Schon vorher war Projekt festgefahren
Werner Rohmert, Hrsg. „Der Immobilienbrief“, Immobilienspezialist „Der Platow Brief“
Manche Menschen scheinen unsterblich. Man bewundert sie für ihr lebenslanges Engagement und ihre Arbeitskraft bis weit in die 80er Jahre. Echtes Interesse, Altersmilde und vielleicht auch Denkmal-Aspekte führen zu Mäzenatentum. Dennoch holt jeden die Biologie ein. Letzten Sonntag starb mit 89 Jahren Deutschlands zweitreichster Mensch. Klaus-Michael Kühne, der ein hohes Engagement für seine Heimatstadt Hamburg zeigte. Und für den Elbtower, der sich schon seit 2023 für den „Der Immobilienbrief“-Taschenrechner nur schwer rechnet, könnte sich die Situation noch einmal erschweren. Denn bereits wenige Tage vor dem Tod von Klaus-Michael Kühne hatte Medienberichten zufolge der Hamburger SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf mit Blick auf wohl festgefahrene Verhandlungen klar gemacht: „Es wird keinen Nachschlag geben“. Die Wahrscheinlichkeit der Umsetzung des Elbtowers schätzte er als gering ein.
Das Vermögen des zweitreichsten Deutschen ohne leibliche Erben geht in eine Stiftung. Nach aktuellen Informationen wird das Stiftungsmanagement das persönliche Engagement in Kultur/Oper, Fußball und auch im Elbtower fortführen. Demgegenüber steht aber die Verpflichtung des Managements gegenüber dem rein ökonomisch Stiftungszweck. Statt der in Deutschland üblichen Diskussion, welche bösen Absichten wohl hinter Geschenken wie z. B. einem neuen Opernhaus stehen, oder der „Ehre“, beim Elbtower dabei sein zu dürfen, wird es zukünftig wohl eher gegenüber Stadt und sonstigen Begünstigten heißen: „Der Betrag ist vom Erblasser budgetiert. Nehmen Sie ihn oder wir verwenden ihn alternativ für den normalen Stiftungszweck.“
Bereits seit Ende 2023 weist das PLATOW-/„Der Immobilienbrief“-Team darauf hin, dass es bei den Überlegungen zum Fertigbau des im Volksmund auch in mehreren Varianten unter Verwendung des Namens des damals verantwortlichen Bürgermeisters Olaf Scholz wie „Scholztower“ oder „Langer Olaf“ bekannten Signa-Projektes Elbtower, Probleme hat, den Fertigbau zu rechen bzw. noch einen Restwert für die Bauruine und das Grundstück zu errechnen (Nr. 563 ff. und Nr. 571 März 2024).
Der mögliche Durchbruch der Pläne des Projektentwicklers Dieter Becken war neben dem Einstieg prominenter Investoren, die teilweise bereits im Originalprojekt engagiert waren, wie eben Klaus-Michael Kühne, die schon investierte Versicherung Signal Iduna, Drogeriekönig und Buchautor Dirk Roßmann und das Bauunternehmen Adolf Lupp, insbesondere die Planung der Stadt Hamburg, die untersten zwölf Stockwerke des Elbtowers zu kaufen, um dort das neue Naturkundemuseum unterzubringen. Genau das schien bereits in den letzten Wochen an Begeisterung eingebüßt zu haben.
Wenn sich die Stadt vor dem Hintergrund der Unsicherheit auch zurückzieht, springen die Zeiger wieder auf Null und die Platow-/„Der Immobilienbrief“-Überlegungen aus 2023/2024 werden wieder virulent. Woher soll auch eine Änderung der Rahmenbedingungen kommen? Die Pleitewelle und Neujustierung der Immobilienberechnungen gehen eher noch weiter. Planungen der Elbtower-Zeit gehen einfach heute nicht mehr auf. Am Zinsumfeld hat sich nichts verändert. KI führt zumindest vorübergehend zu Büro-Investment-Zurückhaltung. Volkswirtschaft und Konjunktur bringen auch noch keinen Schub. Die Fertigstellungskosten sind weiter gestiegen. Inwieweit der wirklich notwendige Mietoptimismus für eine nicht allerbester Stadtlage dauerhaft trägt, ist vor dem Hintergrund des bekannten Drucks auf schwächere Immobilien und daraus resultierende Arbitrage-Effekte auch sehr ungewiss. Der Elbtower braucht neue Konzepte und vielleicht die Erkenntnis, dass der Wert der Bauruine zumindest in den kommenden Jahren bis zum nächsten Aufschwung eher vernachlässigbar ist. Ein Signal Iduna Vertreter machte nach der Pleite auf einer Messe mit Blick auf unsere Zweifel deutlich: „Wir stehen im Grundbuch, was soll uns passieren?“ Vielleicht gibt das den Einstieg in eine Lernkurve.