FINANZIERUNGSINDEX DIFI ERHOLT SICH ZUM JAHRESSTART

Gegenwart bleibt trostlos, aber Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt

Die aktuelle Lage werde im Deutsche Immobilienfinanzierungsindex (Difi), der von JLL und dem Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) erhoben wird, nach wie vor pessimistischer eingeschätzt als die längerfristigen Zukunftsaussichten, resümiert JLL. Die Stimmung unter den befragten deutschen Finanzierungsexperten habe sich aber zum Beginn des Jahres 2024 aufgehellt. Der Difi habe im Q1 im Vergleich zum Vorquartal 25,5 Punkte gutgemacht und bliebe aber mit -12,8 Punkten negativ, läge allerdings deutlich besser als am Tiefpunkt Ende 2022.(WR+)

Quartalsweise wird die Lage am Kreditmarkt jeweils 6 Monate zurück und voraus bewertet. Der zukunftsorientierte Erwartungsindikator nur noch minimal im Minus. Der Situationsindikator verbessere sich zwar, bleibe aber tiefrot. Die deutlich positivere Einschätzung der kommenden Monate beruhe in erster Linie auf den erwarteten Zinssenkungen der Notenbanken, so Jan Wedemeier, HWWI. Das könnte aus Sicht von „Der Immobilienbrief“ aber noch Stolperfallen beinhalten. Schließlich setzt nach den Energiekosteneskapaden in beide Richtungen erst jetzt die „normale“ Lohn-/Preisspirale in der Kerninflation an.

Alle betrachteten 5 Nutzungsarten Büro, Einzelhandel, Logistik, Wohnen und Hotel konnten zum Jahresbeginn Punkte hinzugewinnen. Das Wohnsegment legte am stärksten zu und ist jetzt die einzige Nutzungsart mit einer positiven Gesamtbewertung. Schlusslicht bleibt das Bürosegment. Es konnte sich zwar verbessern, bleibt aber weit abgeschlagen hinter den anderen Nutzungsarten zurück. Auffallend sei hier die besonders große Lücke zwischen der Bewertung der aktuellen Lage und der künftigen Entwicklung, kommentiert Helge Scheunemann, Head of Research JLL Germany. Der Vermietungsstand von Büroimmobilien sei nach der Mikrolage für Finanzierer das zurzeit zweitwichtigste Kriterium bei der Kreditvergabe. Knapp dahinter folgen die Mieterbonität und die Bonität des Kreditnehmers. Vergleichsweise unbedeutende Faktoren seien die Homeoffice-Affinität des Mieters sowie die Branche des Mieters. Auch die Laufzeit der Finanzierung wird von den Fachleuten als eher nachrangig bewertet. Perspektivisch werde das Thema ESG-Zertifizierung an Bedeutung gewinnen und sich von aktuell Rang 7 auf den 2. Platz schieben. Banken blieben bei Bürofinanzierungen nach wie vor sehr vorsichtig. Das gelte Bauprojekte und Bestand. Projektenwickler müssten deutlich mehr Eigenkapital zeigen. Businesspläne mit Mietsteigerungen würden in der Regel nicht unterstützt. Dieser en passant Passus ist für „Der Immobilienbrief“ interessant, da er ja unsere Skepsis hinsichtlich der Mietentwicklungen stützt.  ■