Ein verkannter Berliner Bezirk – Marzahn-Hellersdorf vorgestellt

25.März 2011   
Kategorie: News

 Der Bezirk Marzahn-Hellerdorf ist der jüngste Bezirk der Millionenmetropole Berlin, aber bei Weitem nicht der unwichtigste. Der seit dem 1. Januar 2001 fusionierte Bezirk Marzahn-Hellersdorf (Marzahn gegründet im Jahr 1979, Hellersdorf im Jahr 1986) mit 61,8 km² umfasst nicht nur das Großsiedlungsgebiet mit seinen ca. 100 000 Plattenwohnungen, in denen zwei Drittel der Bevölkerung leben, sondern auch die Kleinsiedlungen Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf, die sich auf zwei Drittel des Bezirks-Territoriums erstrecken und die größte zusammenhängende Ein- und Zweifamilienhaus-Siedlung Deutschlands bilden.

 Marzahn-Hellersdorf zählt 247 778 Einwohner, das Durchschnittsalter beträgt 38,4 Jahre. Das mittlere Pro-Kopf-Einkommen blieb mit 850 Euro auf dem Niveau der Vorjahre. Damit platzierte sich der Bezirk weiter im unteren Drittel der Rangfolge der Berliner Bezirke. Die Einwohner verfügen im Durchschnitt über eine Wohnfläche von 32,4 Quadratmetern (die geringste Berlins) und ihre Bruttokaltmiete ist die zweitniedrigste. Die durchschnittliche Mietbelastung bezogen auf das Haushaltsnettoeinkommen ist mit 19 % am geringsten.

 Doch der Bezirk ist, entgegen so manchen Vorurteilen, vorrangig im industriellen Bereich „gut durchtrainiert“. Marzahn-Hellersdorf verfügt als Industriestandort über große Industrieflächen und bietet damit beste Bedingungen für ansiedlungswillige Unternehmen. 16 000 Gewerbetreibende bringen das Potenzial auf Touren. Eine Power, die zudem im vergangenen Jahr vom Masterplan Industriestadt Berlin 2010 – 2020, einem Bündnis aus Senat, Wirtschaft und Gewerkschaften, energetische Schubkraft erhält. Pacemaker ist dabei die Auto-Motive-Industrie.

 Im GSG-HOF Wolfener Straße und an der Boxhagener Straße sitzen Weltmarktführer. Der Konzern Knorr-Bremse mit seinem historischen Firmensitz in Marzahn ist weltweit der führende Hersteller von Bremssystemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge. Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit vertrauen täglich Systemen von Knorr-Bremse. Was jedoch nicht heißen soll, dass die Power made in Marzahn-Hellersdorf dadurch gebremst wird. Apropos Pferdestärken. In jedem zweiten Motorrad der Marke BMW, das weltweit unterwegs ist, kommt mindestens ein Fertigungsteil aus Marzahn-Hellersdorf. Die Walter Automobiltechnik hat sich erfolgreich als Systemlieferant für die Motorradindustrie positioniert.

 Gleichzeitig gut positioniert ist die Gesundheitswirtschaft im Bezirk.  Neben dem Vivantes Klinikum Hellersdorf an der Myslowitzer Straße ist vor allem das Unfall-Krankenhaus Berlin (UKB) über die Stadtgrenzen bekannt mit seinen siebzehn Kliniken, in die Unfallverletzte und Notfallpatienten aus ganz Deutschland und dem Ausland eingewiesen werden. Deutschlandweit bekannt wurde das UKB durch seinen in den Medien als „Hand-Papst“ gehypten Handchirurgen Andreas Eisenschenk. Auch Berlins Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz hat sich schon nach einem beherzten Biss seines Lieblingsaffens vertrauensvoll in seine Hände begeben müssen.

 Alphatier-Attitüden entwickelt der Bezirk auch bei der Solartechnologie. Die Inventux Technologies AG in der Wolfener Straße ist ein Systemanbieter für Solartechnologie. Das 2007 gegründete Unternehmen hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem weltweit führenden Anbieter von Fotovoltaikanlagen entwickelt. Nachhaltige Technologie Made in Marzahn-Hellersdorf. Die Firma beschäftigt derzeit 240 Mitarbeiter – und wächst und wächst. In diesem Jahr soll die zweite Ausbaustufe realisiert werden.

