BER erhält Betriebserlaubnis

Übergabe des Flughafenbetreiberzeugnisses bei der Oberen Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg – „Wir machen einfach auf“, so ELD

Nein, eine Ingenieurleistung sei das nicht, ja, deutsche Ingenieure sollten sich schämen – so in etwa machte sich BER-Flughafenchef Prof. Dr.-Ing. Engelbert Lütke Daldrup/ELD bei der an sich frohen Verkündung der Gestattung des Betriebs für den BER seinen Gefühlen einigermaßen Luft. Seit der offiziellen Grundsteinlegung im Jahr 2006 haben sich die Kosten vervielfacht, Baupreise und -kosten sind bis heute ins unermessliche gestiegen, DIN-Normen allein bei den berühmt-berüchtigten -zig tausenden von Dübeln und Schrauben haben sich mehrmals verändert (das Land Brandenburg tat dann sein Übriges u.a. beim Brandschutz/Das Monster genannt dazu), verschwundene Bauunterlagen, manche zerrissen im Container wiederentdeckt, veränderte Bauplanungen (RBM Klaus Wowereit als Meister mit seinem Wunsch für den gerade etablierten Airbus 340 ein eigenes Dock zu erhalten) trieben alle zur absoluten Verzweiflung, u.a. allein 4000 Türen waren durch mehrere Umplanungen mehrere Male falsch zugeordnet und z.T. eingebaut) und der Schallschutz für die Anrainer – eine vor allem von jenen ignorierte Baustelle bis heute. Kein Flughafen der Welt, so ELD, sei vor seiner Inbetriebnahme so intensiv geprüft worden wie dieser.

Nun ist es ist endlich so weit: Die Gemeinsame Obere Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg (LuBB) hat der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) am 1. Oktober 2020 die Gestattung der Betriebsaufnahme sowie das Flughafenbetreiberzeugnis für den Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) überreicht. Beide Dokumente sind notwendig zum Betrieb eines Verkehrsflughafens in Deutschland und damit Voraussetzung für die Eröffnung des BER.

Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH: „Ich freue mich über diese beiden für uns wichtigen Zeugnisse der Luftfahrtbehörde. Wir konnten nachweisen, dass die gesamte Flughafenanlage und die eingebaute Ausrüstung den Vorgaben entsprechen und ordnungsgemäß funktionieren. Nachdem uns das Bauordnungsamt Ende April die Nutzungsfreigabe für das Terminal 1 erteilt, haben wir jetzt die letzten erforderlichen Bescheide, dass wir einen nach allen Vorschriften und Regularien betriebsbereiten Flughafen haben. Nach menschlichem Ermessen steht einer Eröffnung des BER am 31. Oktober 2020 nichts mehr entgegen.“

Guido Beermann, Minister für Verkehr und Infrastruktur des Landes Brandenburg: „Der Flughafen Willy Brandt ist eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte für Deutschland und wird entscheidend zur Entwicklung des Landes Brandenburg beitragen. Der BER wurde von der Gemeinsamen Oberen Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg auf Herz und Nieren geprüft. Mit der heutigen Übergabe der Bescheide haben wir nun den letzten wichtigen Meilenstein für die Inbetriebnahme des BER gesetzt.“

Bereits seit Juli 2020 hat die Flughafengesellschaft den BER im Rahmen des international eingeführten und bewährten ORAT-Programms gemeinsam mit 9.000 freiwilligen Testern erfolgreich getestet. Das Trainingsprogramm wird aber noch bis zum 15. Oktober 2020 mit dem Ziel der letzten Verfeinerung der Abläufe weitergeführt.

Die BER-Inbetriebnahme beginnt mit der Eröffnung des Terminals 1 des BER am 31. Oktober 2020. An diesem Tag werden parallel eine Maschine der easyJet sowie eine Maschine der Lufthansa ankommen und als Erste am Main Pier des neuen Terminals empfangen und abgefertigt werden. Am Morgen des 4. Novembers nimmt die FBB die südliche Start- und Landebahn mit der Landung einer Maschine der Qatar Airways in Betrieb. Ab diesem Tag gelten dann auch die neuen Nachtflugbeschränkungen des BER.

