Metropole über Nacht – 100 Jahre Groß-Berlin

29.April 2020   

Kategorie: Artikel des Tages

Am 27. April vor 100 Jahren wurde das moderne Berlin gegründet. Um 12 Uhr 30 eröffnete der Parlamentspräsident die Preußische Landesversammlung zur Entscheidung über die kommunale Verwaltungsreform – von den 313 Abgeordneten stimmten 165 dem Gesetz zur „Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin“ zu, acht mehr als nötig. Das Sitzungsprotokoll vermerkt „Beifall bei der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei“ sowie „Zischen rechts“. Als der linke Abgeordnete Weyl ruft: „Es lebe das neue Berlin!“, entsteht „große Unruhe“. Das berichtet der Checkpoint.

Davor waren Charlottenburg, Köpenick, Lichtenberg, Neukölln, Schöneberg, Spandau und Wilmersdorf eigenständige Städte. Zusammen mit etlichen Landgemeinden und Gutsbezirken wurden die heutigen Bezirke eingemeindet. Buchstäblich über Nacht wurde Berlin zu einer Weltmetropole und zur drittgrößten Stadt der Welt nach London und New York. Rechtlich wirksam wurde die Schaffung Groß-Berlins zum 1. Oktober 1920. Noch heute ist Berlin ein loses Gefüge aus den gefühlt 24 Kleinstädten, von denen jede ihre eigenen Ressentiments gegenüber der anderen pflegt. Völlig ad absurdum geführt wurde das vereinigte Berlin mit der von der damals regierenden CDU unter Klaus-Rüdiger Landowsky durchgedrückten Verwaltungsreform 2001, in deren Ergebnis aus den 24 Bezirken die heutige Stadt mit zwölf Bezirken entstand.

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