Standortvergleich – Straubing sticht München beim Pro-Kopf-Umsatz

26.März 2013   

 

Die große Bedeutung von Städten wie München, Berlin und Hamburg für Kunden und Einzelhandel ist unbestritten. Das Angebot an Marken und Handelskonzepten ist nirgends in Deutschland größer. Und auch die Frequenz ist erheblich. Doch die Spitzenreiter in der Rangliste mit dem höchsten Einzelhandelsumsatz pro Kopf und der höchsten Einzelhandelszentralität sind in der Provinz zu finden.

In Ländern wie Großbritannien und Frankreich richtet sich der Fokus der internationalen Einzelhändler und Investoren auf die Hauptstädte London und Paris. Davon unterscheidet sich Deutschland – nicht zuletzt durch die 40 Jahre lange Teilung. Als geteilte Stadt konnte Berlin nicht an den Glamour und die Bedeutung der Vorkriegsjahre anknüpfen. Erst seit der Vereinigung 1990 holt die Stadt wieder auf. Hinzu kommt die föderale Struktur Deutschlands. So gibt es in Deutschland viele bedeutende Städte, die für den Einzelhandel viel Potenzial bieten.

Berlin, das mit seinen teilungsbedingten Brachen in innerstädtischen Top-Lagen noch Raum für neue Projekte bietet, ist derzeit das begehrteste Expansionsziel des Einzelhandels. Bayerns Metropole München ist aber in Deutschland die teuerste Stadt. Hamburg ist für viele internationale Einzelhändler ein begehrter Testmarkt und ein Eintrittstor auf den deutschen Markt. Mit 3,5 Mio. Einwohnern wird – in absoluten Zahlen gemessen – laut GfK Geomarketing der meiste Einzelhandelsumsatz (17,91 Mrd. Euro) in Berlin erzielt. Das sind 4,35% des gesamten deutschen Einzelhandelsumsatzes. Auf den Rängen folgen Hamburg mit knapp 1,8 Mio. Einwohnern und 11,01 Mrd. Euro Umsatz vor München mit knapp 1,4 Mio. Einwohnern und 10,38 Mrd. Euro Umsatz sowie Köln mit 1,017 Mio. Menschen und 6,97 Mrd. Euro Umsatz.

Der Zahlenvergleich zeigt, dass München in Relation zur Bevölkerung unter den Metropolen den meisten Einzelhandelsumsatz auf sich vereinigt. Das erklärt, warum die Bayernmetropole in punkto Miete deutschlandweit mit über 300 Euro je qm an der Spitze rangiert – auch wenn Berlin weiter aufholen dürfte. In beiden Städten spielt nach Feststellung der BBE Handelsberatung bei der Umsatzentwicklung  auch der Tourismus eine wichtige Rolle.

Insgesamt erzielten die 15 größten deutschen Stadtkreise inkl. des Landkreises Hannover 21,4% des gesamten stationären Einzelhandelsumsatzes in Deutschland (ohne Online-Umsatz), den GfK Geomarketing mit 410,1 Mrd. Euro beziffert. Das belegt die Attraktivität der großen deutschen Städte im Allgemeinen. In der Liste finden sich hinter Köln auf Rang 4 der Landkreis Hannover auf 5, vor den Stadtkreisen Frankfurt/M., Düsseldorf, Stuttgart, Nürnberg, Essen, Bremen, Dortmund, der Landkreis Recklinghausen, die Städteregion Aachen und der Stadtkreis Dresden.

„An diesen Standorten kann der Einzelhandel mit einer hohen Nachfrage, aber zugleich auch einer hohen Konkurrenz rechnen“, heißt es in der Studie GfK Einzelhandelsumsatz 2013: „Mit ihrem milliardenschweren Umsatzpotenzial sind die deutschen Metropolen für den filialisierten Handel als Standorte unverzichtbar, auch zur Sicherung der Markenpräsenz.“ Die Studie von GfK Geomarketing weist die regionalen, stationären  Einzelhandelsumsätze für alle Kreise und Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern aus. Dabei zeigt der Zahlenvergleich, dass viele Mittel- und Kleinstädte als Handelsstandorte an Bedeutung gewinnen.

Das gilt besonders für Mittelstädte mit einem großen ländlichen Umland, deren Einzelhandelsangebote für die Bewohner in den kleineren Nachbargemeinden die einzige attraktive Einkaufsmöglichkeit bietet. Die absolute Kaufkraft solcher Städte mit Versorgungsfunktion übersteigt das Volumen der jeweiligen Stadt bei weitem und bietet ein beachtliches Umsatz-Potenzial. So finden sich im Ranking von GfK Geomarketing über den Umsatz je Einwohner nicht Berlin, Hamburg oder München ganz oben, sondern die Stadtkreise Straubing, Passau und Weiden i. d. Oberpfalz. Hier sind die rechnerischen Pro-Kopf-Umsätze mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Ablesen lässt sich das u.a. am Einzelhandelsumsatz pro Kopf und am Index des Einzelhandelsumsatzes, der in Straubing bei 221,5 liegt, in Passau bei 216,3, in Weiden bei 212,3 und in Schweinfurt bei 203,2.

An diese Werte reichen die Metropolen nicht heran. In Berlin liegt der „Index des Einzelhandelsumsatzes“ mit 101,6 knapp über dem Bundesdurchschnitt, und der Pro-Kopf-Einzelhandelsumsatz beträgt in Berlin „nur“ 5 115 Euro. In Straubing ist er mit 11 155 Euro mehr als doppelt so hoch. Auch der Vergleich der Mittelstädte Passau und Weiden mit den Metropolen, fällt zugunsten der kleineren Städte aus.

Unter den Metropolen steht der Stadtkreis München in punkto Einzelhandel pro Kopf mit 7 529 Euro an der Spitze vor dem Stadtkreis Düsseldorf mit 7 233 Euro, dem Stadtkreis Nürnberg mit 6 956 Euro und Köln mit 6 851 Euro. Dagegen bringt es der Stadtkreis Würzburg (rd. 133 000 Einwohner), als Nummer 10 unter den Mittelstädten immer noch auf einen Einzelhandelsumsatz pro Kopf  von 9 294 Euro, der Index des Einzelhandelsumsatzes liegt bei 184,6 und damit immer noch über dem Wert des Stadtkreises München, der unter den Metropolen mit 149,5 den höchsten Index des Einzelhandelsumsatzes bietet.

Mit Blick auf die Tatsache, dass der deutsche Einzelhandel verglichen mit anderen europäischen Ländern noch eine hohe Stabilität aufweiset, der stationäre Handel in 2013 aber nur moderat um 0,5%  auf 412,1 Mrd. Euro steigen wird, sieht GfK Einzelhandelsexperte Oliver Giehsel für die Branche noch lukrative Expansionschancen in den Mittelstädten. Zumal der stationäre Handel im Wettbewerb mit dem Online-Handel Konzepte finden muss, mit denen er sein Profil schärfen kann. „Dabei ist es entscheidend, mit der Ladenpräsenz am richtigen Standort zu sein“, so Giehsel, „d.h. den Orten, die die Verbraucher zum Einkaufen gerne und zahlreich aufsuchen.“ Das biete dem Einzelhandel auch 2013 attraktive Standorte.

 

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