Real I.S. Vorstand Jochen Schenk: „Banken öffnen sich neuen AIF-Konzepten“

„Ich sehe bei den Banken und Sparkassen wieder den Willen, ihren Kunden Sachwerte anzubieten“, sagt Jochen Schenk, im Vorstand der Bayern-LB-Tochter Real I.S. unter anderem zuständig für das Publikumsgeschäft. Er hat Bewegung in den Vertriebsabteilungen der Banken festgestellt, eine spürbare Veränderung zum Guten.

„Die Häuser kommen zurück, sie sind offen für neue Konzepte, regionale Themen. Sie haben erkannt, dass ohne Immobilien etwas wichtiges fehlt in der Beratung.“ Schenk räumt aber auch ein, dass das deutliche Interesse an den Produkten nicht zwangsläufig Umsatz bedeutet. „Das ist ein langer Weg. Wir müssen immer noch viel Scherben wegräumen, die Unternehmen wie Wölbern oder S&K hinterlassen haben.“

Jochen Schenk betont, dass die Regulierung dabei sehr hilfreich ist. Das Kapitalanlagegesetzbuch führe dazu, dass sich die Banken dem Produkt AIF wieder öffnen. Und auch das ist eine Konsequenz der neuen Fonds-Welt: Anders als früher würden die Vertriebe inzwischen einheitlicher auftreten und nicht mehr ihr eigenes Süppchen kochen.

„Wenn Sie früher mit drei Banken über Produkte gesprochen haben, bekamen Sie vier Meinungen. Inzwischen stimmen sich unsere Vertriebspartner untereinander ab“, berichtet Schenk. Vor der Regulierung mussten die Initiatoren teilweise für jede Bank oder Sparkasse individuelle Verkaufsunterlagen präsentieren, insbesondere zu rechtlichen Punkten. Was dem einen wichtig war, spielte bei dem anderen keine Rolle. Und ein weiterer hatte zu bestimmten Themen wiederum eine ganz andere Meinung.

Nun verständigen sich sowohl die Anbieter als auch die Vertriebe zum Beispiel auf eine einheitliche Widerrufsbelehrung, Berechnung des NAV und Gestaltung von Zeichnungsscheinen. „Das wird eine Initialzündung, wesentliche Häuser der Branche unterstützen das“, so Schenk.

Er räumt allerdings auch ein, dass gerade im juristischen Bereich Vieles heute noch Auslegungssache ist. „Das ist bei offenen Fonds und Spezialfonds anders. Da gibt es ein BaFin-Standardwerk, an dem sich die Fondsanbieter orientieren.“ Verantwortlich dafür ist der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI). Der Gesetzgeber dagegen hält sich raus, er belässt es lediglich bei Rahmenbedingungen.

Wenn der BVI für seine Mitglieder solche Standards setzt, hat der Branchenverband für die Anbieter der geschlossenen AIF, der BSI Bundesverband Sachwerte und Investmentvermögen, dann seine Hausaufgaben nicht gemacht? „Es passiert jetzt alles im Zeitraffer“, meint Schenk. „Ich sage das auch als Mitglied im Vorstand des BSI. Wir haben alle Themen auf dem Schirm und sind die Treiber dahinter. Auch bei den offenen Fonds war das außerdem keine Sache von einem halben Jahr, sondern von Jahrzehnten. Wir haben ohne Zweifel den Ehrgeiz, die bestimmenden Themen in möglichst kurzer Zeit umzusetzen.“

In einigen Punkten sei das bislang gelungen. Beispiel Kostenklausel: Hier habe der BSI in zahlreichen Gesprächen mit der BaFin eine praktikable Regelung durchgesetzt. „Nur am Rande: Ich kann nicht nachvollziehen, wenn es ständig heißt, die BaFin würde die Wirtschaftlichkeit der Fonds nicht überprüfen. Besonders beim Thema Kosten stellt sich die Behörde stets auf die Seite des Anlegers und findet deutliche Worte, wenn sie ihrer Ansicht nach zu hoch ausfallen“, stellt Schenk klar.

Real I.S. hat sich mit der Vermarktung seines ersten regulierten Fonds vergleichsweise viel Zeit gelassen. Der „Real I.S. Grundvermögen“ war bestimmt schon ein halbes Jahr lang von der BaFin gestattet, bis der Initiator den Vertrieb gestartet hat. Er hat zunächst zwei Immobilien für das Portfolio gekauft, um nicht als Blind Pool in die Eigenkapital-Akquise zu
gehen. „Früher ist der Berater mit der Einzelimmobilie umgegangen. Jetzt, in der Zeit der Umstellung, ergibt es Sinn, den Entscheidungsträgern nicht nur das Konzept des neuen Fonds vor-zustellen, sondern darzustellen, dass wir es in der Realität auch einhalten“, sagte Schenk kürzlich im Video-Interview mit Fondsbrief-Chefredakteur Markus Gotzi für den wmd.broker-channel (https://www.wmd-brokerchannel.de/bc/itemshowone.php4?id=94678).

Einen Ein-Objekt-Fonds, wie ihn auch die Real I.S. früher typischerweise initiiert hat, schließt Schenk dauerhaft nicht aus, plant ihn derzeit aber auch nicht. Dafür gibt es ganz pragmatische Gründe: „Der Fonds mit lediglich einem Objekt passt von der Risikostruktur her ins Portfolio der sehr vermögenden Private Banking Kunden. Ein diversifiziertes Angebot mit mehreren Objekten und verteilten Risiken ist auch bei anderen Privatkunden in der Vermögensaufteilung angebracht.“ ¨

 

 



Über den Autor

Markus Gotzi

 

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