Enden wird der Umzug von Tegel zum BER mit dem letzten Flug AF1235 einer Air France von Berlin-Tegel nach Paris Charles de Gaulle am 8. November 2020. Der französischen Air France gebührt die Ehre, TXL offiziell mit diesem Flug zu schließen, denn sie war bei der Eröffnung am 2. Januar 1960 die erste Fluggesellschaft, die landen durfte, da TXL im damaligen Französischen Sektor von Berlin lag. Bis dahin wurde der Flughafen nur militärisch genutzt. +++

Terminziel erreicht: BER-Terminal 2 ist betriebsbereit

Weiterer Fortschritt am BER: Die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH und die ZECH Bau SE haben bereits Ende September die bauliche Fertigstellung des Terminal 2 am BER bekannt gegeben. Das Terminal 2 dient als Terminal für Abflug und Ankunft und hat eine Kapazität von 6 Millionen Passagieren jährlich. Es ist mit den Wartebereichen des Pier Nord, und damit auch mit dem Terminal 1, über zwei Brücken verbunden.

Mit eigenem Check-in, Gepäckaufgabe und -ausgabe, modernsten Sicherheitskontrollen und Serviceeinrichtungen sowie Einzelhandel und Gastronomie ergänzt das Terminal 2 die Kapazitäten des großen Fluggastterminal 1. Insgesamt verfügt der BER mit den drei Terminals 1, 2 und 5 über Kapazitäten für über 40 Mio. Passagiere.

Das Terminal 2 ist ein Schlüsselprojekt des Ausbauprogramms und wurde in der Rekordzeit von nur zwei Jahren komplett realisiert. Nachdem der FBB-Aufsichtsrat den Startschuss für das Terminal 2 am 7. Juli 2017 gegeben hatte, begann die Planung. Der Planänderungsbeschluss konnte am 18. Juli 2018 und die Baugenehmigung am 24. Juli 2018 erreicht werden. Die Vergabe an den Generalunternehmer erfolgte am 17. September 2018. Baubeginn war im Oktober 2018. Das Richtfest fand am 30. Juli 2019 statt. Im Sommer 2020 wurde das Gebäude fertiggestellt und alle Sachverständigenprüfungen sowie die Wirkprinzipprüfung erfolgreich abgeschlossen. Die Anzeige der Nutzungsaufnahme konnte in dieser Woche für das Terminal 2 bei der Bauaufsichtsbehörde eingereicht werden.

Die Kosten des Gesamtprojekts mit Bau von Terminal 2, der Planung und Erschließung sowie dem Bau des Bundespolizeigebäudes liegen im geplanten Gesamtbudget von 200 Mio. Euro

Doch dem BER geht das Geld aus

Doch Aufatmen ist nicht – Hohe Schulden, neue Kreditaufnahmen und eine Verweigerungshaltung von Bund und der Länder Berlin und Brandenburg bremsen die Euphorie, es endlich geschafft zu haben. Über 300 Mio. Euro benötigt die Flughafengesellschaft, und zwar sofort, um wieder flüssig zu sein und Schulden zu bedienen. Auch die Corona-Pandemie hat ein Riesenloch in den Haushalt gerissen, quasi monatlich halbierten sich die Fluggastzahlen, erste Mitarbeiterentlassungen hat es schon gegeben, Kurzarbeit ist an der Tagesordnung. Fehlplanungen, Verzögerungen und Baumängel lassen die Kosten auf mehr als sieben Mrd. Euro steigen. Ursprünglich sollten es einmal zwei Mrd. sein. Auch deshalb hat ELD offiziell erklärt, die deutschen Ingenieure sollten sich für diese Leistung eigentlich schämen. Die Party am 31.Oktober 2020 ist obsolet, „wir machen einfach auf“, so ELD.