VGF legt Vorab-Studie zur Performance seiner Mitglieder vor

Geschlossene Fonds? Alles Mist, oder? Schiffspleiten, Schrottimmobilien, Steuerrückforderungen aus Medienfonds – die Massenmedien finden genügend Anlässe, auf die Branche einzudreschen (siehe auch Editorial).

 

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Um zu belegen, wie viel Geld Anleger mit den Beteiligungsmodellen gemacht haben, hat der VGF 799 bereits aufgelöste Angebote seiner Mitglieder unter die Lupe genommen. Unter dem Strich steht ein durchschnittlicher Vermögenszuwachs von 48 Prozent. Ein eindrucksvolles Ergebnis, das jedoch ebenfalls nur ein Schlaglicht auf den gesamten Markt wirft.

 

Um seine Ergebnisse nicht angreifbar zu machen, spricht der VGF selbst von einer Vorstudie, ein Testlauf quasi für eine umfangreichere, überarbeitete Untersuchung. Strittig sind zum Beispiel die Aussagen zu den früheren Flugzeugfonds. „Das waren in der Regel Leasingmodelle mit einer Konzeption, die nur einen Mini-Gewinn auswies“, so VGF-Vorstands-vorsitzender Oliver Porr. Entscheidend sei der Effekt der Steuerstundung gewesen. Außerdem bleibt die Gewerbesteuererstattung unberücksichtigt.

 

In seiner Studie hat der VGF alle Fonds seiner Mitglieder analysiert, die bis 2010 aufgelöst wurden. Grundlage waren vor allem die jeweiligen Leistungsbilanzen. In die folgende Untersuchung sollen auch laufende Fonds einfließen. Allerdings ist noch nicht letztlich geklärt, nach welchem Schema.

 

In der vorliegenden Untersuchung stellen Schiffe den Löwenanteil, gefolgt von deutschen und ausländischen Immobilien.  Ob sich die Investition gelohnt hat oder nicht, drückt der Vermögenszuwachs aus, den der VGF nach Steuern ausweist und dabei einen Satz von pauschal 50 Prozent zu Grunde legt. Erfolgreich waren 652 Fonds, was einer Quote von 82 Prozent entspricht. Mehr als die Hälfte davon (354 Fonds) erzielten für ihre Anleger ein Plus von mehr als 50 Prozent. Die durchschnittliche Laufzeit der jeweiligen Assetklassen liegt dabei zwischen 5,8 Jahren bei Energiefonds und 13,8 Jahren bei deutschen Immobilienfonds. Im Schnitt beträgt sie 9,7 Jahre. Daher darf auch nicht überraschen, dass die lang laufenden Deutschland-Immobilienfonds mit 73 Prozent den höchsten Vermögenszuwachs erwirtschafteten (siehe Grafik oben). Auslandsimmobilien benötigten nur gut acht Jahre, um ihren Anlegern ein Plus von 68 Prozent zu bescheren. Schiffe wurden im Schnitt nach 8,4 Jahren verkauft und brachten 50 Prozent.

 

Alle Ergebnisse sind rückwärts gerichtete Betrachtungen. Vor allem bei den Schiffen werden aktuellere Untersuchungen zu ganz anderen Ergebnissen kommen. Verantwortlich dafür sind die Pleiten aus dem Jahr 2011 und die vorhersehbaren Insolvenzen der kommenden Monate und Jahre. Nicht zu vergessen die Medienfonds. Hier wissen die Anleger angesichts der Steuerrückforderungen erst in einigen Jahren, wie hoch die tatsächlichen Verluste sind.

 

Und was ist mit den Misserfolgen ehemals bedeutender Anbieter, die schon längst vom Markt verschwunden sind? Beispielhaft zählt der VGF Dr. Görlich, Fundus und Kapital-Consult zu dieser Kategorie. Arbeiten die Kandidaten nicht aktiv mit, wird der Verband kaum in der Lage sein, an aussagefähige Ergebnisse zu kommen.

 

Meiner Meinung nach… Eine Momentaufnahme. Genau das ist die Vorstudie des VGF. Sie belegt, welche Ergebnisse die bis einschließlich im Jahr 2010 aufgelösten Fonds der 41 Verbandsmitglieder erwirtschaftet haben. Sie trifft keine Aussage zu aktuellen Beteiligungen. Sie berücksichtigt weder die oft katastrophalen Investments ehemaliger Marktführer, die nicht ohne Grund in der Versenkung verschwunden sind, noch die Angebote der Glücksritter, die in Dubai und sonst wo das Kapital ihrer Kunden verbrannt haben. Muss sie auch nicht. Die Studie spiegelt einen Ausschnitt des Gesamtmarktes wider, und zwar nicht den geringsten. Immerhin verwalten die VGF-Mitglieder mit einem Investitionsvolumen von 142 Milliarden Euro mehr als 70 Prozent des gesamten Kuchens. Klar ist auch, dass die guten Ergebnisse in späteren Studien nicht wiederholt werden können. Dafür wird die Schneise der Verwüstung auf Grund insolventer Schiffsfonds zu breit sein. Egal. Trotz Pleiten und Pannen zeigt sich erstmals wissenschaftlich erarbeitet, dass geschlossene Fonds durchaus lohnenswerte Investments sein können. Und die Aussage ist wahrhaftiger als die ständig kolportierten 30 Milliarden Euro, die deutsche Anleger angeblich Jahr für Jahr auf dem grauen Kapitalmarkt verbrennen.

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