Heuschrecke Lone Star versilbert erste Assets – Ausverkauf der TLG Immobilien beginnt

13.September 2013   
Kategorie: Artikel des Tages, News

Nun also doch – eine Anzeige in der FAZ vom 13. September offenbart die Tatsachen. Finanzinvestor Lone Star, besser bekannt als Heuschrecke, bringt die Assets der TLG Immobilien auf den Markt. Erstes Opfer ist das wunderschöne Prinzessinnenpalais am Berliner Boulevard Unter den Linden.

Was folgt als nächstes? Darf es bitte die Kulturbrauerei an der Schönhauser Allee sein? Oder gerne das umsatzstarke Kino Cubix am Alexanderplatz? Finanzinvestoren sollten lieber gleich den Plattenbau Haus der Elektroindustrie am Alexanderplatz kaufen, das ist zwar voll vermietet, doch die Abrissdiskussionen rund um und über die Immobilien am trostlosen Alex in Berlin toben gerade. Der Ausverkauf also kann beginnen, immer nur zu.

Ende 2012 hat Lone Star vom Bund die TLG Immobilien für 1, 1 Mrd. Euro erworben. Wirksam wurde der Deal 2013. Nun macht die Heuschrecke was sie will. Nicht nur, dass dem Senat von Berlin durch den Share Deal die Grunderwerbsteuer entgeht (Herr Seehofer, bitte lesen Sie!), nun auch noch der Ausverkauf.

Finanzinvestoren tun eben das, was sie so tun müssen , denn 1 Milliarde hat auch eine Heuschrecke nicht gerade in der Portokasse, da müssen Kredite her und die will man schnell ablösen. Dem Bund sprich Finanzminister Schäuble kann es egal sein. „Die gegenwärtige Marktsituation war aus Sicht des Bundes ein idealer Zeitpunkt für den Verkauf der TLG-Gruppe“, so Schäuble im Dezember 2012.

Gegenwärtig wird das wundeschöne Palais (Architekt Friedrich Wilhelm Diterichs) restauriert. Nach dem Wiederaufbau des fast völlig zerstörten Hauses (Architekt Richard Paulick) im letzten Weltkrieg wurde es als Café genutzt und hatte sich als eine feste nicht nur gastronomische Größe in dem städtebaulichen Ensemble der Linden etabliert. Auch heute trägt es mit seiner architektonischen Eleganz erheblich zum touristischen Flair des Boulevards bei. Die Lage ist exzellent – unmittelbare Nachbarn sind das Kronprinzenpalais, rechts die Staatsoper, der Bebelplatz mit der Königlichen Bibliothek (Kommode), St. Hedwigs.-Kathedrale und Hotel de Rome.

Für die Immobilie gibt es nach der Sanierung drei Optionen, hieß es einst bei der TLG noch 2011. Eine davon wäre, das Haus wieder mit Gastronomie zu füllen, entsprechende Interessenten stünden vor der Tür. Aber auch anderen Nutzungen schien die TLG nicht abhold, so eigne sich das ehrwürdige Prinzessinnenpalais, 1733 erbaut für die drei Töchter von Königin Luise und König Friedrich Wilhelm von Preußen, auch als Deutschlandsitz eines global agierenden Konzerns, als Sitz einer Stiftung u.ä. Angedacht war ebenso eine Zukunft des hübschen Hauses mit seinem leichten erlesenem Charme als Business Club, Flagship-Store oder (aber ganz und gar abwegig!) Showroom für irgendwelche Automobile.

Gleichwohl, die Auswirkungen von Nutzungen dieser Art sind an der Alten Kommandantur, verpachtet an die Bertelsmann-Stiftung, an der Schloßbrücke jederzeit zu besichtigen – städtebauliche Leere weit und breit und eine Handvoll Touristen, die verstört in ihren Reiseführern nach Erklärungen für dieses Gebäude suchen.

Dass das Palais sich überhaupt im Besitz der TLG Immobilien befindet, grenzt fast an ein Wunder. Denn auf die Immobilie hatte das sog. Preußenvermögen, das Milliardenvermögen des früheren preußischen Staates, einen Restitutionsanspruch erhoben. Über Jahre dauerte der Streit, wer wem was gehörte. Während in der früheren Bundesrepublik Deutschland 1949 bis auf wenige Ausnahmen preußischer Besitz an die Landesregierungen übertragen wurde, machte sich in diesem Fall der Bund durch den Einigungsvertrag zum Eigentümer also auch des Prinzessinnenpalais. In der DDR hatte es zu einer Rechtsnachfolge des Vermögens des früheren preußischen Staates keine gesetzliche Regelung gegeben, lediglich eine geheime Anweisung aus dem Jahre 1961, wonach früheres preußisches Grundvermögen in den Grundbüchern in Volkseigentum umzuschreiben war. Der Antrag des Preußenvermögens, die Immobilie zu restituieren, wurde 1994 abschlägig beschieden. Ab dann gehörte das Prinzessinnenpalais zum Portfolio der TLG Immobilien.

Noch vor zwei Jahren, vor der Restaurierung, wurde Kaufinteressenten eine Absage erteilt. „Solch ein Sahneschnittchen verkauft man nicht“, hieß es bei der TLG noch vor dem Verkauf an die Heuschrecke.

Und nun das.

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