 Dieses Jahr 2011 hat es sowieso in sich. Auf Berlins größtem zusammenhängendem Gewerbeareal, dem 1 200 ha großen Gewerbeband Berlin eastside, das bereits 2 500 Unternehmen aus den verschiedensten Sparten hervorragende Rahmenbedingungen bietet, wird ab 2011 der Clean Tech Business Park realisiert. Auf 90 ha entsteht hier in Teamarbeit von Bezirk, Senat und der Berlin Partner GmbH ein Gewerbepark speziell für Unternehmen aus dem Bereich Industrieproduktion z. B. für Solarzellen und -module sowie für weitere Produkte der Clean-Tech-Branche. Dynamik mit Weltmarktanspruch – Made in Marzahn, nicht mehr und nicht weniger. Im Jahr 2010 wurde mit dem US-amerikanischen Bezirk Los Angeles-Long Beach (L.A.-L.B. County) ein „Memorandum of Understanding“ zur Zusammenarbeit und zum Informationsaustausch unterzeichnet. Dabei geht es insbesondere darum, in beiden Metropolen Berlin und Los Angeles Ansiedlungsflächen für Industrieunternehmen im Bereich Erneuerbare Energien zu entwickeln.

 Mitten im Industriegebiet, am Rande der sechsspurigen Landsberger Allee, spuckt noch ein Unikum große Töne. Das ORWOhaus, größtes Musikerhaus in ganz Europa. Vielleicht sogar weltweit. Auf dem ehemaligen Standort des ostdeutschen Film-, Tonband- und Kassettenherstellers ORWO trifft sich auf sechs Etagen die Musikerszene, um zu proben oder in den Tonstudios neueste Songs aufzunehmen. Über 200 Bands, die einen großen Teil der Berliner Musikszene ausmachen und in den Berliner Clubs, in ganz Deutschland und auch in anderen Ländern auftreten, haben hier ein Musiker-Mekka entstehen lassen, das weit über die Grenzen Berlins und auch Deutschlands berühmt ist.

 Marzahn-Hellersdorf, das ist ganz oder gar nicht. Selbst am Broadway hinterlässt der Bezirk seine Spuren. Das Stück „I Am My Own Wife“, die aberwitzige Geschichte des Berliner Transvestiten Charlotte von Mahlsdorf, feierte in New York Bühnenrekorde. Das Gründerzeitmuseum Gutshaus Mahlsdorf am Hultschiner Damm gilt dagegen immer noch als Geheimtipp. Marzahn-Hellersdorf ist eben anders als erwartet.

 Quelle: www.hofkurier.de

Mit freundlicher Genehmigung der GSG und ergänzt um den Vorspann – KK

  Marzahn-Hellersdorf für Entdecker:

 Gärten der Welt: Grün, grün, grün ist alles was ich sehe. 21 ha großes Erholungsensemble mit Themenparks wie dem Japanischen oder Chinesischen Garten. Höchstleistungs-Gartenbaukunst mit Naherholungswert. www.gaerten-der-welt.de

 ORWO-Haus: die lauteste Platte der Stadt. www.orwohaus.de

 Bockwindmühle: Glück zu! Wenn Sie endlich mal wissen wollen, wie Getreide vermahlen wird. www.marzahner-muehle.de

 Gründerzeitmuseum: In dem Museum befindet sich die größte Gründerzeitsammlung Europas, zusammengetragen von Charlotte von Mahlsdorf. The show must go on. www.gruenderzeitmuseum.de

 Schloss Biesdorf: ehemalige hochherrschaftliche Siemens-Villa. Beeindruckendes Ensemble der Bau- und Gartenkunst. Im Schloss finden hochkarätige Events statt. www.stiftung-schloss-biesdorf.de

 Gewerbeareal Berlin eastside: das größte der Hauptstadt. Mit 2 500 Unternehmen und viel Platz für Neuansiedlungen. www.berlin-eastside.de

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