Fonds-Check: Lieber Solaranlagen statt Kinofilme

10.März 2010   

Kategorie: Der Fondsbrief

Chorus bleibt beim Trendthema Sonnenenergie – Dritter Fonds im Vertrieb

Konsequent bleibt die Chorus-Gruppe aus Neubiberg bei München um Ex-Conti-Mann Peter Heidecker und seinen Co-Geschäftsführer Heinz Jarothe am Trendthema Solar dran und räumt so sukzessive den Verdacht aus, nur als kurzentschlossener Trittbrettfahrer in einem boomenden Markt zu agieren. Wie die beiden Vorgänger, die in Italien und Deutschland investieren wollen, ist auch das aktuelle Angebot ein Blind Pool, der sich allerdings deutlich vom ersten Italienfonds der Chorus unterscheidet: Diesmal ist der Partner von Anfang an fest eingebunden, und das Planvolumen von 10,5 Millionen Euro Eigenkapital ist der Post-Finanzkrisen-Ära angemessen.

 

Markt: Italien bleibt 2010 die beliebteste Destination für Solarfonds: Die Vergütung ist für Anlagen, die bis Ende des Jahres ans Netz gehen, 20 Jahre lang gesichert und wird jährlich indexiert. Der Fixpreis liegt bei 34,57 Cent pro Kilowattstunde, dazu kommen gestaffelte Beträge von 7,45 bis 10,10 ct/kWh je nach Anlagengröße. Wieviel genau für neue Anlagen ab 2011 bezahlt werden wird, ist noch ungewiss – das Rattenrennen um pünktlichen Netzanschluss projektierter Anlagen ist demnach bereits voll im Gange. Die Genehmigungsverfahren in Italien dauern erfahrungsgemäß etwas länger als hierzulande und erfordern gute Kontakte vor Ort.

 

Investitionsobjekt: Das Projektrisiko möchte Chorus möglichst vermeiden; die Fondsgesellschaft erwirbt deshalb über die Chorus Solar 3 S.r.l. & Co. italienische Betriebsgesellschaften für die jeweiligen Photovoltaik-Anlagen. Über neun Anlagen mit jeweils rund 1 Megawatt Peak (MWp) Nennleistung ist ein Rahmenvertrag abgeschlossen worden. Die Investitionskriterien sehen vollständig projektierte Anlagen mit allen notwendigen Genehmigungen, Netzanschluss und absolviertem Probebetrieb mit einer Investitionsrendite von über elf Prozent vor, für die ein verbindliches Finanzierungsangebot vorliegen muss. Chorus geht von einem Kaufpreis von 4.445 Euro pro kWh aus. Besteht die finanzierende Bank auf dem Einsatz deutscher Solarmodule, dürfen es bis zu 200 EUR mehr pro kWh sein. Eine Preisgleitklausel federt das Risiko eines verspäteten Netzanschlusses ab. Montiert werden sollen fest aufgeständerte Module des chinesischen Herstellers Suntech. Er ist an der New Yorker Börse gelistet, so dass sich eventuelle Haftungsansprüche leichter durchsetzen lassen. Die Wechselrichter sollen von Kaco kommen und – positiv an den geplanten Standorten in Süditalien – eine gute Hitzetoleranz aufweisen. Die Fondsgesellschaft kann auch außerhalb des Rahmenvertrages einkaufen, wirtschaftlich vergleichbare Rahmendaten vorausgesetzt. Der Erwerb von Dachanlagen ist zwar grundsätzlich möglich, jedoch nicht geplant.

 

Kalkulation: Beim Planvolumen von 10,5 Millionen Euro Eigenkapital sollen 35,2 Millionen Euro Fremdkapital über 17 Jahre aufgenommen werden, die entsprechend dem KfW-Programm Erneuerbare Energien über zehn Jahre fix zu fünf Prozent und danach mit 6,5 Prozent Verzinsung kalkuliert werden. Für 2,5 Millionen Euro übernimmt die Chorus Vertriebs GmbH eine Platzierungsgarantie, so dass mindestens 2 MWp realisiert werden können. Platzierung und Investition sollen bis Ende Juni 2010 abgeschlossen sein – beim Vorgängerfonds hat das nicht zeitgleich geklappt. Die Degradation von jährlich 0,3 Prozent wird ab 2012 angesetzt, ein marktüblicher Wert. Bezüglich der Stromvergütungsindexierung geht der Prospekt von jährlich 2,5 Prozent aus

 

Einnahmen: Unter der Annahme, dass der Restwert der Anlagen nach 20 Jahren den Abbaukosten entspricht, errechnet Chorus eine Gesamtausschüttung von 265 Prozent des Zeichnungsbetrages, ein eventueller Verkaufserlös käme dazu. Übt der Anleger sein Sonderkündigungsrecht nach zehn Jahren aus, sollte sich sein Gesamtmittelrückfluss auf 174 bis 183 Prozent seines Zeichnungsbetrages belaufen. Ein Verkauf der Anlagen nach Auslaufen der garantierten Vergütung könnte je nach dann geltendem Strompreis noch einmal zwischen 40,5 Prozent und 91 Prozent des Zeichnungskapitals einbringen, die Verkaufsgebühr für das Fondsmanagement ist hierbei schon einkalkuliert.

 

 

Kosten: Chorus geht davon aus, die Höhe der jeweiligen Grundstückspacht in Abhängigkeit vom Stromertrag verhandeln zu können. Für die Kalkulation werden 2,5 Prozent der jährlichen Stromproduktion angenommen. Auf Ebene der Fondsgesellschaft fallen für Treuhänder, Geschäftsführung, Haftung, Steuerberatung und sonstige Kosten jährlich rund 0,9 Prozent des Kommanditkapitals an, ab 2011 steigen diese Kosten jährlich um 1,5 Prozent. Der Wartungsvertrag kostet jährlich 9,3 Prozent des Stromertrages, bei überplanmäßigem Erlös erhält der Anlagenpartner a+f einen Bonus.

 

Anbieter: Der erste Italiensolarfonds der Chorus-Gruppe steht nach der Schließung im vergangenen November bereits kurz vor der Übernahme der PV-Anlagen, auch hier fungiert die Gildemeister-Tochter a+f GmbH als Technikpartner. Sie errichtet seit 2004 schlüsselfertige Solaranlagen und hat bis Ende vorigen Jahres insgesamt 70 MWp installiert. Seit 1998 hat das Unternehmen geschlossene Fonds mit einem Volumen von rund 500 Millionen Euro platziert. Dabei handelte es sich im Wesentlichen um Medienfonds der Apollo-Gruppe. Wie bei nahezu allen Medienfonds laufen auch diese Angebote in der Regel nicht so wie erhofft.

 

Meiner Meinung nach… Blindpools sind bei Solarfonds inzwischen weitgehend salonfähig geworden, obwohl sie im Vergleich zu Beteiligungen an feststehenden Bestandsanlagen zusätzliche Risiken bergen. Im Gegenzug bieten sie die Chance auf günstige Einkaufspreise. Dreh- und Angelpunkt sind erfahrene Partner mit Zugang zu soliden Projekten und finanzierenden Banken. Bei kürzerem Anlagehorizont ist das Sonderkündigungsrecht nach zehn Jahren eine Option – zu viele Anleger sollten es jedoch nicht wahrnehmen, sonst könnte ein Verkauf einzelner Anlagen zur Liquiditätsbeschaffung nötig werden.

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