Wohnungsmarkt weitere 896 Wohnungen zur Verfügung stehen. Die meisten Baugenehmigungen für Wohnungen sind in den Bezirken Pankow und Friedrichshain-Kreuzberg erteilt worden.

Mehr als 50 % Bauvorhaben im ersten Halbjahr

Insgesamt haben die Berliner Bauaufsichtsbehörden im ersten Halbjahr dieses Jahres 1.858 Anträge für Bauvorhaben im Wohn- und Nichtwohnbau genehmigt; 16,4% mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Wie vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg weiter gemeldet wird, sind im Berichtszeitraum 140 Genehmigungen (Vorjahreszeitraum: 101) für den Neubau gewerblicher Bauten mit einer Nutzfläche von 272 400 qm erteilt worden. Die veranschlagten Kosten aller im ersten Halbjahr 2013 genehmigten Bauvorhaben im Wohn- und Nichtwohnbau betrugen 1 454,2 Mio. Euro, das sind 50,3% mehr als vor einem Jahr.

Und die Zukunft?

Der Senator hat sich noch viel vorgenommen: Erst einmal hat er 25 der größten Neubau-Gebiete definiert, wo in naher Zukunft bis zu 40.000 Wohnungen gebaut werden könnten. Zudem will er den spekulativen Leerstand bekämpfen, ein Zweckentfremdungsverbot für Wohnraum durchsetzen, den Abriss von Wohnhäusern ebenso wie die Nutzung von Wohnungen durch Gewerbetreibende verhindern.

Der Aufschrei besonders der Lobbyverbände ist groß, doch nach Müller rechtfertigt die Wohnungsnotsituation der Stadt derartige Eingriffe. Haus & Grund steht schon in den Startlöchern, um ein solches Verbot wieder kippen zu lassen. Auch die Veränderung des Mietrechtänderungsgesetzes ist dem Verband ein Dorn im Auge.

 

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Kommentare
2 Kommentare zu “Zwischenbilanz: Wie steht es um den Wohnungsneubau in Berlin?”
  1. Bernd Bayreuth sagt:

    Ist dieser Beitrag Satire?
    „Die Statistik gibt ihm recht?“
    Wollen Sie wirklich erklären, dass die Steigerung der Neubauten ihren Grund in stärkerer Drangsalierung von Eigentümern zu suchen ist?
    Lohnt es sich denn mehr oder weniger, wenn mich der Staat zwingt die Wohnung länger zu halten und für die Wiederwahl der SPD auf Kosten der Vermieter gewohnt wird?
    Der einzige Grund für die Steigerung ist die Steigerung DER NACHFRAGE.
    Berlin ist die nachgefragteste Stadt in Europa – Mitte/Prenzlberg/Friedrichshain damit die nachgefragtesten Bezirke in ganz EUROPA – ja, das steigert NATÜRLICH den Preis. Denn wie soll sonst entschieden werden, wer die Wohnng bekommt? In Sozialistischen Staaten wurde das ja nicht „gerechter“ gelöst, sondern damit, dass man Schwager vom Politbüromitglied war – oder eben keinen Ausreiseantrag gestellt hat.
    Niemand hat ein Recht darauf am Kudamm oder in den hippsten Bezirken Berlins zu wohnen – wenn er das will muss er sich der Nachfrage seiner Mitmenschen stellen. Und Eigentümer zu enteignen, damit Mieter nicht eine halbe Stunde länger mit der S-Bahn von einer billigeren Wohnung anreisen wollen, ist brandgefährlich.

  2. Karin Krentz sagt:

    Sehr geehrter Herr Bayreuth,

    Ihr Kommentar ist unfair und unsachlich.

    Wo habe ich geschrieben, dass „die Steigerung der Neubauten ihren Grund in stärkerer Drangsalierung von Eigentümern zu suchen ist?“, wie Sie kritisieren?

    Und wie stets gibt es mehrere Gründe, auch, warum die Nachfrage steigt.

    Und zu Ihrem weiteren Verständnis: Prenzlauer Berg ist überfüllt, freiwillig zieht da keiner weg. Nun zieht die Karawane nach Kreuzkölln und Pankow.

    Und den Preis steigert nicht nur die Nachfrage, sondern auch die Gier der Verkäufer. Wie sonst ist zu erklären, dass z.B. ein Mietshaus in der Stresemannstraße für den Faktor 30 zum Kauf angeboten wird?

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