JLL-Jahrespressenkonferenz zeigt: „Deutschland ist billig“

16.Dezember 2019   

Kategorie: Artikel des Tages

Die klassische Gleichung der Volkswirtschaft „I=S“ – die Wirtschaft investiert in Produktionsmittel, was der Bürger spart – wird durch die Geldpolitik ad absurdum geführt. Investition ist heute Kapitalanlage. Davon profitiert die Immobilienwirtschaft. Die Effekte machte die 20. Jahrespressekonferenz von JLL am Dienstag deutlich. Mit „Deutschland ist nach wie vor billig“ relativierte EMEA Research-Chefin Hela Hinrichs auf der 20. Jahrespressekonferenz von JLL die unvermeidliche Frage der Journalisten nach einer Blasenbildung. JLL sieht zwar Konsolidierung im immobilienwirtschaftlichen Zahlenwerk, jedoch keine Änderung der generellen und auch globalen Trends für die professionelle Immobilienwirtschaft. Das bedeutet aus „Der Immobilienbrief“-Sicht allerdings auch, dass die Umverteilung vom Sparer und Mieter zum Investor weitergeht. Der aktuelle Blick auf die Immobilienwirtschaft sieht aber eine Branche in vollem Saft mit hoher Investoren- und Nutzernachfrage bei steigenden Preisen und Mieten im anhaltenden Niedrigstzinsumfeld.

Büro und Wohnen sei in Relation zu vergleichbaren internationalen Standorten in Deutschland deutlich billiger. Das „Deutschland ist billig“-Anti-Blasen-Argument von JLL EMEA Chefresearcherin Hela Hinrichs passt genau zu den „Der Immobilienbrief“-Analysen im Expo Real Special, in dem wir die Sichtweise externer, internationaler Investoren analysierten, die sich ohne Erfahrungsprägung vorbehaltlos mit den deutschen Märkten beschäftigen. Das gilt allerdings nur für die jeweiligen Topsegmente. Im kleinteiligen Bereich ziehen oft andere Mechanismen.

Aus den internationalen Kontakten von JLL deute zudem vieles darauf hin, dass Deutschland auf einem „erfolgversprechenden Weg“ sei, seinen guten Ruf selbst zu ramponieren, meint JLL Deutschland CEO Timo Tschammler. Das gelte für den Produktionsstandort ebenso wie für die Politik, in der die Ränder eine Sogwirkung entfalten würden. Wie das renommierte „Trust-Barometer“ der amerikanischen Kommunikationsagentur Edelman registrierte, stürzte das Vertrauen der entwickelten Volkswirtschaften in deutsche Unternehmen innerhalb von wenig mehr als 12 Monaten um drastische 15%-Punkte auf 44% weit in die Misstrauenszone ab. „Made in Germany“ habe dadurch merklichen Schaden genommen.

Alle Anzeichen sprächen trotz der weltweiten Spannungsfelder dafür, dass es der Immobilienbranche auch 2020 und darüber hinaus gut gehen werde, erwartet Tschammler. Das Niedrigzins-Umfeld werde auch unter Christine Lagarde in absehbarer Zukunft keine Veränderungen erfahren. „Was nämlich schlecht ist für den Sparer, ist von Vorteil für den Investor“, bestätigt Tschammler. Nachlassender Neubau erhöhe die Angebotsknappheit und verteuere das Wohnen für die Haushalte, spendet gleichzeitig Research-Leiter Deutschland Helge Scheunemann wenig Trost für die privaten Sparer und Mieter, die damit aus Sicht politischer Interpretation die Zeche für die opulenten Zeiten der institutionellen Investoren zahlen. Das wird aus Platow-/“Der Immobilienbrief“-Sicht die politischen Ränder noch weiter stärken. Gleichzeitig stellt sich mit auf die Zyklen der Wertentwicklung die Frage, ob der Superzyklus unendlich weitergeht.

Andererseits mindern anhaltend niedrige Zinsen das Crash-Risiko der hochverschuldeten EU-Länder und Unternehmen und dynamisieren den Immobilien-Investmentmarkt, begründet Tschammler die positive Wirkung niedriger Zinsen. für die Immobilienmärkte. Immobilienrenditen blieben für institutionelle Investoren auf absehbare Zeit attraktiv, wenn nicht sogar alternativlos. Zu diesem Zinsumfeld gesellten sich allein in Deutschland in den kommenden 5 Jahren über 800 Mrd. Euro fällig werdende deutsche Staatsanleihen, deren Kapital alternativ angelegt werden müsse. Marcus Lütgering, Head of Office Investment Germany, sieht gleichzeitig die zunehmende Professionalisierung politischer Instrumente als wichtiges Element, das eine früher eher mögliche, scharfe Abwärtsbewegung volkswirtschaftlich verhindern werde, so dass durchaus von einer Abflachung des Zyklus auf hohem Niveau ausgegangen werden könnte.

 

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